"Kontobewegung ohne Autorisierung"

4. November 2008, 17:56
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Rätselraten über verschwundene Millionen rund um die Immofinanz-Gruppe

Wien - Am Dienstag hat der Aufsichtsrat der Ibag (Immofinanz Beteiligungs AG; sie ist jene Gesellschaft, an der die Immoeast eine 900-Mio.-Anleihe gezeichnet haben will, von der noch 520 Mio. offen sein sollen) getagt - und entgegen früheren Ankündigungen keine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft erstellt.

Trotzdem bleiben die Organe der Gesellschaft bei ihrer Darstellung, es gebe keine Anleihe. Ibag-Aufsichtratschef Helmut Falschlehner, der als Schoellerbank-Vorstand 1994 die Immofinanz (damals C&S Realitäten Anlagen AG) als Joint Venture mit der Constantia Privatbank (CPB) unter Karl Petrikovics mitgegründet hatte: "Wir wussten nichts von Überweisungen, haben nicht mitgewirkt, die Ibag hat keine Anleihe begeben."

Tatsächlich flossen die genannten Beträge über Konten der CPB an drei Tochtergesellschaften, "auch daran haben wir nicht mitgewirkt", so Falschlehner. Laut seiner Darstellung seien die Überweisungen von der Bank durch einfache Buchungen durchgeführt worden, "ohne uns zu informieren" . Die Bank hat auch keine Unterschriften kontrolliert, laut den Vorschriften hätten Christian Thornton (Vorstand in der Immofinanz-Gruppe) und Ibag-Chef Gerhard Pauser gemeinsam unterschreiben müssen. "Die Kontobewegungen wurden nach heutigem Wissenstand durch den Vorstandsvorsitzenden der Constantia Privatbank (Petrikovics, Anm.) ohne Autorisierung durch die Organe der Immofinanz Beteiligungs AG veranlasst" , so die Ibag-Aufsichtsräte.

Der bisherige Ibag-Alleinvorstand Pauser hat am Dienstag sein Amt niedergelegt. Er wird in den nächsten drei Monaten durch Falschlehner ersetzt. Die verbleibenden Aufsichtsräte - Christian Nowotny, Eduard Lechner und Johann Bertl - wollen "im Amt bleiben bis sich die Sache geklärt hat".

Die Aufgabe der Ibag (gehört den liechtensteinischen Stiftungen Camilla und Stephanie) beschreibt Falschlehner so: Sie habe als Holdinggesellschaft Verlustbeteiligungsmodelle verwaltet, die die CPB vertrieb. Der Aufsichtsrat habe das "normale" Geschäft kontrolliert, die 900-Mio.-Zahlungen seien "zum Bilanzstichtag gar nicht ersichtlich gewesen" . Denn: Ibag und CPB hätten per 31. 12. bilanziert, die Immoeast Ende April. Auch dem Ibag-Wirtschaftsprüfer sollen die Zahlungen nicht aufgefallen sein.

Justiz schon aktiv

Über die zweite derartige Holdinggesellschaft, die CPB AG für Unternehmensbeteiligungen (Aufsichtsratschef: Falschlehner, Vorstand: Rudolf Fries), sollen keine ominösen Gelder geflossen sein, heißt es. Diese Gesellschaft gehört zu 99 Prozent der Stephanie Stiftung. Wer hinter den beiden Vaduzer Stiftungen steht, wissen die Ibag-Funktionäre "derzeit" nicht, das werde noch erforscht. Der Grund, dass die Ibag nun doch nicht den Staatsanwalt einschaltet: Die Justiz sei ohnedies bereits involviert, "und wir werden als Ibag-Organe an der Aufarbeitung mitarbeiten" , so der Ibag-Präsident.

Bei der CPB übernimmt ab Freitag Andreas Grünbichler (44) das Ruder. Der Vorstand besteht nun aus Grünbichler und den beiden bisherigen Vorständen Karl Arco (47) und Norbert Gertner (52). Der Vorstandsvertrag von Gertner läuft Ende 2008 aus und wird nicht verlängert. Arco steht bis 31. Dezember 2009 im Sold der Privatbank.

Neuigkeiten gibt es auch von der Constantia Packaging B.V. Sie hat ihren Anteil an dem börsennotierten Verpackungskonzern Constantia Packaging AG von 82 Prozent auf über 90 Prozent aufgestockt.

Amag zählt zum Pfand

Der Kauf erfolgte außerbörslich, man habe eine Kaufoption ausgenutzt, sagte ein Sprecher von BV-Eigentümerin, Christine de Castelbajac, zum Standard. Und: die Aktien wurden von natürlichen Personen erstanden. Nähere Informationen dazu wurden nicht gegeben.

Insider gehen davon aus, dass die Aktien entweder aus dem Besitz der Amag (der Aluminium Konzern gehört der Constantia Packaging) stammen, die 12,8 Prozent an der Constantia Packaging hielt, oder aus dem Familienbesitz von Castelbajacs Bruder, Max Turnauer.

Der Rückkauf könnte mit den umstrittenen Haftungen zusammenhängen, die die niederländische B.V. gegenüber dem Investor Fries und der Immoeast hat. Wie berichtet, macht die Immoeast von der Haftung im Zuge der ausstehenden 520-Mio.-Euro-Anleihe Gebrauch. Sie will das Geld oder als Pfand die Aktien der Constantia Packaging AG samt ihrer Beteiligungen. "Wenn jemand 100 Prozent an einem Unternehmen besitzt, ist der Kaufpreis eines strategischen Investors größer" , hieß es. 2008 erwartet die Constantia Packaging AG mit 8400 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,1 Mrd. Euro. (Renate Graber, Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.11.2008)

  • Die Amag - und mit ihr die Beteiligung an der kanadischen Elektrolyse
Alouette - wird von Immoeast beansprucht. Auch die Banken schielen auf
die Constantia Packaging, der die Amag gehört.
    foto: standard/amag

    Die Amag - und mit ihr die Beteiligung an der kanadischen Elektrolyse Alouette - wird von Immoeast beansprucht. Auch die Banken schielen auf die Constantia Packaging, der die Amag gehört.

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