Somalia: Mehr als ein Piratenproblem

18. November 2008, 19:59
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Weder eine US-Intervention noch der amerikanische Verbündete Äthiopien, dessen Truppen seit 2006 im Land stehen, konnten dort für Ordnung sorgen

Französische Luxusyachten, ein mit T-72-Panzern beladener ukrainischer Frachter und jetzt der saudische Supertanker "Sirius Star" - die Kaperliste somalischer Piraten wirft einmal mehr Licht auf die prekären Zustände am Horn von Afrika. Somalia ist seit 17 Jahren ein "gefallener Staat". Weder eine US-Intervention (1993) noch der amerikanische Verbündete Äthiopien, dessen Truppen seit 2006 im Land stehen, konnten dort für Ordnung sorgen. Übergangsregierung und UNO haben nichts zu melden. Islamisten, fünf somalischen Haupt- und zahllose Unterclans sowie einige mächtige Geschäftsleute in Mogadischu machen sich ihre Regeln ganz nach ihrem Plaisir.

Das bitterarme Land ist dadurch zum größten Exporteur von Unsicherheit in der Region geworden. Die Piraterie ist dabei nur der auffälligste Geschäftszweig, der die Schifffahrt durch den Suez-Kanal gefährlich macht und Versicherungspolizzen für Reeder in die Höhe treibt. Dazu destabilisieren ausgerechnet aus Saudi-Arabien finanzierte Islamisten zunehmend die angrenzenden Nachbarländer Äthiopien und Kenia. Auf der anderen Seite werden autoritäre Regime in Eritrea und Dschibuti von den westlichen Mächten wegen deren Brückenkopffunktion in der Region gestützt.

Ein Funke im weiter gefassten, strategisch wichtigen Dreieck zwischen Port Sudan, Mombasa und dem Golf von Aden genügt, um einen enormen Flächenbrand auszulösen, in dem Interessen vom Nilwasser bis zu den Ölvorkommen im Südsudan auf dem Spiel stehen. Hinter der spektakulären Seeräuberei vor Somalia steht viel mehr als nur ein Piratenproblem. Dagegen vorzugehen kann für die USA wie für die Europäer nur ein Anfang sein. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

 

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