Wifo erwartet weltweiten Konjunktureinbruch

12. November 2008, 10:30
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Der Anstieg der Arbeitslosigkeit wird sich "erheblich beschleunigen", die Märkte erwarten eine relativ schärfere Rezession im Euro-Raum als in den USA

Wien - Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) zeichnet in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse ein düsteres Bild für die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten. "Vor dem Hintergrund der dramatischen Verschärfung der Finanzkrise" befinde sich die Weltwirtschaft "in einem markanten Abschwung", eine baldige Stabilisierung zeichne sich nicht ab. Gleichzeitig werde sich der seit dem Frühjahr zu beobachtende leichte Anstieg der Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten "erheblich beschleunigen", schreiben die Wifo-Experten Stefan Ederer und Markus Marterbauer.

In Summe werde die Weltwirtschaft heuer real um 3 Prozent wachsen - nach durchschnittlich 5 Prozent in den vergangenen vier Jahren - und 2009 sei eine weitere Abschwächung absehbar. Mit den weltweiten Rettungsplänen für den Finanzsektor sei "eine dauerhafte Stabilisierung des Finanzsystems wahrscheinlich noch nicht gelungen". Eine Erholung der Weltwirtschaft könne "wohl nur dann einsetzen, wenn auf dem Immobilienmarkt der USA eine Wende eintritt und die Liquiditäts- und Solvenzprobleme der Finanzinstitute gelöst werden".

Temporäre Stabilisierung

Die USA habe dank einer sehr expansiven Wirtschaftspolitik mit der Senkung der Leitzinsen um 4,5 Prozentpunkte und Steuersenkungen im Ausmaß von einem Prozent des BIP "eine temporäre Stabilisierung der Konjunktur" geschafft. Allerdings gehe der US-Konsum zurück, womit nur mehr Export und Staatsnachfrage expandieren. "Zumindest für das 2. Halbjahr 2008, wahrscheinlich auch für die folgenden Quartale muss mit einer rückläufigen Grundtendenz des BIP gerechnet werden" heißt es in der Wifo-Analyse. Für das Gesamtjahr sei mit einem US-Wirtschaftsplus von eineinhalb Prozent zu rechnen.

Die EU-Wirtschaft könne sich nicht vom Konjunkturabschwung in den USA abkoppeln. Der Einbruch war in Ländern mit ausgeprägter Immobilienkrise wie Großbritannien, Irland und Spanien besonders stark. Im Euro-Raum insgesamt sank das BIP saisonbereinigt im zweiten Quartal gegenüber der Vorperiode um 0,2 Prozent, für das zweite Halbjahr 2008 müsse mit einem weiteren Rückgang gerechnet werden. Dennoch ergebe sich für das 2008 noch ein Anstieg des BIP um real etwa 1,2 Prozent.

Für die neue EU-Länder erwartet das Wifo heuer noch ein reales Wachstum um 4,9 Prozent, doch sei damit zu rechnen, dass die Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen die Nachfrage der privaten Haushalte "abrupt dämpfen" und die gesamtwirtschaftliche Expansion "empfindlich bremsen" werde.

Immerhin dürften die wirtschaftlichen Probleme zur Entlastung bei der Inflation führen. Rohstoffpreise gehen zurück, der Erdölpreis habe sich sich gegenüber seinem Höchstwert vom Frühsommer bereits halbiert. Die Volatilität der Wechselkurse zwischen den großen Währungen sei sehr groß. Die deutliche Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar in den letzten Monaten spiegle die Erwartung der Devisenmärkte einer relativ schärferen Rezession im Euro-Raum und die unterschiedliche Ausrichtung der Wirtschaftspolitik zwischen den USA und dem Euro-Raum wider. (APA)

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