Schön fad

17. November 2008, 17:48
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Die US-Band Fleet Foxes bei ihrer Österreich-Premiere in der Wiener Arena

Wien - Schönheit und Fadesse sind enge Nachbarn. Mann wie Frau kennt das aus dem zwischenmenschlichen Bereich. Abteilung: Der braucht nichts im Hirn haben, der ist eh schön. In die Untiefen dieser zutiefst subjektiven Anschauungen muss man aber gar nicht steigen, wenn es um das Werk der Fleet Foxes geht. Dessen Schönheit ist ohrenfällig. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich die Gesänge der zwei Freunde Robin Pecknold und Skyler Skjelset, des Nukleus der Band, der seit Teenagertagen gemeinsam musiziert und jubiliert.

Fleet Foxes kommen aus dem Umland von Seattle im Nordwesten der USA, von wo ein eher wurzelseppiges Aussehen und rustikal-funktionale Kleidung schon einmal Eingang in die Geschichtsschreibung von Pop gefunden haben. Mit Grunge vom Ende der 1980er-Jahre, den Nirvana nachher weltberühmt gemacht hatten.

Die Fleet Foxes, eine fünf Mann hohe Altkleidersammlung mit Gitarre, Mandoline, Schlagzeug und Keyboards, setzt allerdings ganz woanders an. Nicht im Lärm verzerrter Gitarren suchen und finden sie ihr Glück, nein, sie beschwören die vermeintliche Unschuld der späten 1960er-Jahre, als an der US-Westküste Bands wie The Byrds, die Beach Boys und andere mit diversen gesunden und ungesunden Glücklichmachern den ewigen Sonnenschein und das Blau des Meeres besungen haben, dazu Mädels, die Liebe und den Eierkuchen zum Weltfrieden. Hippies.

Es besitzt durchaus Verführungspotenzial, der Unschuld zu Zeiten eines wieder stärker um sich greifenden Verderbens als dessen ewigem Gegenideal zu frönen, wie das titellose Debütalbum der Band im Sommer bewies. Mit diesem Tonträger - davor wurden zwei EPs veröffentlicht - touren die Fleet Foxes aktuell um die Welt.

G'schichtldrucker

Am Sonntag besuchten sie Wien, für die meisten der Bandmitglieder war es das erste Mal. Nicht so für Josh Tillman, den Schlagzeuger der Combo, der nicht nur das eher längliche Vorprogramm bestritten hat, sondern als der weitestgereiste auf der Bühne schon einmal in Wien war. Da lauschte das Publikum ergeben, und derlei kleine Geschichterln sollten an diesem Abend zwischen fast allen Liedern gegeben werden.

Aber eigentlich war man ja wegen der Musik zwischen den Geschichten angereist - zumindest das Publikum. Und diese Musik erfüllte alle Erwartungen. Aber auch keinen Deut mehr. Zu filigran erscheint der Folkrock der Foxes, um live zu etwas anzuwachsen, was nicht einem relativ exakten Abbild des Tonträgers entspräche. Das ist verständlich, war aber auch fad. Schön fad. Denn die Schönheit, die war natürlich zugegen. Im Form von engelsreinem Gesang, in Gestalt herrlicher Harmonien und einnehmender Melodien. So ähnlich müssen die Lieder von Siedlern in den Appalachen vor langer Zeit geklungen haben, an sonnigen Feiertagen. Süß, bittersüß, gottergeben - und voller Hoffnung.

Hin und wieder ein Donnerwetter wäre der Live-Darbietung wohl gut angestanden. Dies passt aber leider nicht zu Songs wie White Winter Hymnal. Pech und Glück zugleich. Ein Sieg für die Schönheit, auch wenn da und dort gegähnt wurde. (Karl Fluch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 11. 2008)

 

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