Gedenken an die Verfolgungen vor 70 Jahren

3. November 2008, 16:46
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Zahlreiche Veranstaltungen erinnern an die von den Nationalsozialisten organisierten Ausschreitungen gegen tausende jüdische Synagogen und Geschäfte

Wien - In zahlreichen Veranstaltungen gedenkt man in Österreich in der kommenden Woche der Novemberpogrome vor 70 Jahren. Bei diesen von den Nationalsozialisten organisierten Ausschreitungen gegen tausende jüdische Synagogen und Geschäfte im gesamten Dritten Reich wurden in der Nacht auf den 10. November 1938 auch in Österreich zahlreiche Menschen ermordet, Tausende verschleppt und schwere Sachbeschädigungen verübt.

Audiovisuelle Installation: "7 Tage Schlagzeilen"

Am Donnerstag (6. November) wird um 19.30 Uhr im Nestroyhof in Wien-Leopoldstadt eine audiovisuelle Installation zum Novemberpogrom eröffnet: Unter dem Titel "7 Tage Schlagzeilen" wird die Wiener Medienberichterstattung zwischen dem 7. und dem 13. November 1938 in einer unkommentierten Ton- und Text-Collage aus Zeitungsausschnitten, Reden und Augenzeugenberichten dokumentiert. In der Kunstuniversität Graz findet an diesem Tag ab 11 Uhr das Symposium "November 1938. Gewalt, Gedächtnis, Kunst" statt, das sich auf verfolgte Künstlerinnen und Künstler konzentriert.

"Die verschwundenen Frauen aus Mariahilf"

In Wien-Mariahilf, wo man sein Kulturbudget 2008 dem Schwerpunkt "Erinnern für die Zukunft" gewidmet hat, gedenkt man am 6. November der etwa 730 Bezirksbürger, die Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurden, mit einem Rundgang von Petra Unger unter dem Titel "Die verschwundenen Frauen aus Mariahilf" (Treffpunkt um 15 und um 17.30 Uhr an der Ecke Köstlergasse/Linke Wienzeile, Anmeldung unter: 0650/510 92 78 bzw. per Mail) sowie um 19 Uhr mit der Veranstaltung "Literatur und Musik aus Mariahilf und dem Exil" im Theater TAG. In Wien-Hietzing erinnert man um 11 Uhr an die 1938 zerstörte Synagoge Ecke Eitelbergergasse/Neue Weltgasse.

"Abschiedssinfonie - Atme Österreich"

Am 8. November (20 Uhr) lädt das Offene Haus Oberwart (OHO) zu einem Konzert mit dem Titel "Abschiedssinfonie - Atme Österreich". Auf dem Programm steht neben Werken von Christoph Cech, Wolfgang Kubizek und Kamil Polak auch die Österreichische Erstaufführung von "Prayer", dem bekanntesten Werk des Präsidenten des Israelischen Komponistenverbandes Tzvi Avni, der eigens aus Israel anreisen wird. Das Konzert wird für den Radiosender Ö1 aufgezeichnet. Ebenfalls am Samstag (20 Uhr) zeigt das Jüdische Theater Austria im Österreichischen Museum für Volkskunde das Stück "Der Garten im Schrank" von Warren Rosenzweig.

Gedenkveranstaltung des Österreichischen Parlaments

Am Sonntag, 9. November, lesen ab 14 Uhr in einer Gedenkveranstaltung des Österreichischen Parlaments im Palais Epstein Schauspieler des Volkstheater Wien Aktenauszüge, Erinnerungen und literarische Texte zu diesen Ereignissen, dazu werden Filmdokumente gezeigt. Die einleitenden Worte spricht Ariel Muzicant, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), die um 18 Uhr im Wiener Stadttempel eine eigene Gedenkveranstaltung abhält.

"Verdrängen - Vergessen - Verzeihen"

Bereits um 11 Uhr wird in einer Matinee im Theater in der Josefstadt das Buch "Verdrängen - Vergessen - Verzeihen" von Angelika und Michael Horowitz präsentiert. In dem Buch erzählen zehn Holocaust-Überlebende ihre dramatische Lebensgeschichte. Im Festsaal des Bezirksmuseums Josefstadt lesen zur gleichen Zeit Barbara Wolflingseder und Andre Blau aus Werken verfolgter Dichter. Ab 11 Uhr wird auch vor dem ehemaligen Aspangbahnhof in Wien-Landstraße, von wo in den Jahren 1939 bis 1942 zehntausende österreichische Jüdinnen und Juden in Vernichtungslager deportiert wurden, eine Mahnwache abgehalten.

Gedenken in Innsbruck

Gegen 11.00 Uhr vormittags wird am Gelände der Universitätskliniken ein Mahnmal enthüllt. Gedacht wird dort der jüdischen und sonstigen politisch geächteten Professoren, Ärzte und Studenten, die von den Nationalsozialisten von der Universität ausgeschlossen und vertrieben wurden.

Beim jüdischen Mahnmal am Innsbrucker Landhausplatz wird um 18.00 Uhr mit einem Totengebet der vier jüdischen Opfer in Innsbruck gedacht. Außerdem wird von der Ökumenischen Landesgruppe Tirol der Friedensorganisation Pax Christi ein Gang durch die Stadt organisiert, der unter anderem zu den vier Orten führt, wo die Morde vor 70 Jahren verübt wurden und zur Adresse der ehemaligen Synagoge in der Sillgasse. Die Österreichische Hochschülerschaft und die Katholische Universitätspfarre halten einen Schweigemarsch nach der Hauptveranstaltung um 19.15 Uhr ab.

Dokumentarfilm

Im Wiener Admiral Kino wird am 11. November (20 Uhr) der Dokumentarfilm "Wien mein Wien" von Alexandra Reill uraufgeführt, eine Spurensuche faschistoider Prägungen auf die erste Generation danach. (APA)

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    In der ersten November-Woche wird der Pogrome vor 70 Jahren gedacht.

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