Kopf des Tages: Weltenbürger als neuer US-Finanzchef

23. November 2008, 18:11
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Timothy Geithner geht krisengestählt ins Finanzministerium - War zuletzt Fed-Präsident von New York

Barack Obama und der von ihm designierte neue Finanzminister Timothy Geithner haben viel gemeinsam: Sie sind auf den Monat gleich alt, beide haben an prestigereichen Universitäten an der Ostküste studiert, beide betrachten sich aufgrund ihrer Auslandsaufenthalte in jungen Jahren als „Bürger der Welt".
Und beide waren und sind auf ihre Weise „community organizers" - wenngleich die Gemeinde Geithners, nämlich die Finanzwelt in New York, denkbar weit entfernt ist von Obamas South Side in Chicago.

Timothy Franz Geithner wurde im August 1961 als Sohn wohlhabender Eltern geboren, absolvierte die International School in Bangkok, wo die Familie einige Jahre verbrachte: Geithners Vater war von der Ford Foundation angestellt und für Entwicklungsländer zuständig. An der Johns Hopkins University studierte er internationale Wirtschaft, er beschäftigte sich mit Chinesisch und Japanisch und lebte unter anderem in Simbabwe, Japan, Indien und China.
Nach seinen Studien arbeitete Geithner drei Jahre für Kissinger and Associates in Washington und wurde 1988 in die internationale Abteilung des Finanzministeriums aufgenommen, wo er sich insbesondere während der Regierung von Bill Clinton bis zum Staatssekretär hochhantelte. Er profilierte sich unter den Finanzministern Robert Rubin und Lawrence Summers - Letzterer gilt heute noch als sein wichtigster Mentor.

2002 trat er eine Stelle im New Yorker Council on Foreign Relations an, einer renommierten außenpolitischen Denkfabrik, und arbeitete kurzfristig beim Internationalen Währungsfond, bevor er im November 2003 zum Präsidenten der US-Notenbank in New York berufen wurde.
Die ersten Reaktionen auf Geithners Ernennung zum US-Finanzminister waren durchwegs positiv: Republikaner wie Demokraten begrüßten die Entscheidung, aber noch wichtiger: An der Wall Street wurde eine siebenprozentige Steigerung des Dow Jones Average verzeichnet. Dabei ist er als künftiger Finanzminister eine ungewöhnliche Erscheinung: Geithner hat noch nie an der Wall Street gearbeitet oder selbst ein Unternehmen geleitet.

Timothy Geithner lernte seine Frau Carole M. Sonnenfeld im College kennen und heiratete sie 1985; das Paar hat zwei Kinder, Elise und Benjamin. In seiner Freizeit fischt und surft er und spielt leidenschaftlich Tennis. Jeden Sommer besucht er gemeinsam mit Larry Summers ein Tenniscamp. Der soll nun Obamas Top-Wirtschaftsberater werden.(Susi Schneider, DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2008)

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    Timothy Geithner (47) ist der künftige US-Finanzminister.

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