Großbanken prüfen Staatshilfe

1. November 2008, 09:23
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Anders als in Deutschland gibt es das Geld mit geringen Auflagen, weshalb eine Reihe heimischer Institute dem Beispiel der Erste Group folgen dürfte, darunter auch Raiffeisen

Wien - Als erste Großbank hat die Erste Group 2,7 Milliarden Euro an Staatskapital beansprucht. Generaldirektor Andreas Treichl betonte, dass die Aktion nicht zwingend, sondern nur vorbeugend sei. Hätte man das Geld zu deutschen Konditionen bekommen, hätte man jedoch darauf verzichtet (siehe Treichl: Staatliches Geld zu deutschen Konditionen nicht geholt). Nun dürften weitere Großbanken folgen: Neben Bank Austria, Bawag, Volksbanken und kleineren Instituten soll auch Raiffeisen bereit für Staatszuschüsse sein, hieß es am Donnerstag aus dem Sektor.

Die RZB, deren Aufsichtsratschef Christian Konrad Staatsbeteiligungen bisher strikt ablehnte, nannte das österreichische Hilfspaket brauchbar. Eine Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen. Ex-Vizekanzler Hannes Androsch geht davon aus, dass "alle Banken den größeren Puffer brauchen" und die 15 Milliarden Euro aus dem Staatstopf auch verwendet werden. Noch am Freitag oder am Wochenende könnte die Kommunalkredit Staatshilfe bekommen.

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Wirklich brauchen würde man die staatliche Bankenhilfe ja nicht, betonte Erste-General Andreas Treichl mehrmals bei der Pressekonferenz zu den Neunmonatszahlen. Denn der Gewinn sei mit 1,463 Milliarden Euro sehr hoch ausgefallen - auch wenn 600 Millionen davon aus dem Verkauf der Versicherungssparte an die Wiener Städtische (Vienna Insurance Group) stammen. "Es war also nicht zwingend" , beschrieb Treichl die Kapitalzufuhr des Bundes.
Der Bund wird bei der Erste Group in den nächsten Wochen mit 2,7 Milliarden Euro Partizipationskapital "einsteigen" . Die Bank zahlt dafür acht Prozent fixe Zinsen. Nach frühestens fünf Jahren ist die Finanzspritze zu 100 Prozent des Nominales rückzahlbar. Da die staatlichen Anteile weder börslich gehandelt werden noch Stimmrechte gewähren, kommt es zu keiner Verwässerung der Erste-Anteilscheine.

Kein Geschenk vom Staat

"Das ist beileibe kein Geschenk vom Staat" , behauptet Treichl besonders im Hinblick auf die acht Prozent Zinsen. "Aber wir nehmen dies in Anspruch, weil wir glauben, dass eine bessere Eigenkapitalausstattung in den nächsten Jahren notwendig wird." Gleichzeitig hat sich das Institut verpflichtet, in den nächsten Jahren Kredite über insgesamt sechs Milliarden Euro zu vergeben - zu Marktkonditionen und insbesondere an Private und Klein- und Mittelbetriebe.
Doch hat die Erste die aktuelle Finanzkrise zumindest gestreift. Das in den Konkurs geschlitterte US-Investmenthaus Lehman Brothers hat die Bank 26 Millionen Euro gekostet - diese sind in den aktuellen Zahlen verdaut. Nicht verdaut hat die Erste Group 300 Millionen Euro aus isländischen Engagements, die bei den Ergebnissen im vierten Quartal schlagend werden. Die Erste-Aktie gehörte am Donnerstag zu den am meisten gehandelten Werten, und sie lag von Anfang an im Plus. Dass Treichl trotz freiwilligen Verzichts auf seinen Bonus weiterhin mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen wird, störte vor allem die FPÖ und die Grünen, die auf die 500.000-Euro-Grenze in Deutschland hinwiesen.

300 Milliarden Ost-Obligo

Die staatliche Bankenhilfe also, um gegen kommende Unbilden gewappnet zu sein? Dafür wurde das 100 Milliarden Euro schwere Paket zwar nicht in erster Linie geschnürt, aber viele Marktbeobachter glauben, dass die nächste Welle der Finanzkrise aus dem Osten Europas kommen wird - und die österreichischen Finanzinstitute mit ihren starken Engagements in der Region dann besonders hart getroffen werden. Dafür sprechen auch die Schulden, die osteuropä-ische Firmen- und Privatkunden bei den österreichischen Banken angehäuft haben (siehe Grafik links unten). 300 Milliarden Dollar macht das Obligo aus.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist gerade dabei, die Ukraine mit Milliardenhilfen vor dem Kollaps zu bewahren. Um einen Staatsbankrott abzuwehren, bekommt Ungarn ein 20 Milliarden Euro schweres Hilfspaket von Währungsfonds, EU und Weltbank.

Treichl optimistisch

Osteuropa, beteuert Treichl, sei für die Erste Group jedoch kein Problem. Er glaube an die Region, in der sein Institut - wie am Heimmarkt auch - "die alten Bankprinzipien, dass die Kundenkredite mit den Einlagen zu refinanzieren sind" , beherzigt habe. Ost- und Südosteuropa würden zwar weniger schnell wachsen, "aber sie werden wachsen" .
Analysten sehen das anders. Die Bonität der Länder in der Region und ihrer Banken wurde von den Ratingagenturen bereits nach unten revidiert. Das bekamen auch Erste Group und Raiffeisen Zentralbank zu spüren, für die Standard & Poor's den Ausblick auf negativ gestellt hat. (Johanna Ruzicka, Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.10.2008)

 

  • Nomen est omen: Die Erste ist die erste der österreichischen Banken, die sich eine Finanzspritze vom Staat holt.
    foto: derstandard.at/daniela rom

    Nomen est omen: Die Erste ist die erste der österreichischen Banken, die sich eine Finanzspritze vom Staat holt.

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