Bewaffnete entführten vier europäische Helfer

5. November 2008, 19:50
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Zwei Franzosen, ein Belgier, ein Bulgare sowie zwei kenianische Piloten verschleppt

Paris/Mogadischu - Bewaffnete Männer haben in Somalia vier europäische Mitarbeiter einer französischen Hilfsorganisation und ihre beiden Piloten entführt. Die Angehörigen der Organisation Action contre la Faim (ACF) seien am Mittwoch bei Dhusa Mareb unweit der äthiopischen Grenze überfallen und verschleppt worden, bestätigte ACF in Paris. Nach Angaben des belgischen Außenministeriums handelt es sich um einen Helfer aus Belgien, zwei aus Frankreich und einen aus Bulgarien. Die Piloten stammen aus Kenia. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Auch über mögliche Lösegeldforderungen gab es zunächst keine Informationen.

Ein somalischer Augenzeuge sagte, bei den europäischen Helfern handle es sich um drei Frauen und einen Mann. Sie seien mit ihren Piloten auf der Landepiste des Flughafens der Ortschaft 350 Kilometer nördlich der somalischen Hauptstadt Mogadischu entführt worden. Von dort aus hatte das Team eigentlich an Bord einer von der EU-Kommission gecharterten Maschine zum Stützpunkt ihrer Hilfsorganisation in der kenianischen Hauptstadt Nairobi fliegen wollen. Die Geiselnehmer zerrten sie in einen Wagen und flüchteten.

Der französische Außenminister Bernard Kouchner kündigte an, alles dafür zu tun, die Geiseln so schnell wie möglich zu befreien. Ein Krisenzentrum habe die Arbeit aufgenommen. Die Namen der Opfer wurden aus Sicherheitsgründen nicht bekanntgegeben.

Die Organisation Action contre la Faim (Aktion gegen den Hunger) hat 14 ausländische und 219 einheimische Mitarbeiter in Somalia. Seit 1992 betreibt die Organisation Gesundheits- und Wasserversorgungsprojekte in dem krisengeschüttelten ostafrikanischen Land. Seit 1991 gibt es in Somalia keine funktionierende Zentralregierung mehr. Nahezu täglich kommt es zu Kämpfen zwischen islamistischen Rebellen und Soldaten der Übergangsregierung, die von Äthiopien unterstützt wird.

In Somalia haben Entführungen von Ausländern und Angehörigen von Hilfsorganisationen in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Die Entführer verlangen für die Freilassung ähnlich wie die Piraten vor Somalias Küste regelmäßig Lösegeld; teils wird auch eine Freilassung von gefangenen Mitkämpfern gefordert.

In einem anderen Entführungsfall verlangten somalische Geiselnehmer unterdessen eine Lösegeldsumme von drei Millionen Dollar (2,3 Millionen Euro) für die Freilassung einer Japanerin und eines Niederländers, die in Äthiopien für die französische Hilfsorganisation Medecins du Monde (Ärzte der Welt) arbeiteten und im September verschleppt wurden. Ein Anrufer, der sich als Sprecher der Entführer ausgab, sagte der Nachrichtenagentur AFP in einem Telefonat, das er von einem unbekannten Ort führte, das Geld wolle er für die Freilassung von Kampfgefährten in äthiopischen Gefängnissen einsetzen.

UNO und EU fordern Freilassung

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat die Entführung auf das Schärfste verurteilt. Er verlange die unverzügliche Freilassung der Menschen, forderte Ban in einer Erklärung, die am Mittwoch in New York verbreitet wurde. Auch EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel forderte die unverzügliche Freilassung der Geiseln: "Die Hilfeleistung der Kommission und ihrer Partner in Somalia dient einzig und allein dem Zweck, notleidenden Menschen zu helfen", betonte Michel.

Ban zeigte sich sehr besorgt über die zunehmenden Fälle von Morden und Entführungen von Hilfsarbeitern in Somalia. Er rufe alle verantwortlichen Seiten dazu auf, den neutralen und unabhängigen Status der Mitarbeiter zu respektieren. Das Leben von Millionen von Somalis hänge von ihrer Unterstützung ab. (APA/dpa/AP)

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