Telekom-Austria-Vorstand und Betriebsrat verhandeln über Jobabbau

26. November 2008, 16:10
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Personalvertreter Kolek: Vorstand will Mitarbeiterkosten dem Steuerzahler anlasten, um so die Gewinne der Aktionäre zu erhöhen

Am morgigen Donnerstagvormittag suchen der Vorstand der Telekom Austria (TA) und dessen Personalvertreter nach einem gemeinsamen Weg zur Stärkung des kriselnden Festnetzsektors. Wie berichtet will die börsenotierte Telekom in diesem Bereich 2.500 Mitarbeiter abbauen, da sie überzählig seien. Die Belegschaftsvertreter hingegen sehen darin nur einen Dienst an den Aktionären auf Kosten von Bevölkerung und Mitarbeiter.

Protest angedroht

Laut Betriebsratschef Michael Kolek gehe es darum, "Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu mobben und so den Druck auf die Politik zur Schaffung einer Beamtenagentur zu erhöhen". Kolek: "Damit will der Vorstand die Kosten für Mitarbeiter, für die er aufgrund fehlender Kompetenz keine Arbeit schaffen möchte, den Steuerzahlern anlasten und so die Gewinne der Aktionäre rasch weiter steigern." Solle der Plan umgesetzt werden, droht Kolek mit "massiven Protestmaßnahmen".

Laut Kolek stünde ein Ausbau statt Abbau des Festnetzes auch im Interesse des Staates. Er beruft sich dabei auf Zahlen des Wirtschaftsforschungsinstitut. "Eine Erhöhung der Investitionen auf eine Milliarde Euro würde die Bruttowertschöpfung um ca. 570 Mio. Euro erhöhen, weitere 9.700 Beschäftigtenjahre absichern und eine Steigerung der Steuereinnahmen um ca. 140 Mio. bewirken", so Kolek.

Unterstützung von RTR

Indirekte Unterstützung erhielten die Mitarbeiter zu Wochenbeginn auch von der Regulierungsbehörde RTR. Deren Chef Georg Serentschy meinte bei einer Podiumsdiskussion im Zuge der Konferenz Tel.Con.08, dass das Festnetz im Interesse des Wirtschaftsstandortes erheblich ausgebaut werden müsse. Dass das Festnetz so stark gegenüber dem Mobilfunk verloren habe, liege auch daran, dass zu wenig in den Geschwindigkeitsausbau und neue Dienste investiert wurde.

Die TA hat die Vorwürfe zurückgewiesen, dass es dem Unternehmen beim geplanten Personalabbau nur um Gewinnmaximierung für die Aktionäre gehe. "Telekom Austria hat für die Kosten des Mitarbeiterabbaus 630 Mio. Euro rückgestellt und nimmt in Kauf, dass deshalb im Geschäftsjahr ein Nettoverlust entsteht. Also ganz klar ist, dass Telekom Austria die Kosten trägt und keinen Gewinn macht. Die Personalvertretung sagt die Unwahrheit, trotz besseren Wissens", so Telekom-Sprecher Martin Bredl. Außerdem sei es eine "unmögliche Vorgangsweise" des Betriebsrates, einen Tag vor den Verhandlungen mit derartigen Vorwürfen die Gesprächsbasis zu untergraben.

Er appellierte an die Belegschaftsvertreter, einer Flexibilisierung des Beamtendienstrechtes zuzustimmen. "Denn dann könnten die beamteten Mitarbeiter auch außerhalb der Telekom Austria beschäftigt werden und müssten nicht bei fast vollen Bezügen zu Hause sein", hieß es.

"Passivierung"

Wie berichtet sollen die Telekom-Mitarbeiter über natürliche Fluktuation, großzügige Abfertigungen ("Golden Handshake") und - wenn die beiden Möglichkeiten von den unkündbaren Beamten nicht angenommen werden - über "Passivierungen" das Unternehmen verlassen. Wobei Letzteres bedeutet, dass die Arbeitnehmer mit rund 85 Prozent ihres Einkommens zu Hause sitzen und Daumen drehen bzw. auf Abruf bereit stehen müssten oder kurz nach der "Passivierung" wieder befristet beschäftigt würden, so die Personalvertreter.

Widerstand gegen Fischer-Nachfolger

Widerstand kommt auch gegen die kolportierten Nachfolger des im Sommer ausgeschiedenen Festnetz-Chefs Rudolf Fischer. Bisher führt Telekom-Boss Boris Nemsic interimistisch diesen Bereich, bis Ende März 2009 muss ein endgültiger Nachfolger gefunden sein. Als Favorit gilt Mobilkom-Marketingchef Hannes Ametsreiter. Dass ausgerechnet ein ausgewiesener Mobilfunker das Festnetz kommandieren soll, sehen die Arbeitnehmervertreter als böses Omen. (APA)

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