Umstrittene Klebeaktion in Südkärnten

4. November 2008, 13:08
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Unbekannte Täter pickten ein halbfertiges Hakenkreuz auf das Fenster einer kärntner-slowenischen Politikerin, laut Sicherheitsdirektor besteht aber "kein Tatbestand"

Klagenfurt - Unbekannte Täter haben am Wochenende in der südkärntner Gemeinde St. Jakob im Rosental ein offenbar halbfertiges Hakenkreuz auf das Fenster einer stellvertretenden Gemeinderätin einer kärntner-slowenischen Namensliste geklebt. Laut Volksgruppen-ORF-Kärnten wurden bereits in der Nacht vom vergangen Freitag auf Samstag Böller vor dem Haus der 83 Jahre alten Micka Miskulnik gezündet. Ob die Vorfälle im Zusammenhang stehen war vorerst nicht bekannt.

"Das ist wahrscheinlich passiert, weil ich mich so sehr um die Anliegen der Slowenen bemühe", sagte Miskulnik am Dienstag im Gespräch mit der APA. Kärntens Sicherheitsdirektor Albert Slamanig bestätigte die Vorfälle dem Grunde nach. "Es wurden blaue Klebebänder auf das Fenster gepickt", sagte Slamanig. Da die Figur aber nicht zu Ende geklebt worden sei, sei auch "kein Tatbestand" ersichtlich. Mit zwei weiteren Klebestreifen hätte etwa die Zahl Acht entstehen können, mit wenigen Handgriffen allerdings auch ein Hakenkreuz. "Wir gehen mit solchen Dingen sehr sorgsam um", betonte Slamanig.

Hoher Anteil an slowenischsprachiger Bevölkerung

Für Miskulnik ist die Sache allerdings eindeutig. "Was anderes als ein Hakenkreuz hätte das werden sollen?", fragte Sie. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts habe es "auch so angefangen", meinte die Politikerin. Miskulnik - in jungen Jahren aktive Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus - ist seit Jahrzehnten in der Gemeindepolitik aktiv und laut ORF Kärnten besonders um die Gleichberechtigung der slowenischen Sprache in der kommunalen Öffentlichkeit bemüht.

St. Jakob ist eine Gemeinde mit einem relativ hohen Anteil an slowenischsprachiger Bevölkerung. Zweisprachige Ortstafeln stehen in der Kommune seit dem sogenannten Ortstafelsturm in den frühen 70er Jahren nicht mehr. Damals demontierten aufgebrachte Menschenmassen etliche Orts- und Wegbezeichnungen in ganz Südkärnten.

Besonders umstritten ist ein sogenanntes Abwehrkämpferdenkmal, dass an den Kärntner Abwehrkampf von 1918 bis 1920 erinnert. Die Einweihung des den Ortskern beherrschenden Kriegerdenkmals im Herbst des Jahres 1937 gilt unter Historikern als Paradebeispiel eines Aufmarsches der damals noch illegalen Nationalsozialisten im austro-faschistischen Ständestaat.

Provokation

Nicht weniger umstritten ist ein Bild eines regionalen Künstlers, das im Gemeindeamt von St. Jakob hängt. Auf dem Gemälde ist unter anderem ein Hakenkreuz zu sehen. Während ein Teil der Gemeindebürger mit künstlerischer Freiheit argumentiert, sieht ein anderer Teil in dem im öffentlichen Raum aufgehängten Kunstwerk eine Provokation. Laut Sicherheitsdirektor Slamanig sind in dieser Causa zwei Anzeigen aktenkundig. (APA)

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    "Es wurden blaue Klebebänder auf das Fenster gepickt", sagte Slamanig. Da die Figur aber nicht zu Ende geklebt worden sei, sei kein Hakenkreuz und damit auch "kein Tatbestand" ersichtlich.

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