Auch "neue" EU-Bürger wandern nicht gern aus

18. November 2008, 14:43
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EU-Beitritt der osteuropäischen Staaten hat sich kaum ausgewirkt - In Österreich leben überdurchschnittlich viele Osteuropäer

Trotz freiem Personenverkehr sind die EU-Bürger auffallend immobil: Wie ein aktueller Bericht der EU-Kommission zeigt, leben und arbeiten nach wie vor sehr wenige EU-Bürger in einem anderen als ihrem Heimatland. Daran hat auch der Beitritt der osteuropäischen Staaten nicht viel geändert.

Zwar leben mittlerweile mehr Osteuropäer in den "alten" EU-Staaten als noch 2003. Ihr Anteil beträgt EU-weit nach wie vor nur 0,5 Prozent, bei Rumänen und Bulgaren sind es sogar nur 0,4 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil der EU-Bürger aus den "alten" EU-Staaten stieg in demselben Zeitraum von 1,6 auf 1,7 Prozent, der Anteil von Menschen aus Nicht-EU-Ländern von 3,7 Prozent auf 4,5 Prozent.

Nur Irland war attraktiver

In Österreich ist der Anteil der Menschen aus den 2004 beigetretenen EU-Staaten mit 1,1 Prozent deutlich höher als im EU-Schnitt. 2003 hatte er 0,7 Prozent betragen. Nur Irland beheimatet mit 5,8 Prozent mehr Menschen aus Osteuropa, Großbritannien liegt mit Österreich gleichauf.

Die EU-Kommission sieht dem Vernehmen nach mehrere Faktoren, warum auch bei einer vollständigen Freigabe des Arbeitsmarktes kein großer Ansturm zu erwarten sei: Einerseits dämpft demnach die Wirtschaftskrise die Mobilität von Arbeitskräften, weil - wie die Erfahrungen aus Großbritannien und Irland zeigten - die meisten Menschen nur wegen der guten Aussichten umziehen. Außerdem wollten die meist jungen Arbeitswilligen gleichzeitig eine andere Sprache lernen, was sie eher in angelsächsische Länder führt. Zudem reduziert die Aufhebung der Beschränkungen die Probleme mit Schwarzarbeit.

Restriktiv

Insgesamt sind neben Österreich nur noch in Deutschland, Dänemark und Belgien Restriktionen für Arbeitskräfte aus den zehn 2004 beigetretenen EU-Staaten in Kraft. Die Übergangsfristen können nächstes Jahr im April für weitere zwei Jahre verlängert werden, wenn ernsthafte Arbeitsmarktverzerrungen drohen. Für Arbeitswillige aus den beiden jüngsten EU-Mitgliedsländern, Bulgarien und Rumänien, gelten Beschränkungen noch in 15 EU-Staaten, darunter auch in Österreich. Eine Verlängerung der Übergangsfristen für diese beiden Länder für weitere drei Jahre muss bis Ende Dezember nach Brüssel gemeldet werden; eine Begründung ist nicht notwendig.

Nach Erkenntnissen der EU-Kommission hat die vollständigen Öffnung der Arbeitsmärkte bisher kaum negative Auswirkungen auf Löhne oder Arbeitslosigkeit. Zwar hat der Zustrom kurzfristig Lohnsteigerungen gedämpft, damit aber auch die Inflation. Gleichzeitig hätten diese Mitarbeiter der Wirtschaft geholfen, Facharbeitermangel in bestimmten Sektoren auszugleichen und sogar positiv zu den öffentlichen Finanzen beigetragen. Denn die meisten Migranten sind jung, alleinstehend und beschäftigt, zahlten daher Steuern und brauchten weniger Sozialleistungen als Mitarbeiter aus der Heimat.

Als "reisefreudigste" neue EU-Einwohner entpuppten sich die Litauer, von denen 3,1 Prozent nicht in ihrer Heimat leben, gefolgt von Zyprioten mit 3,0 Prozent, Rumänen mit 2,5 Prozent und Polen mit 2,0 Prozent. (APA)

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