Fernsehen für Männer, aber andersrum

30. Oktober 2008, 18:56
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Am 1. November startet mit "Timm" Deutschlands erster Schwulen-TV-Kanal - Mit Kaufserien wie "Queer Eye", "Manhunt", "Fur TV" und Eigenproduktionen

Ein Schwulensender! Und das zu Allerheiligen! Doch es kann für mögliche und unmögliche Sittenwächter Entwarnung gegeben werden: Pornos spielt Timm, so der Name von Deutschlands erstem TV-Sender für schwule Männer, keine. So ein Programm will Senderchef Frank Lukas Horsthemke nicht auf seinem Kanal sehen.

Dieser sei ein "gesellschaftliches Statement", ist der frühere RTL-Moderator ("Anders Trend") und TV-Produzent bei south&browse (u. a. "Galileo", "Familientausch" oder "So lebt Deutschland") überzeugt. Der Sender soll unabhängig von anderen Sendergruppen sein und sich durch Werbegelder finanzieren. Das sei zu schaffen, ist Lukas überzeugt. Hinter ihm steht als Sponsor die deutsche Verlagsgruppe Madsack.

Bei Timm schätzt man die Zahl der homosexuellen Männer in Deutschland auf 3,65 Millionen, die Hälfte davon seien per Kabel (nur in Deutschland) und Satellit erreichbar. (Astra-digital: 19,2° Ost, Frequenz 12,633 GHz, Transponder 113; strahlt auch auf Österreich ab.) Diese würden bei der Werbeindustrie als interessante Zielgruppe gelten, hofft man bei der ebenfalls auf Horsthemke eingetragenen Vertriebsgesellschaft "Deutsche Fernsehwerke" auf lukrative Aufträge. Dazu setzen die Verantwortlichen auf das Internet: Teile des Programms sollen per Live-Stream auf der Senderhomepage zu empfangen sein.

Chefredakteur ist Jochen Hick

Inhaltlich sind die Formate breit genug gefächert, dass sie nicht nur schwule Zuseher ansprechen. Kaufserien wie "Queer Eye", "Manhunt" oder die grotesk-geniale Puppen-Serie "Fur TV" waren bereits in den USA erfolgreich. Zudem wurde mit Jochen Hick ein erfahrener Journalist und Filmemacher als Chefredakteur bestellt. Er will mit Timm Akzente setzen und Themen aufbereiten und Diskussionen anregen - etwa mit Dokus wie "Queer as old Folks" oder "Gay Muslims".

Die Eigenproduktionen, die 20 bis 30 Prozent des Programms ausmachen, bewegen sich zu Beginn auf bekanntem Terrain. So sammelt etwa die "Timmousine" Nachtschwärmer ein, um sie zum Plausch aus dem Nähkästchen in der Strechlimousine zu bewegen, und eine Datingshow à la "The Bachelor" bietet bekannte Flirtmomente - allerdings ohne weibliche Kandidatin. (hoge/DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1./2.11.2008)

  • Die Stylingtipps der Herren von "Queer Eye" sind ab 1.11. beim ersten deutschen Sender für schwule Männer zu sehen.
    foto: bravo network

    Die Stylingtipps der Herren von "Queer Eye" sind ab 1.11. beim ersten deutschen Sender für schwule Männer zu sehen.

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