"Weltmeister will ich werden!"

26. November 2008, 11:11
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Gesamt-Weltcupsieger Thomas Morgenstern ist nach Skimarken-Wechsel optimistisch auch den letzten fehlenden Titel in seine Sammlung aufnehmen zu können

Kuusamo - Im Alter von nur 22 Jahren hat er alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Nur eines fehlt Gesamt-Weltcupsieger Thomas Morgenstern noch: eine Einzel-Goldmedaille bei Nordischen Weltmeisterschaften. Und der rotzfreche und sympathische Kärntner, der im Vorjahr vor Saisonbeginn die große Kristallkugel erfolgreich angepeilt hatte, will daher genau das erreichen: "Ja, Weltmeister möchte ich werden. Einzel-Weltmeister - am 27. Februar", antwortete er im APA-Gespräch wie aus der Pistole geschossen.

Österreichs "Sportler des Jahres 2008" hat mit seiner unbekümmerten Art sicher einen Vorteil gegenüber so manchem verbissen arbeitenden Konkurrenten. Mit zwei Olympischen Goldmedaillen, drei Team-Weltmeister-Titeln und Team-Gold bei der Skiflug-WM sowie zwölf Weltcup-Einzelsiegen ist es allerdings auch schon recht leicht, unbekümmert zu sein.

Materialwechsel

Darum hat Morgenstern auch viele überrascht, als er trotz seines Erfolges vor Saisonbeginn seine Sprung-Skimarke wechselte. Der Umstieg von Fischer auf Atomic war von vielen mit Geld in Zusammenhang gebracht worden. "Das ist ein Blödsinn. Im Skispringen ist bei den Skifirmen sowieso nicht gravierend was drinnen und darum ist es mir in dem Fall auch nicht gegangen. Es geht darum, dass ich das beste Material finde, und eine neue Herausforderung für die nächsten Jahre habe", versicherte Morgenstern.

Cheftrainer Alexander Pointner erklärte diesen Wechsel auch mit einer gewissen "Emanzipation" des Sportlers (Pointner: "Dieses Recht sollte man sich auch nehmen, um beruhigt, den einen oder anderen Weg zu gehen"). Keinesfalls ist es, so betont auch Morgenstern, an schlechtem Material gelegen. Der Unterschied zum neuen Ski ist für ihn weniger groß als erwartet. "Was mir taugt, ist das System im ersten Drittel, also über dem Vorbau, da läuft das System lässig zusammen."

Aus Cheftrainer-Sicht ist eine Aufteilung auf mehrere Skimarken mannschaftlich gesehen freilich auch kein Fehler und vielleicht auch ein kleiner Vorteil, denn nun sind neben Morgenstern auch Wolfgang Loitzl und Bastian Kaltenböck Atomic-Kunden, Gregor Schlierenzauer, Martin Koch, Andreas Kofler und Markus Eggenhofer fliegen auf Fischer.

Kein Zweikampf

Morgenstern wird auch auf dem neuen Material wieder zum absoluten Favoritenkreis zählen, scharfe Konkurrenz wird er u.a. auch im Sommer-GP-Sieger Schlierenzauer finden. "Es kann so viel passieren. Jeder hat was mitzureden. Man muss jetzt einmal den ersten Machtkampf abwarten in Kuusamo, dann werden wir sehen, wie weit die anderen sind. Es werden andere auch mitmischen, so überlegen sind wir nicht", wehrte Morgenstern Spekulationen in Richtung eines Zweikampfes der beiden Teamkollegen ab.

Der Doppel-Olympiasieger schätzt die Norweger mit Anders Bardal, Tom Hilde und Anders Jacobsen stark ein. "Die Deutschen sind im Sommer mit dem Schuster Werner einen Schritt weitergekommen, dann der Adam natürlich. Der hat auch noch große Ziele", sprach Morgenstern auch Adam Malysz an.

Nach dem Pilotenschein hat "Morgi" zuletzt in Ägypten auch den Tauchschein gemacht. "Jetzt fehlt nur noch der Bootsschein, oder?", scherzte Morgenstern. Und wie wäre es mit dem Trauschein? "Da haben wir noch ein bisschen Zeit", meinte er lachend. Allerdings geht er mit seiner Freundin Kristina demnächst ein anderes "Großprojekt" an: "Ich spare aufs Hausbauen - in naher Zukunft. Das ist auch ein großer Traum, auf den spar ich hin." Entstehen soll das Haus in Seeboden am Millstätter See.

Davor will er aber den nächsten sportlichen Traum bei den Nordischen Weltmeisterschaften in Liberec realisieren. Am WM-Schauplatz fühlt sich Morgenstern sehr wohl, hat er doch sein erstes und auch sein bisher letztes Weltcupspringen sowie auch zwei Kontinentalcup-Bewerbe gewonnen. Es ist weniger das besondere Schanzenprofil, das ihn optimistisch macht. "Es ist einfach Vertrauen und ein besonderes Gefühl da", sagte der Weltcup-Gesamtsieger. (APA)

 

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