Deutsches Bundeskriminalamt beklagt zunehmende Wirtschaftsspionage

13. November 2008, 14:44
2 Postings

Besonders Russland und China in der Kritik - Eindringen in Unternehmensrechner - Experten tagen in Wiesbaden

Deutsche Firmen werden nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) zunehmend aus dem Ausland ausspioniert. "Die Ausforschung von Wirtschaftsunternehmen ist fester Bestandteil zahlreicher Nachrichtendienste, zum Beispiel in Osteuropa und Asien", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Donnerstag in Wiesbaden. Besonders in der Kritik stünden Russland und China. Nach Einschätzung der deutschen Ermittler dringen ausländische Geheimdienste immer öfter in die Computer deutscher Unternehmen ein.

Konkurrenzdruck

Grund für die vermehrte Ausspähung seien die globalisierte Wirtschaft und damit ein stärkerer Konkurrenzdruck, sagte Ziercke. Das BKA registrierte demnach im vergangenen Jahr 325 Fälle, in denen Firmen etwa von Konkurrenten ausgespäht wurden. Innerhalb von fünf Jahren habe die Zahl der Fälle um 20 Prozent zugenommen. Ziel der Spähaktionen seien nahezu alle Bereiche, besonders aber die Entwicklungsabteilungen von Automobil-, Pharma- und Softwarefirmen. Gefragt sei Spitzentechnologie, sagte Ziercke.

90.000 Fälle von Wirtschaftskriminalität

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 90.000 Fälle von Wirtschaftskriminalität gezählt. Die Zahl sei damit in den vergangenen Jahren konstant geblieben, sagte Ziercke. Allerdings würden Wirtschaftsdelikte meist nicht zur Anzeige gebracht, so dass man von einem Dunkelfeld von 80 Prozent ausgehen müsse. Obwohl Wirtschaftsstraftaten dem BKA zufolge nur ein bis zwei Prozent an der Kriminalität ausmachen, verursachten sie 50 Prozent des Gesamtschadens.

Bei der BKA-Herbsttagung in Wiesbaden beraten noch bis (zum morgigen) Freitag fast 300 Experten über Wirtschaftskriminalität und Globalisierung. (APA/AP)

 

Share if you care.