Ambitionierte Zukunftsprojekte nach schwachen Quartalszahlen

21. November 2008, 11:06
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Orientierung soll sich auf mobiles Internet ausrichten. Auch die Ausgabe einer Bankomatkarte ist geplant, ein Kostensparprogramm von 40 Millionen Euro ebenfalls

Wien - Die Orientierung auf das mobile Internet, die Lizenzierung einer Prepaid-Karte und eine geplante Kostenreduktion um 40 Mio. Euro sind die zentralen Projekte des börsenotierten Internet-Wettanbieters bwin für die nächsten Monate. In Zahlen gegossen sieht das zweiköpfig geführte Unternehmen die Brutto-Gaming-Erträge (Wetteinsätze abzüglich Wettgewinne) von 353,5 Mio. Euro im Jahr 2007 auf 415 Mio. Euro im Zeitraum 2008 und auf 430 bis 445 Mio. Euro im kommenden Jahr steigen.

Im Fokus der beiden CEO's Manfred Bodner und Norbert Teufelberger steht die stärkere Orientierung auf mobiles Internet, das in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen habe und dessen Wachstumspotenzial sehr hoch eingeschätzt wird. Während die aktuellen Erträge nur zu rund 1,5 Prozent (6-7 Mio. Euro) durch Wetten mit mobilen Browsern erwirtschaftet werden, will die Unternehmensführung bald 50 Prozent der Wettumsätze über iPhone, Blackberry oder andere mobile Internetbrowser generieren.

Außerdem soll die Ausgabe einer Guthabenkarte (Prepaid Card) den bwin-Kunden bald die Möglichkeiten einer Bankomatkarte bieten. Auf ein Onlinekonto bei bwin wird Geld geladen, mit welchem nicht nur Wetteinsätze, sondern mit einer Prepaid Card auch Einkäufe in ausgewählten Geschäften getätigt werden können. Diesbezügliche Kooperationen mit Geschäften, wie Buch- oder Weinhandlungen seien vor allem in Großbritannien schon fortgeschritten, aber auch in Österreich habe man schon Partnerunternehmen.

eMoney license

Die rechtliche Grundlage für das Anlegen von Konten und die Ausgabe von Guthabenkarten biete die sogenannte "eMoney license", welche bwin seit März 2008 besitze und gerade aus Großbritannien in andere europäische Staaten portiere. Der ganze Lizenzierungsprozess kostete bisher rund 25 Mio. Euro und soll im ersten Quartal 2009 unter dem Namen "Cactus" als zusätzlicher Kundenservice an den Start gehen.

Auch auf der juristischen Seite sollen sich laut dem Wettanbieter in naher Zukunft einige Änderungen ergeben. So hat Spanien bereits im Dezember 2007 beschlossen, das Online-Glücksspiel auf nationaler Ebene zu regulieren, Italien weitete vor kurzem die Lizenzen auf Pokerturniere aus. Die regulierte Öffnung des französischen Glücksspielmarktes wird für Ende 2009 bzw. Anfang 2010 erwartet. Hier zeige sich laut Bodner und Teufelberger auch die Expansionspolitik von bwin. Dort wo es ein Gesetz zur Aufweichung des Glücksspielmonopols des Staates gebe, werde auch investiert. Das größte Wachstumspotenzial sehen die beiden Konzernchefs aber nicht in der Exploration neuer, sondern in der Intensivierung der bestehenden Märkte.

Die umstrittene Novelle des österreichischen Glücksspielgesetzes von 2008 ist laut bwin-Steuerexperten "schwierig bis nicht exekutierbar und verfassungswidrig". Ein alternativer Gesetzesvorschlag sei von einem bwin-Anwalt erstellt worden und werde kommende Woche an das Finanzministerium übersandt. Bodner und Teufelberger kritisieren vor allem das Verhalten von Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) in der Erstellung der Novelle, da bwin nicht in die Diskussion miteinbezogen worden sei.

Die Drittquartalszahlen 2008 brachten bei den Brutto-Gaming-Erträgen mit 95,5 Mio. Euro rund 10 Mio. weniger ein, als sich die Unternehmensführung erwartet hatte. Das bereinigte Ergebnis nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 9,6 Mio. Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 15,2 Mio. Euro. Vor allem die geringeren Margen bei den Live-Sport-Wetten, ein enttäuschender Umsatz bei den Pokerplattformen, Fremdwährungsverluste und verstärkte Investitionen in Technologien brachten die EBIT-Marge unter Druck.

Allein aufgrund von Fremdwährungsverlusten aus der Bewertung von Kundengeldern gingen 3,5 Mio. Euro verloren. Die IT-Investitionen für die Entwicklung der bestehenden Systeme und neuer Innovationen schlagen mit jährlich rund 80 Mio. Euro zu Buche und sollen auch in Zukunft in dieser Höhe weitergeführt werden. Die Finanzkrise mache sich bei bwin jedoch noch nicht bemerkbar. Bodner und Teufelberger rechnen frühestens im kommenden Jahr mit leichten Anzeichen, wenn die Krise in den Portemonnaies der Kunden spürbar werde. Die Höhe der Zahlungsausfälle liege jedenfalls bei nur 0,21 Prozent.

Dass die Finanzkrise noch nicht bei bwin angekommen ist, sehe man auch in den Kundenzahlen in den ersten Wochen des vierten Quartals 2008. Die Zahl der Neukunden sei in den letzten Wochen mit 3.500 pro Tag im Vergleich zum Durchschnitt des dritten Quartals (2.000) deutlich gestiegen. Rund 20 Prozent der Kunden würden über einen längeren Zeitraum aktiv bleiben und rund 80 Prozent des Umsatzes einbringen.

Auf das enttäuschende Quartalsergebnis wolle bwin mit einem Kostenreduktionsprogramm reagieren. Bodner und Teufelberger sehen ein Einsparungspotenzial von 40 Mio. Euro, das jeweils zur Hälfte auf den Marketingbereich und den sonstigen operativen Kosten aufgeteilt werde. Den Mitarbeiterstand von rund 1.450 Beschäftigten wolle man nicht direkt reduzieren. Lediglich die Aufnahme neuer Arbeitskräfte werde gestoppt und die Zahl der externen Arbeitsplätze nach unten geschraubt. (APA)

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