"NY Times"-Online lässt sich Zuwanderung etwas kosten

18. November 2008, 15:11
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Fünf Journalisten widmen sich allein den Bereichen Zuwanderung und Integration - "Berichterstattung in Österreich übersieht sehr viel"

Wien  - Die Online-Ausgabe der US-Zeitung "New York Times" verfügt über fünf Journalisten, die allein den Bereich Immigration aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. "Wir bearbeiten viele verschiedene Themen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene", so Herausgeberin Fiona Spruill am Montag am Rande der Internationalen Journalistentagung zur APA. Dieses Modell der mehrschichtigen, hintergründigen Berichterstattung "funktioniert für uns sehr gut".

Redaktion filtert

"Wir bekommen sehr viel Rückmeldungen über Kommentare von Usern", erzählt Spruill. Natürlich blieben auch negative Kommentare zum Thema Immigration nicht aus, doch die Redaktion nehme sich das Recht, zu filtern: "Persönliche Angriffe, Rassismus oder Hasstiraden veröffentlichen wir nicht - wir versuchen, die Qualität des Diskurses hoch zu halten." Die Redaktion würde auch stets objektiv und fair berichten, so Spruill.

Petra Lidschreiber vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) sieht generelle Unterschiede zwischen der Berichterstattung über Immigration in den USA und Europa, weil Einwanderer in diesen Ländern anders aufgenommen werden. "Wer nach Amerika einwandert, will Amerikaner werden, er will den amerikanischen Traum leben. Es gibt aber keinen europäischen Traum." Jene Menschen, die nach Europa kommen, würden dies aus ökonomischen Gründen tun; "die gehen von etwas weg", so Lidschreiber. Europa heiße die Einwanderer auch nicht wirklich willkommen, wodurch ein wechselseitiges Ausschließen entstehe.

"Eigentlich negativ"

"Die Berichterstattung über Immigration ist in Deutschland ähnlich wie in Österreich - eigentlich negativ. Das liegt daran, dass Medien sehr viel übersehen." So hätten Asylsuchende wegen der nationalen und europäischen Gesetze faktisch keine Möglichkeit, legal nach Deutschland zu kommen. Die Medien würden sehr negativ über die illegalen Schlepperbanden berichten, doch werde die gesetzliche Situation der Asylsuchenden nicht berücksichtigt, meinte Lidschreiber. Deshalb müssten sich Journalisten verstärkt mit dem Hintergrund von Geschehnissen beschäftigen. 

In Österreich hat derStandard.at mit einer eigenen Integrationsseite, die regelmäßig Hintergründe, Reportagen Interviews und Aktuelles zum Thema Zuwanderung und Integration bringt, vor fast zwei Jahren Standards gesetzt. (APA, red)

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