Hart auf hart bei den Metallern

4. November 2008, 16:57
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Die Gewerkschafter bereiten sich "auf eine Kampfsituation" vor, falls die Arbeitgeber am Mittwoch wieder kein "akzeptables" Angebot vorlegen

Wien - Die Metaller gehen heute, Mittwoch, in ihre vierte Verhandlungsrunde. Die Ausgangslage ist mit Wirtschaftsabschwung und Finanzkrise denkbar schlecht - und die Fronten sind verhärtet. "Wir wollen endlich ein akzeptables Angebot sehen", stellt Metallgewerkschaftschef Erich Foglar im Gespräch mit dem STANDARD klar. "Akzeptabel" heißt für den Chefverhandler für 106.500 Arbeiter und tausende Lehrlinge: "Der Abschluss muss eine nachhaltige Steigerung der Ist-Löhne enthalten", dürfe also nicht nur aus Einmalzahlungen bestehen.

Die zuletzt gebotenen 3,6 Prozent plus nach Betriebsergebnis (Ebit) gestaffelten Einmalzahlungen zwischen hundert und 250 Euro seien "mit Sicherheit nicht nachhaltig". Insbesondere deshalb nicht, weil Betriebe mit einem knapp positiven Ebit (bis zwei Prozent) laut jüngstem Arbeitgebervorschlag gar keine Einmalzahlung leisten müssten. Gemessen an den Wirtschaftsdaten lägen die Lohn- und Gehaltssteigerungen für manche der insgesamt 170.000 Metallarbeiter und Industrieangestellten damit nur ein bis zwei Zehntelprozentpunkte über der prognostizierten Jahresinflation 2008.

"Unannehmbar"

Das betrachten Foglar und sein Kollege Karl Proyer von der Privatangestelltengewerkschaft GPA als "unannehmbar" - obwohl die Inflation 2009 mit 2,4 Prozent deutlich niedriger erwartet wird, wie die Arbeitgebervertreter dagegenhalten. "Der Tarifabschluss ist immer eine Mischung aus Vergangenheit und Zukunft. Man kann sich da nichts aussuchen. Wir haben uns die Finanzkrise auch nicht ausgesucht, sie ist über uns hereingebrochen", sagt Foglar, hörbar sauer. Und: "Unseren Leuten ist von der guten Lohnerhöhung 2007 wegen der hohen Inflation auch nichts übriggeblieben." Im Gegensatz zu Exportzahlen und Produktivität sei die Kaufkraft die schwächste seit Jahren, der Reallohnverlust betrug zuletzt 0,7 Prozent.

Wiewohl den Gewerkschaftern bewusst ist, dass die diesjährige Herbstlohnrunde einem Wettlauf gegen die sich flächendeckend in der Realwirtschaft ausbreitende Finanzkrise gleicht, geben sie sich kompromisslos. Selbst die Drohung der Arbeitgeber, das am 24. Oktober unterbreitete Angebot zurückzuziehen (DER STANDARD, 30. Oktober), ändert daran nichts. Dieses Angebot sei ohnehin keines gewesen, weil ein Rückschritt gegenüber jenem vom 3. Oktober.

Drohung mit "gewaltigem Konflikt"

Damals hätten die Arbeitgeber rund um Leitz-Chef Hermann Haslauer und Christoph Hinteregger (Doppelmayr Seilbahnen) für die schwächsten Betriebe (Ebit null bis zwei Prozent) wenigstens noch 50 Euro Einmalzahlung geboten und für die Bestverdiener mit zehn bis zwölf Prozent Ebit - 2008 erwarten viele Betriebe der Metallindustrie die letzten Rekordergebnisse vor dem Abschwung - 300 Euro pro Arbeitnehmer. Zwischen zwei und zehn Prozent Ebit lagen vier Stufen mit je 50 Euro mehr.

"Wir bereiten uns auf eine Kampfsituation vor", warnt Foglar. "Entweder es gibt ein vernünftiges Angebot oder einen gewaltigen Konflikt." Und der werde mit Sicherheit hart. Heißt: Am Donnerstag und Freitag erste Betriebsversammlungen, ab Montag soll die Gangart verschärft werden. Warnstreiks wie in Deutschland, wo Druck erzeugt wird, indem nach der so genannten Friedenspflicht Nervenzentren temporär lahmgelegt werden, sind für Foglar derzeit aber kein Thema. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.11.2008)

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