Windows 7: Die dunkle Bedrohung für Linux-Netbooks

6. November 2008, 14:11
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Microsoft bringt mit Windows 7 ein erstes wirklich Netbook-taugliches Betriebssystem und bedroht den aufkeimenden Markt für Linux - Preisargument als Vorteil für Linux

Bislang hat sich der Netbook-Markt vorrangig in Geräte mit Windows XP und Linux aufgeteilt. Da Microsoft aktuell kein Betriebssystem anbieten kann, das auf die Anforderungen der kleinen Geräte abgestimmt ist, galten Netbooks vor allem für Distributionen wie Ubuntu MID als Hoffnungsträger weitere Marktanteile zu gewinnen. Doch mit Windows 7 hat Microsoft nun ein Betriebssystem in Stellung gebracht, das sich auch für Netbooks eignet und damit wieder eine Bedrohung für Linux darstellt.

Vielversprechend

Auf der Professional Developers Conference hat Steven Sinofsky, Senior Vice President der Windows-Abteilung, Windows 7 auf dem Lenovo S10 demonstriert. Das Laptop Magazin konnte die Pre-Beta-Version bereits auf einem Eee PC 1000H mit 1 GB RAM und einem 1,6-GHz-Atom-Chip testen und zeigte sich positiv überrascht (der WebStandard berichtete). Windows 7 habe dabei lediglich 485 MB des Arbeitsspeichers benötigt. Bis auf Probleme mit der Video-Wiedergabe sei Windows 7 schon sehr vielversprechend.

Eee PC mit Windows 7 angekündigt

Der Einsatz von Windows 7 auf Netbooks hat auch schon seitens der Hersteller Rückhalt gewonnen. Asus-CEO Jerry Shen hat vor einiger Zeit in einem Interview angekündigt, noch 2009 ein neues Modell des Eee PC mit Windows 7 auf den Markt bringen zu wollen. Das Netbook soll auch die Touchscreen-Features des Betriebssystems nutzen. Bis weitere Hersteller folgen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein.

Linux zu kompliziert?

Wie Andy Tung, US-Verkaufschef von MSI zudem in einem früheren Interview gesagt hatte, würden Netbooks mit Linux viermal häufiger in die Geschäfte zurückgebracht werden als Netbooks mit Windows XP. Grund dafür sei, dass viele Kunden mit Linux nicht zurecht kämen und sich auch nicht einarbeiten wollen.

Größere Marktmacht

Es ist denkbar, dass Microsoft eine Version von Windows 7 noch stärker an Netbooks anpassen wird. Die Redmonder werden wohl einen guten Teil ihrer Markt- und Marketing-Macht daran setzen, dass Netbook-Hersteller ihre Geräte mit dieser Version ausliefern. Die Aussichten, dass die Anbieter der Linux-Distributionen viel dagegenhalten können, sehen nicht gut aus.

Preisargument

Einen Trumpf, den Linux für den Netbook-Markt jedoch in der Hand hält, ist der Preis. Intel-CEO Paul Otellini geht davon aus, dass Linux den Netbook-Markt in Zukunft sogar dominieren wird. Denn gegen das Preisargument "kostenlos" komme man vor allem in diesem Billig-Segment nur schwer an. Zudem arbeiten auch die Linux-Entwickler an adaptierten Versionen ihrer Software. Ubuntu MID ist beispielsweise eine spezielle Netbook-Version und wird unter anderem auf Dells Inspiron Mini 9 und HPs Mini 1000 eingesetzt.

Noch kein Dritter im Bunde

Zumindest dürfte es in näherer Zukunft bei einem Zweikampf zwischen Windows und Linux bleiben. Denn Apple hat bislang noch keine Anstalten gemacht, ein eigenes Netbook mit Mac OS X anzubieten. Und da es Apples Lizenzen nicht erlauben, die Software auf fremder Hardware zu nutzen, bleibt die Installation von Mac OS X auf Netbooks bis auf Weiteres Bastlern vorbehalten. (br)

  • Linux wird es schwer haben, sich gegen Windows 7 am Netbook-Markt durchzusetzen
    montage: red

    Linux wird es schwer haben, sich gegen Windows 7 am Netbook-Markt durchzusetzen

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