Wirtschaftsbarometer deutet auf trübe Aussichten

26. November 2008, 14:43
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Leitl: "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben"

Wien  - "Trübe Aussichten im Sog des Finanzmarktwirbelsturms" ist das am Mittwoch präsentierte Wirtschaftsbarometer Austria (WBA) der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) übertitelt. Und die Daten zeigen hohe Unsicherheit und wenig Optimismus auf. "Die äußerst angespannte Lage hat die Stimmung extrem verschlechtert" heißt es im aktuellen WBA, der auf einer halbjährlichen Umfrage unter 10.000 Unternehmen basiert. "Ohne konjunkturstützende Maßnahmen und gemäß vergangener Beurteilungen und Erfahrungen wäre im Jahr 2009 das erste negative Wirtschaftswachstum seit 1981 zu erwarten". Alle Branchen sind im Minus, die Banken und Versicherungen mit Minus 89 Prozent am deutlichsten.

Gute Wirtschaftspolitik könnte aber noch das Schlimmste verhindern, hofft man in der Wirtschaftskammer. Präsident Christoph Leitl hielt anlässlich der Präsentation der Ergebnisse ein flammendes Plädoyer für mehr Optimismus. "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben", Österreich müsse sich eben "vom kleiner werdenden Kuchen ein größeres Stück abschneiden", sagte Leitl. Eine negative Prognose sei nicht dazu da, "sich gottergeben zu fügen" oder sich zu fürchten. Umso wichtiger sei nun "eine gute Wirtschaftspolitik" von der Regierung.

"Traurige Realität"

Die Regierung habe die "traurige Realität" der aktuellen Probleme nicht richtig verstanden, kritisierte Matthias Krenn, Vizepräsident der Wirtschaftskammer und Obmann des Ringes Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW), am Mittwoch in der gemeinsamen Pressekonferenz. Die Konjunkturmaßnahmen der beiden Pakete würden nicht ausreichen und stünden "in keinem Verhältnis" zu den Mitteln, die dem Finanzsektor zur Verfügung gestellt werden.

Während das Banken-Hilfspaket mit 100 Mrd. Euro - zum Großteil allerdings Haftungen - dimensioniert ist, haben die Konjunkturmaßnahmen nach Berechnung der Wirtschaftskammer ein Volumen von etwa 5,5 Mrd. Euro. Eine Verdoppelung auf 11 Mrd. Euro (etwa 4 Prozent des BIP) wäre da durchaus sinnvoll, sagte Krenn. In der aktuellen Situation müsse man "energisch Klotzen".

Krenn kritisierte heftig, dass zahlreiche Unternehmen kein Geld bekämen, obwohl sie für Projekte Kredite brauchen würden. Seiner Information nach gebe es Vorstandsbeschlüsse in manchen Banken, keine Projekte mehr zu fördern. Eine Bank habe für einen Kredit über 10.000 Euro Sicherheiten über ebenfalls 10.000 Euro gefordert. Unter diesen Bedingungen brauche ein Unternehmen keinen Kredit. Auch Banken müssten bereit sein, Risiko zu übernehmen. (APA)

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