Volksbank holt sich Geld vom Staat

6. November 2008, 17:05
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Die Volksbank, die ihre Mehrheit an der Kommunal­kredit um einen Euro an den Staat abtreten muss, holt sich wie erwartet staatliches Geld

Wien - Wieviel der österreichische Staat zur Eigenkapitalstärkung des heimischen Volksbanken-Spitzeninstituts beisteuert, war am Donnerstag noch offen.

Die Volksbank AG habe sich dazu entschlossen, ihr Kernkapital um bis zu 1 Mrd. Euro aufzustocken, teilte die Bank am späten Nachmittag mit.

Das werde in zwei Schritten passieren: Zum einen werde es zu einer Kapitalerhöhung durch die Eigentümer (58,2 Prozent österreichische Volksbanken, 25 Prozent deutsche DZ-Bank, 10,0 Prozent Victoria Gruppe, 6,1 Prozent RZB und 0,7 Prozent Streubesitz) kommen.

Zum anderen werde "die Möglichkeit des Finanzmarktstabilitätsgesetzes in Anspruch" genommen werden.

In welchem Verhältnis Eigentümer und Bund zur Stärkung der Eigenkapitalbasis beitragen, solle in den nächsten Wochen beschlossen werden.

Anpassung der Kapitalquote "unerlässlich"

Eine Anpassung der Kapitalquote sei "in der aktuellen Zeit nahezu unerlässlich", weil alle großen Banken in Europa ihr Eigenkapital mit Staatshilfe stärkten. Das erklärte der Chef der Volksbank AG (ÖVAG), Franz Pinkl, in einer Aussendung am Donnerstag Nachmittag.

In Großbritannien müssten die Banken ihr Kernkapital nun auf 9 Prozent aufstocken, in anderen europäischen Ländern würden ähnliche Regelungen überlegt. Auch die Erste Bank habe sich bereits via Republik zusätzliches Geld geholt, andere heimische Großbanken hätten ähnliche Überlegungen.

"Wir können und wollen uns dieser Entwicklung nicht verschließen", so Pinkl. Nach seinen Worten hat die Volksbank AG bereits eine "sehr solide Kapitalbasis". Man werde sie aber an die neuen Herausforderungen des internationalen Wettbewerbs "anpassen".

Abschreibungskosten noch unklar

Seit dem Beschluss zur Verstaatlichung der Kommunalkredit, der die ÖVAG noch Kapital nachschießen muss, war davon ausgegangen worden, dass auch die Volksbank AG selber wird Staatsgeld in Anspruch nehmen müssen. Die Bank muss für die Kommunalkredit angeblich rund 400 Mio. Euro abschreiben. Über die tatsächlichen Abschreibungsbelastungen für die Kommunalkredit-Beteiligung oder auch das Island-Obligo der Volksbank-Gruppe hat es bisher keine offiziellen Angaben gegeben.

Am Montag war nach fast zwei Wochen dauernden Verhandlungen fixiert worden, dass der Staat für zwei Euro die Kommunalkredit - achtgrößte Bank des Landes - zu 99,78 Prozent übernimmt. Zugleich gab es die Zusage, einen "niedrigen dreistelligen Millionenbetrag" zuzuschießen und mit Haftungen für ausreichend Liquidität zu sorgen. In diesem Deal gibt die ÖVAG ihre 50,78 Prozent und die belgisch-französische Dexia ihre 49 Prozent um je einen Euro an den Staat ab. Zur Kapitalstärkung bei der Kommunalkredit mussten die Alteigentümer ÖVAG und Dexia unbesicherte Obligi in PS-Kapital umwandeln. (APA)

 

 

 

  • Nach der Ersten Group holt sich nun auch die Volksbank Geld vom Staat.
    foto: derstandard.at/graf

    Nach der Ersten Group holt sich nun auch die Volksbank Geld vom Staat.

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