Halbgare "Salome" in der Staatsoper

25. November 2008, 17:29
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Bei der Inszenierung von Boleslaw Barlog scheint es besser, gar nicht erst hinzusehen

Wien - Der Topos vom verbotenen Blick zieht sich wie ein roter Faden durch Richard Strauss' Salome. Auch bei der Inszenierung von Boleslaw Barlog, die nun zum 182. Mal an der Staatsoper gezeigt wurde, scheint es besser, gar nicht erst hinzusehen. Es ist müßig, über ihre patinierte Ästhetik herzuziehen, denn sie ist rettungslos verschlampt. Da konnte auch Hausdebütant Gerhard A. Siegel noch so herrlich verschlagen und angstgepeinigt sein - in der lächerlichen Kostümierung von 1972 und zwischen dem desorientiert umherstehenden Personal hatte er keine Chance auf tiefere Wirkung.

Im Staatsopernorchester schillerte es in ebenso vielen Farben wie die Juwelen und Kostbarkeiten dieses Herodes. Nur was Dirigent Leif Segerstam damit anstellte, war herzlich wenig. Er organisierte wohl den Takt (auch wenn es zuweilen empfindlich wackelte), nicht aber die ungehemmten, aber genau kalkulierten Energieflüsse der Musik. Ihre erotisch überdrehte Harmonik mit ihren Verflechtungen und Knalleffekten: Das klang alles halbgar, als hätte man exquisite Zutaten nicht gekocht, sondern bloß auf 50 Grad erwärmt.

Hilflose Gesten

"Schräcklich" sei die "Höhlä", in der der solide Jochanaan (Morten Frank Larsen) saß: Es wäre billig, der Debütantin in der Titelrolle, Deborah Voigt, ihre Aussprache vorzuwerfen, wenn sie ansonsten brillant und weniger herb geklungen hätte. So aber wurde sie in Verbindung mit den hilflosen Gesten aller Beteiligten nur Teil einer auf keiner Ebene überzeugenden Unternehmung. Ein einsames Buh, kaum dass der Vorhang fiel, wurde unter Jubel begraben - wie soeben die Prinzessin unter den Kunststoffschildern der Soldaten. (daen/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

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