Das Denkmalschutz-Dämm-Dilemma

15. November 2008, 17:03
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Können denkmal­ge­schützte Bauten ther­misch saniert werden? Durchaus. Schon beim Dach können 50 Prozent Energie gespart werden

Können denkmalgeschützte Gebäude thermisch saniert werden? Durchaus. Wo und wie man am besten dämmt, ist jedoch von Bau zu Bau verschieden. Allgemeingültige Regeln können selbst Fachleute nicht aufstellen - Anne Isop

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Überall ist von gestiegenen Energiepreisen die Rede, doch nicht jeder kann so leicht darauf reagieren. Vor allem Eigentümer denkmalgeschützter Häuser klagen immer wieder darüber, dass ihnen die Hände gebunden sind. Alexandra Ortler, Energieberaterin bei Energie Tirol, erlebt immer wieder, wie dankbar die Leute sind, wenn sie erfahren, dass es sehr wohl Möglichkeiten gibt, denkmalgeschützte Gebäude thermisch zu sanieren.

Außendämmung ist nur selten möglich

Eines vorweg: Eine Außendämmung ist bei einem denkmalgeschützten Haus nur in den seltensten Fällen möglich. Hier können lediglich Teilmaßnahmen gesetzt werden - etwa indem man die Wand an der Innenseite dämmt. Da eine solche Maßnahme bauphysikalisch gesehen auf der falschen Seite ist und sich unter Umständen Kondensat im Dämmstoff ansammeln kann, müssen Fachleute konsultiert werden. Ortler rät: "Eine Innendämmung muss exakt berechnet und unbedingt von Fachleuten montiert werden. Sonst lässt man lieber die Finger davon." Weiterer Nachteil der Innendämmung: Eine Verkleinerung der bestehenden Räume ist oft nur schwer zu verkraften.

Alternative: Vakuumdämmung

Eine mögliche Alternative ist die sogenannte Vakuumdämmung. Die Verlegung erfolgt in Platten. Die luftentleerte Dämmung hat so gute thermische Werte, dass man mit einem Zehntel der üblichen Dämmstärke das Auslangen findet. Das Material ist teuer und definitiv ein Fall für den Fachmann.

Dachdämmung reduziert Energiebedarf um bis zu 50 Prozent

Neben der Innendämmung gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, ein denkmalgeschütztes Haus thermisch zu sanieren. Hierzu zählen der Fenstertausch sowie die Dämmung des Daches oder der obersten Geschoßdecke. Laut Ortler sei auf diese Weise eine Reduktion des Energiebedarfs um bis zu 50 Prozent möglich.

Beim Haus Zeggele in Silz konnte der Heizwärmebedarf sogar um 60 Prozent reduziert werden. Das Tiroler Bauernhaus, das erst im Zuge der Sanierungsarbeiten unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist Teil einer Initiative der Gemeinde Silz. Um dem Leerstand im Dorf entgegenzuwirken, wird der Dorfkern revitalisiert. Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom "Haus der Zukunft", einem Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit).

Niedrigenergiestandard wo es möglich ist

"Eine der größten Fragen war, wie man mit der Energie im denkmalgeschützten Bereich umgeht", sagt Architekt Peter Knapp, der mit dem Umbau des Hauses Zeggele betraut war. Schließlich entschied man sich zu einem radikalen Schritt: Wo es möglich war, wurde auf Niedrigenergiestandard gedämmt. Die schönen Putzfassaden hingegen wurden gar nicht gedämmt - die dahinterliegenden Räume wie etwa Gang und Toilette bleiben einfach kalt.

Abwägen im Einzelfall

Im Wohnzimmer, in dem diese Maßnahme die Behaglichkeit stark einschränken würde, werden die Wände temperiert, also beheizt. Hier wird der Energieverlust in Kauf genommen. "Meiner Erfahrung nach kann man keine generelle Empfehlung abgeben", sagt Peter Knapp. Es sei immer ein Abwägen zwischen dem Interesse, den Heizwärmebedarf zu reduzieren, und jenem, die historische Bausubstanz zu erhalten. Falsche Dämmung, so Knapp, könne auch Schaden anrichten und nicht nur das charakteristische Erscheinungsbild zerstören, sondern auch die Bausubstanz.

Dieser Meinung ist auch der Wiener Denkmalpfleger Johannes Sima. Ihm ist vor allem die Sanierung der Wiener Gründerzeithäuser ein Dorn im Auge, bei der der historische Putz einfach abgeschlagen und durch Dämmplatten ersetzt wird. Das ursprüngliche Ornament wird in Kunststoff nachgebaut und im Nachhinein auf die Fassade appliziert.

Fördermittel für thermische Sanierung ausweiten

Um das charakteristische Erscheinungsbild der Stadt zu erhalten, sei es sinnvoll, die Fördermittel für thermische Sanierung nicht nur in Abhängigkeit von den Energiekennzahlen zu vergeben. Ausnahmeregelungen gibt es derzeit nur für denkmalgeschützte Gebäude. Sima fordert, diese auf nicht denkmalgeschützte, aber erhaltenswerte Gebäude auszudehnen. (Anne Isop/ DER STANDARD Printausgabe 14/15.11.2008)

  • Da eine eine Innendämmung bauphysikalisch gesehen auf der falschen Seite ist und sich unter Umständen Kondensat im Dämmstoff ansammeln kann, muss sie exakt berechnet und unbedingt von Fachleuten montiert werden. Sonst lässt man lieber die Finger davon
    foto: standard/isee

    Da eine eine Innendämmung bauphysikalisch gesehen auf der falschen Seite ist und sich unter Umständen Kondensat im Dämmstoff ansammeln kann, muss sie exakt berechnet und unbedingt von Fachleuten montiert werden. Sonst lässt man lieber die Finger davon

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