"Lust auf Veränderung"

21. November 2008, 17:40
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Vertrauen über Information: "Change Communications: Ausnahme- oder Normalzustand?" war Thema einer Diskussion

"Change Communications: Ausnahme- oder Normalzustand?" war Thema einer Diskussion an der FH Wien, geleitet von Standard-Redakteurin Heidi Aichinger. Vor zahlreichen Studierenden debattierten Wolfgang Rosam, Inhaber von Change Communications, Evelin Mayr, Personaldirektorin und Mitglied der Geschäftsführung von HP Österreich, Sieglinde Martin, Leiterin des Instituts für Kommunikationsmanagement der FH, und Michael Krammer, CEO des Mobilfunkers Orange.

Er danke Barack Obama, der monatelang als Werbeträger für den "Change" agiert habe, sagte Rosam zu Beginn. Wobei er klarmachte, dass „Change" nicht nur eine sich vollziehende Veränderung meine, sondern eine aktive Tätigkeit sei. 90 Prozent aller Betriebsübernahmen scheitern "an schlechter, nicht rechtzeitiger Kommunikation", erklärte er und nahm den deutschen Energiekonzern Eon als Beispiel, dessen Fusion mit dem spanischen Versorger Endesa 2007 scheiterte.

"Der Fehler war, dass in Spanien kommuniziert wurde: ‚Deutsche wollen Spanier kaufen‘." Dies führte zu einer Abwehrhaltung. Hätte es geheißen, ‚Deutschland nimmt Spanien auf‘, hätte der Deal wohl funktioniert. Change Communication müsse demnach „Lust auf Veränderung" machen, so Rosams Kernaussage - und zwar bei allen Betroffenen, ob Mitarbeiter oder Kunden.

Vertrauen über Information

Das heiße, "Vertrautheit" zu schaffen, sagte Krammer, was "nur über Information funktioniert". Als der Mobilfunker max.mobil, dessen Geschäftsführer er damals war, 2002 den Markenwechsel zu T-Mobile vollzog, habe der Change nicht ganz nach Plan funktioniert. 2500 Mitarbeiter fanden sich demnach zu einer Großveranstaltung "mit allen Chefs aus Deutschland" ein. Als Höhepunkt verwandelte sich die blau-orange Marke in einer Animation in den magenta-farbigen T-Mobile-Schriftzug - was ein Pfeifkonzert und Buhrufe auslöste.

Nach seinen Engagements für tele.ring und den deutschen Anbieter E-Plus kehrte Krammer 2007 zurück nach Österreich und koordinierte den kürzlich erfolgten Wechsel von One zu Orange. "Diesmal haben wir die Mitarbeiter schon ein Jahr davor eingeladen, die Marke kennenzulernen." Geschenke mit dem neuen Logo trugen zur Akzeptanz bei.

Allerdings sei Change Communication nicht nur Chefsache, so Mayr: "Das braucht die gebündelte Kraft aller." Wichtig sei zu schauen, "wo die Emotion zu Hause ist". Mitarbeiterängste müssten ernst genommen werden, die Menschen "verdienen, dass klar, offen und ehrlich kommuniziert wird".

Bei der internen Kommunikation gehe es "um Management-Prozesse mit dem Ziel, alle Kommunikationsquellen zu verbinden, um so Einheit zu signalisieren", gab Martin einen dazupassenden Einblick in die Inhalte des FH-Studiums. (mad/DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.11.2008)

  • Michael Krammer (Orange), Standard-Redakteurin Heidi Aichinger, Evelin Mayr (HP), Sieglinde Martin (FH Wien) und Wolfgang Rosam (Change Communications).
    foto: fh wien/bretterbauer

    Michael Krammer (Orange), Standard-Redakteurin Heidi Aichinger, Evelin Mayr (HP), Sieglinde Martin (FH Wien) und Wolfgang Rosam (Change Communications).

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