Nach Rebellenoffensive droht Cholera-Epidemie

10. November 2008, 17:12
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Ruanda, Uganda, Angola: Immer mehr afrikanische Staaten sind in die Kämpfe verwickelt - Westliche Diplomaten warnen bereits vor einem neuen afrikanischen Weltkrieg

Was als Offensive von Rebellen des kongolesischen Tutsi-Generals Laurent Nkunda begonnen hat, weitet sich immer deutlicher zu einem Regionalkonflikt aus. Der Südafrikanische Staatenbund SADC erklärte am Montag, man sei prinzipiell bereit, Truppen zur Unterstützung der kongolesischen Armee zu entsenden. Einen ähnlichen Entschluss hatten sieben Staats- und Regierungschefs aus kongolesischen Nachbarstaaten bei einem Treffen am vergangenen Freitag in Nairobi gefasst.

Nkunda drohte den südafrikanischen Staaten am Montag auch mit deutlichen Worten: "Wenn die Südafrikaner sich auf diese Weise einschalten wollen, machen sie einen Fehler. Ich bin bereit, sie zu bekämpfen." Nkunda forderte die kongolesische Regierung erneut auf, Direktverhandlungen mit den Rebellen aufzunehmen. "Sonst wird es keinen Frieden geben."

Doch Gespräche mit den Rebellen allein können längst keinen Frieden mehr schaffen, dafür sind ausländische Regierungen zu tief in die aktuelle Krise verwickelt. UN-Militärs bestätigen anonym, dass neben Hutu-Rebellen und anderen Milizen derzeit bereits angolanische Soldaten auf Seiten der kongolesischen Armee kämpfen.

Nkundas Rebellen sollen inzwischen nicht nur von Ruanda, sondern auch von Uganda unterstützt werden. Zwar weist Ugandas Präsident Yoweri Kaguta Museveni die Berichte von sich. Doch Augenzeugen am Albertsee im grenznahen Uganda berichten, wie Nkundas Leute Jugendliche als Söldner anwerben. Gut 100 Euro erhalten die Freiwilligen, die in Westuganda ausgebildet werden, bevor sie zu Nkundas Truppen stoßen.

Wegen der Verwicklung mehrerer afrikanischer Staaten äußerten westliche Diplomaten bereits die Befürchtung, zehn Jahre nach dem "ersten afrikanischen Weltkrieg" im Osten des Kongo könnte sich die Geschichte wiederholen. Zwischen 1998 und 2003 hatten in dem Krieg zeitweise Armeen aus sieben Staaten gekämpft.

Unter der chaotischen Situation leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Mehr als eine Million Menschen, so schätzt die UNO, sind im Ostkongo auf der Flucht. "Wegen der Kämpfe können wir die Gegend um Rutshuru, wo die humanitäre Lage besonders schlimm ist, nicht erreichen" , sagt Marcus Prior, der für das Welternährungsprogramm in Goma ist. Nicht nur der Mangel an Nahrung, auch die Trinkwasserqualität wird zum Problem. Ärzte ohne Grenzen warnt vor einer Cholera-Epidemie. "Seit mehr als einer Woche beobachten wir steigende Fallzahlen, seit Freitag haben wir alleine in einem Camp 45 Erkrankungen behandelt", sagt die Ärztin Megan Hunter. Die sanitären Bedingungen in den Lagern seien so schlimm, dass die Krankheit sich explosionsartig ausbreiten könne. (Marc Engelhardt aus Nairobi/DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2008)

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    Ein Cholera-Kranker wird von 'Ärzte ohne Grenzen' im Flüchtlingslager Kibati behandelt

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