"Wir sind doch keine Dodeln"

25. November 2008, 19:10
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In Wien tagten die Wissenschaftskommunikatoren

Es zischt und brodelt in den Gläsern, Kerzen flackern um die Wette, mittendrin ein Verschnitt aus Einstein und Mad Scientist. Der Mann mit aufgeklebtem Schnauz und wirrem Blick empfiehlt den Besuch der Langen Nacht der Forschung (LNF).

"Wir sind doch keine Dodeln," beschwerten sich etwa die Forscher am Wiener Institut für Molekulare Pathologie (IMP) über diesen Werbeclip. Dies berichtete die PR-Verantwortliche des IMP Heidi Hurtl Ende letzter Woche auf der Tagung "SciCom08" an der Technischen Universität Wien. Sie bemühe sich stets "ihre" Forscher für entsprechende Begegnungen mit der Öffentlichkeit zu gewinnen, aber mit solchen Filmchen sabotiere man ihre Arbeit.

Wenn man die große Masse erreichen wolle, müsse man eben mit groben Klischees arbeiten, rechtfertigte sich Paul Glück von der Agentur brainiac, die die LNF heuer ausgerichtet hatte.

Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaftskommunikation wollte die SciCom08 ausloten. Bei den über 60 Vorträgen wurde aber schnell klar: "die" Wissenschaftskommunikation gibt es längst nicht mehr. Die Formate haben sich durch Import aus dem Ausland stark vermehrt und reichen von Massenevents wie der LNF und der Kinderuni über Talentwettbewerbe wie FameLab bis hin zu Mitmachlaboren. Nur diese Vielfalt ermöglicht es, verschiedenste Publika zu erreichen, alt und jung, bildungsnah und bildungsfern. Und ja, Wissenschaft darf auch Spaß machen.

Konsens bestand auf der Tagung auch darüber, dass das Konzept der "Defizitkommunikation" , also ein vermeintlich unwissendes Publikum mit den Segnungen der Wissenschaft vertraut zu machen, ausgedient habe. Wünsche wie auch Ängste der Menschen seien ernst zu nehmen, die Kommunikation müsse "symmetrisch" verlaufen und eben nicht von oben herab. Nicht nur solle das Publikum etwas über Wissenschaft lernen, sondern auch die Wissenschaft etwas über das Publikum.

Dies müsste sich jetzt nur noch bis in die letzten Winkel der Ministerien, Werbeagenturen, Museen und Redaktionsstuben herumsprechen. Auf den nächsten Werbeclip für die LNF sind wir gespannt. (Oliver Hochadel/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

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