Rosa? Nein, nicht rosa ...

20. November 2008, 22:03
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...oder fällt Ihnen etwa ein Rennfahrer ein der einen rosa Bolliden fährt?

Unlängst kam mein alter Reisekumpan Martin vorbei. Wurm-erstbesuch. Er brachte ein Brio-Auto mit - designed in Sweden, made in China. Damit agierte er halbwegs korrekt, weil Holzspielzeug, und halbwegs dem Klischee entsprechend, weil Wurmis Vater ja Autojournalist ist und anderen Würmern auch stets kleine Autos mitbringt, wovon der Martin - wir haben gemeinsame Bekannte mit einem Schüppel Babys - gehört hat.

Der Rennwagen für den Wurm ist schwarz lackiert. Die Schweden setzen dabei auf das Pokémon-Prinzip: Besitze sie alle! Also gibt es den Brio-Schieberennwagen außer in Schwarz auch in Rot. Und in Minzegrün sowie in Rosa. Die ersten beiden Farben konnte ich dem Martin und dem Wurm einfach erklären: Rot ist Ferrari, also Lauda, und Schwarz ist Lotus, also Andretti oder Fittipaldi. Aber Minze? Und Rosa? PINK? Quietsch!

An den Rennfahrernamen merkt man, in welchem Jahrzehnt ich womit sozialisiert wurde. Mein Gender-Mainstreaming-Bewusstsein ist unterentwickelt. Einen rosaroten Sportwagen könnte ich dem Wurm nicht zumuten. Was würden seine Haberer in der Babygruppe denken? Ein Frauenversteher, wie sein Vater?

Ich kannte einst einen talentierten, aber armen Drummer, der die Tochter eines weltberühmten Malers zur Freundin hatte. Sie schenkte ihm ein teures Schlagzeug. Ein rosafarbenes. Hui, was haben wir gelacht. Aber das war vor zwanzig Jahren. Vielleicht werden unsere Würmer später charakterfester sein und halten schon heute auch Holzschiebewagen in Rosa aus ... (szem/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2008)

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Leo Szemeliker

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