BHP Billiton will Rio Tinto nicht mehr

25. November 2008, 18:45
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Der weltgrößte Berg­baukonzern gibt die geplante 58 Milliarden Dollar schwere feindliche Übernahme seines Konkurrenten auf - Gründe: EU-Auflagen und Finanzkrise

Sydney - Eine der größten Unternehmensfusionen der Geschichte ist nun selbst Geschichte. Der britisch-australische Bergbaugigant BHP Billiton hat die 66 Mrd. US-Dollar (51 Mrd. Euro) schwere feindliche Übernahme von Rio Tinto abgebrochen.

Das Angebot liege nicht mehr im Interesse der Aktionäre, sagte BHP Billiton-Chef Marius Kloppers. Als Grund wird die zunehmend schlechtere Situation an den globalen Finanzmärkten angeführt. Nach dem dramatischen Fall der Preise für eine Vielzahl von Rohstoffen in den vergangenen Monaten könne BHP das Risiko nicht eingehen, Rio Tintos Schulden im Umfang von mehreren dutzend Milliarden Dollar zu übernehmen.

Als weiterer Grund für die Absage des Deals gelten Auflagen der EU-Kommission. Diese hätte bei einem Zusammenschluss eine Trennung von Teilen des Eisenerz- und Kohlegeschäftes verlangt. Die Übernahmepläne wurden seit Monaten auch von Kunden und Lieferanten kritisiert. Sowohl Rohstoffkäufer in China, anderen Ländern Asiens, aber auch Europas hatten befürchtet, die "Mammuthochzeit" dieser zwei ohnehin schon dominanten Marktteilnehmer könnte zu einer Verteuerung der Preise für eine Reihe von Industriemetallen führen - allem voran Eisenerz. Wäre es zur Fusion gekommen, hätte das neue Unternehmen ein Drittel der weltweiten Exporte des Rohmaterials zur Stahlherstellung kontrolliert.

Heftig reagiert haben die Aktien. Der Kurs von Rio Tinto stürzte mehr als 40 Prozent ab, BHP schossen um mehr als ein Fünftel nach oben. (Urs Wälterlin aus Sydney, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

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    Analysten zeigten sich überrascht von der Entscheidung der Australier.

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