Salzburg: Kritik am Beschluss Prostitutionsverbot für Schwangere

20. November 2008, 12:41
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Die Grüne Martina Berthold fordert "Unterstützung statt Strafe" und kritisiert das am Mittwoch beschlossenen Prostitutionsverbot für schwangere Frauen

Salzburg - Martina Berthold, Sprecherin der Grünen Frauen und Kandidatin für die Landtagswahl, reagiert auf den am Mittwoch, von SPÖ, ÖVP und FPÖ im Landtagsausschuss gefassten Beschluss, Frauen, die "offenkundig schwanger" sind, die Prostitution zu verbieten. "Ein Prostitutionsverbot für schwangere Frauen greife viel zu kurz. Was die Betroffenen wirklich brauchen, ist echte Hilfe. Zum Beispiel in Form von Mutterschutz und Karenzzeiten sowie all den finanziellen Unterstützungen, wie sie anderen werdenden Mütter auch zuteil werden", so Berthold.

Anlass für das Verbot

Tragischer Anlass für den Beschluss war der Fall jener Prostituierten, die vor etwa einem Jahr ihr Neugeborenes aus dem Fenster eines Bordells geworfen und damit getötet hatte. Dennoch haben ExpertInnen einem Prostitutionsverbot für Schwangere eine Absage erteilt, negative Stellungnahmen kamen vom Bund, vom Büro für Frauenfragen und Chancengleichheit sowie von Frauenberatungseinrichtungen.

Es sei damit zu rechnen, dass die Betroffenen dennoch weiterarbeiten, "weil sie gerade im Hinblick auf die kommende Mutterschaft unter besonderem finanziellen Druck stehen", argumentiert Berthold. "Die Sexarbeiterinnen werden in die Illegalität getrieben und zu vermuten ist, dass sie aus Angst vor behördlicher Kontrolle und Strafen auch auf die notwendigen Gesundheitsuntersuchungen verzichten." Damit aber steige das Gesundheitsrisiko für die betroffenen Frauen selbst sowie auch deren ungeborene Kinder. Die Illegalität schwäche darüber hinaus auch ihre Position gegenüber Kunden.

Ablehnenden Stellungnahme des Bundes

In der ablehnenden Stellungnahme des Bundes wird hingewiesen, dass der Begriff der "offenkundigen Schwangerschaft" problematisch ist, denn bei manchen Frauen ist eine Schwangerschaft erst sehr spät sichtbar, manche haben einen sogenannten "Schwangerenbauch", ohne jedoch tatsächlich schwanger zu sein. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, wer und auf welche Weise die Schwangerschaft denn festgestellt werden soll.

Oberösterreich hat vom Verbot übrigens Abstand genommen und geht einen anderen Weg. Gemeinsam mit der Beratungsstelle für Frauen in der Prostitution "Lena" ein eigenes Prostitutionsgesetz erarbeitet, das an der Verbesserung der Situation der Sexarbeiterinnen orientiert ist. (red)

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    Am Mittwoch wurde von SPÖ, ÖVP und FPÖ im Landtagsausschuss der Beschluss gefasst, Frauen, die "offenkundig schwanger" sind, die Prostitution zu verbieten.

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