Forscher züchten erstmals Großhirngewebe aus Stammzellen

6. November 2008, 14:45
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Japanischen Wissen­schaftern gelang es, funktionsfähiges Gewebe der Großhirnrinde zu gewinnen - Hoffnungen auf neue Therapien

Tokio - Erstmals ist es gelungen aus Stammzellen funktionsfähiges Hirngewebe zu züchten. Japanische Forscher meldeten den Durchbruch und wecken damit neue Hoffnungen auf Gen-Therapien zur Heilung von neuroglogisch bedingten Krankheiten wie Alzheimer. Mit Hilfe von Stammzellen aus menschlichen Embryonen sei Gewebe der Großhirnrinde, der hoch entwickelten äußeren Schicht des Gehirns, gezüchtet worden, berichteten die Wissenschaftler vom Riken-Institut in Kobe im Westen Japans am Donnerstag in der Online-Ausgabe des US-Fachmagazins "Cell Stem Cell".

Die Zellen seien zu vier Gewebetypen der Großhirnrinde, ähnlich denen bei menschlichen Föten, herangereift. Ihre Funktionsfähigkeit bewiesen sie etwa durch die Aussendung elektrischer Impulse.

Mehr Therapien möglich

Mit Hilfe von Stammzellen, die sich zu allen Zellformen des menschlichen Körpers entwickeln können, sollen eines Tages Schäden an menschlichem Gewebe behoben werden. Durch einfache Zell-Transplantation könnten jedoch nur wenige Krankheiten geheilt werden, erklärten die Forscher um Yoshiki Sasai. Durch die Transplantation von Gewebe seien dagegen mehr Therapien möglich.

Zunächst müsse jedoch weiter geforscht werden, denn noch seien die gezüchteten Gewebeteile zu klein und zu unausgereift, um damit beispielsweise Schlaganfall-Patienten zu behandeln. Als "Mini-Organ" soll das Hirngewebe künftig demnach auch bei der Erforschung von Alzheimer und der Suche nach einem Impfstoff helfen.

Auch nicht-embryonale Stammzellen als Grundlage möglich

Das Gewebe kann den Forschern zufolge auch aus nicht-embryonalen Stammzellen hergestellt werden, die etwa aus der Haut von Erwachsenen gewonnen werden. Im vergangenen Jahr war es japanischen und US-Forschern erstmals gelungen, aus menschlichen Hautzellen Stammzellen zu gewinnen, was selbst vom Vatikan und der konservativen Regierung von US-Präsident George W. Bush als Durchbruch gelobt wurde. In ihrer Reinform kommen menschliche Stammzellen nur in Embryos vor, ihre Entnahme zu wissenschaftlichen und medizinischen Zwecken ist deshalb ethisch umstritten. (APA/red)

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