"Erste positive Signale aus den AHS"

10. November 2008, 17:15
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"Schultourismus" aus ganz Österreich in die steirischen Modellregionen

Graz/Voitsberg - Martin Kaucic ist felsenfest überzeugt: "Die Kugel rollt." Die Sache könne zwar noch verzögert, aber nicht mehr umgekehrt werden. Die Neue Mittelschule werde sich etablieren - früher oder später.

Es sei durchaus "spektakulär" , was sich hier in der Weststeiermark an pädagogischem Aufbruch ereigne, sagt Kaucic, der die Neue- Mittelschule-Modellregion im weststeirischen Industrie- und Agrarbezirk Voitsberg managt. Rund um die HAK in Voitsberg haben sich so ziemlich alle Hauptschulen des Bezirkes zu dieser "Neuen Mittelschule" versammelt. Kaucic im Gespräch mit dem Standard: "Es ist das eingetreten, was ich erhofft hatte: Die pädagogische Situation an den Schulen hat sich vorbildlich entwickelt. Es ist nach wie vor eine Aufbruchstimmung da, quer durch alle Dienstalter."

Aus ganz Österreich kämen mittlerweile Delegationen nach Voitsberg gepilgert - natürlich vorwiegend auch in die größte Modellregion Graz -, "um zu sehen, wie wir es machen" . Es habe ein regelrechter Schultourismus eingesetzt. Und die Kollegenschaft aus den anderen Bezirken und Bundesländern könne hier beobachten, "wie die Kinder bei uns forschend und spielerisch in offenen Lernformen lernen" - ob in Biologie oder Mathematik oder fächerübergreifend.

Der Pädagoge: "Die Kinder können heute nicht mehr sechs Stunden ruhig dasitzen und aufpassen, sie müssen sich bewegen können, sie wollen selbstständig recherchieren. Dann sind sie ohnehin nicht mehr zu halten, dann läuft der Unterricht von selbst. Die Lehrerdelegationen können sich überzeugen: So ein Modell kann man einfach nicht ablehnen."

Mentalreservation

Der einzige und bittere Wermutstropfen: Es zeigten bis jetzt ausschließlich Hauptschulen Interesse. Es herrsche nach wie vor eine Art Mentalreservation an den höheren Schulen. "Ich orte aber trotzdem bereits erste positive Signale aus den Gymnasien" , sagt die Koordinatorin der drei steirischen Modellregionen (Graz, Voitsberg, Murau) im Landesschulrat, Eva Pasold. Innerhalb der AHS gebe es längst eine neue Generation, die durchaus Interesse zeige. Pasold im Gespräch mit dem Standard: "Es kommen ja leider, obwohl wir alle einladen, tatsächlich noch keine Gymnasien in die Steiermark, um unsere wirklich gut anlaufenden Modelle zu studieren. Aber vielleicht trauen sich bald Einzelne, sozusagen inkognito, herzukommen, um sich zu informieren."

Eva Pasold ist zwar skeptisch, Martin Kalcic aber ist der Meinung, die einzige Möglichkeit, um diese AHS-Blockade zu durchbrechen, liege in der Schaffung einer "echten Modellregion" . Mit der Verpflichtung für die AHS, sich einzuklinken. Kalcic: "Dann würden sich auch mit einem Schlage Gymnasiallehrer für die Neue Schule interessieren." Auch in Finnland hätten erst Verordnungen den Widerstand der dortigen AHS-Gewerkschaften zurückgedrängt.

Eva Pasold aber glaubt: Die Neue Mittelschule benötige engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die aber nicht "verordnet" werden könnten. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2008)

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