Beschwerdeflut über AWD-Beratung

18. November 2008, 17:47
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Über 1500 vollständig ausgefüllte Online-Fragebögen sind bisher beim VKI eingelangt - Heute gibt es ein Gespräch mit der AWD-Geschäftsführung

Wien - Beim Verein für Konsumenteninformation reißt der Zustrom an Beschwerden über den Strukturvertrieb AWD und dessen mangelhafte Beratung beim Verkauf von Immofinanz-Aktien nicht ab.

Über 1500 vollständig ausgefüllte Online-Fragebögen sind bisher beim VKI eingelangt, 1200 hat das neunköpfige Team der VKI-Rechtsabteilung bereits durchgesehen und dabei Trends erkannt.
"Offensichtlich wurde sehr wohl mit der angeblichen Mündelsicherheit der Aktie geworben", erklärte VKI-Rechtsexperte Peter Kolba auf Anfrage des STANDARD. "Das geben rund die Hälfte der Leute an". Entsprechende Gutachten, dass Immofinanz-Aktien eine mündelsichere Anlage seien, scheine es bereits seit 1999 gegeben zu haben. "Wofür sonst als für den Vertrieb macht man so etwas?", fragte Kolba.

Zudem sei die Immofinanz-Aktie zwischen 1999 und 2002 von AWD-Mitarbeitern anscheinend auch mit der Behauptung verkauft worden, es handle sich dabei um einen Fonds. "Viele Leute geben an, sie waren der Meinung, einen Fonds zu kaufen. Dazu gibt es auch AWD-Protokolle", sagte Kolba.

Aktion wird fortgesetzt

Derzeit versuche der VKI noch, eine Schadenssumme zu errechnen. "Kaufpreis abzüglich Verkaufspreis abzüglich restlicher Depotwert ergibt die Schadenssumme", erläuterte Kolba. "Eigentlich müßte man auch den Ertrag einer alternativen Veranlagung dazurechnen, wenn das Geld z.B. am Sparbuch gelegen wäre."

Trotz des weiterhin starken Eingangs an neuen Beschwerden wolle der VKI noch vor Weihnachten eine Schadenssumme als Zwischenstand der Untersuchung nennen. Die Beschwerden-Sammelaktion werde aber fortgesetzt. "Solange der Zustrom so groß ist, kann man das unmöglich abbrechen", sagte der VKI-Experte.

Bei den Gesprächen mit dem AWD - der VKI hofft auf eine außergerichtliche Einigung, heute ,Mittwoch, gibt es einen ersten "offenen" Gesprächstermin mit der Geschäftsführung von AWD Österreich - konzentriere sich der VKIauf den Aspekt der falschen Beratung (Mündelsicherheit, Fonds). Dass die Immofinanz-Aktien zu sehr teuren Konditionen an die Kunden gebracht wurden, sei kein Thema, sagte Kolba.

Der "Finanzoptimierer" (Eigenbezeichnung des AWD) verkauft seit Jahren Immofinanz-Ansparpläne mit einer für Kunden äußerst ungünstigen Gebührenstruktur. So werden bei allen Ansparplänen fünf Prozent Spesen verrechnet (die monatliche Mindestsumme, um die Immofinanz-Aktien gekauft werden, beträgt dabei 370 Euro), bei Ansparplänen mit fester Zielsumme werden sogar sämtliche Spesen für die gesamte Zielsumme bei der Ersteinzahlung verrechnet.

Laut Punkt 6 der Bedingungen zum Ankauf von Immofinanz-Aktien werden diese vorweg verrechneten Gebühren im Fall einer späteren Auflösung des Ansparplans auch nicht mehr (anteilig) zurückerstattet. Depotführende Bank für Sparplan-Kunden ist die Constantia Privatbank, die laut Konditionenübersicht zusätzlich Depotgebühren und Verkaufsspesen verrechnen darf. (kol, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

  • Der VKI sammelt auf www.verbraucherrecht.at weiter Beschwerden über mangelhafte Beratung beim Verkauf von Immofinanz-Aktien.

    Der VKI sammelt auf www.verbraucherrecht.at weiter Beschwerden über mangelhafte Beratung beim Verkauf von Immofinanz-Aktien.

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