Hypo NÖ holt sich 50 Millionen Frischgeld

13. November 2008, 11:37
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Pröll kündigt Kapitalerhöhung an - Teil eines landeseigenen Konjunkturpakets

Wien - Auch die niederösterreichische Hypobank holt sich frisches Kapital. Und zwar 50 Mio. Euro - freilich nicht vom Staat, sondern vom Land Niederösterreich, ihrem Aktionär. Das hat Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) am Donnerstag nach einer außerordentlichen Regierungsklausur, bei der ein 150-Mio.-Konjunkturpaket beschlossen wurde, angekündigt. Dadurch könne die "gesunde" Landesbank Kredite in Höhe von 500 Mio. Euro vergeben, hieß es.
Die Hypo stehe "gut da" , verwies Pröll auf eine Eigenkapitalausstattung von knapp zwölf Prozent. Trotzdem gehe es darum, die Bank "nicht zu überfordern" . Ziel sei es, die Hypo noch stärker als bisher in Finanzierungsfragen der Gemeinden und Unternehmen einzubinden.
Warum die Bank nicht das Hilfspaket des Bundes in Anspruch nehme, ist laut Pröll einfach erklärt: Die Banken müssten acht Prozent Zinsen zahlen - dieses Geschäft mache das Land selber.
Bei den 50 Mio. Euro handelt es sich um den Bruttoemissionserlös. Zieht man die Ausgabekurse der letzten Kapitalmaßnahme heran, so würde damit das vom Land gezeichnete Kapital von 47 Mio. Euro auf rund 54 Mio. Euro steigen, hieß es.

Manager-Abfertigungen

Das Kernkapital der Hypo, die im niederösterreichischen Landtag regelmäßig für Konflikte der Parteien sorgt (am Donnerstag waren es die Manager-Abfertigungen) wird mit knapp 350 Mio. Euro beziffert. Mit der Kapitalerhöhung (ihr Effekt auf die Kernkapitalquote beträgt etwas mehr als 1,5 Prozentpunkte) soll angeblich vor allem verhindert werden, dass durch verstärkte Kreditvergaben die jetzige Quote von knapp zwölf auf unter zehn Prozent sinkt.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es auch für die österreichischen Banken, die wegen des gegenseitigen Misstrauens immer noch auf sehr teure Liquidität angewiesen sind. Heute, Freitag, nimmt die bei der Oesterreichischen Kontrollbank angesiedelte Clearingbank (OeCAG) ihre Geschäftstätigkeit auf.
Die neue Bank ist Teil des staatlichen Bankenhilfspakets und soll die kurzfristigen Geschäfte zwischen den Banken ankurbeln und für den Liquiditätsausgleich sorgen. Ihre Eigenmittel (180 Mio. Euro) stammen von den großen österreichischen Banken (RZB, Bank Austria, Erste, Hypo, ÖVAG, Bawag und Drei-Banken). Zudem gibt es genehmigtes Kapital von 80 Mio. Euro, das Versicherern eine Beteiligung an der Bank ermöglichen soll.
Mit den verfügbaren Mitteln des von Hans Kernbauer (Bank Austria) und Peter Nowak (Erste Bank) geführten Instituts sind derzeit Geschäfte bis zu zehn Mrd. Euro darstellbar. Der Bund übernimmt für Ausleihungen Haftungen bis zu vier Mrd. Euro. Darüber hinaus will die Bank kurzfristige Emissionen mit Bundeshaftung begeben, im Volumen von bis zu fünf Mrd. Euro.

Anleger formieren sich

Neues gibt es auch von der Front jener Anleger, die sich im Rahmen der Finanzkrise von Dritten geschädigt fühlen. Am 13. Oktober hat sich in Wien der "Verein für Finanzmarktausgleich" konstituiert. Die Gründer, Philipp Buchner und Peter Stiassny, glauben laut einer Aussendung, dass "eine effiziente Aufsicht Skandale wie Immofinanz verhindern hätte können" und wollen gegen selbige vorgehen. Buchner war früher Gesellschafter von Wine&More, die Handelsgesellschaft wurde 2005 wegen Vermögenslosigkeit gelöscht.(APA/Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2008)

 

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