Best of Beuschel

28. Oktober 2008, 17:00
39 Postings

Harald Fidler widmet sich in Schreiners Gastwirtschaft dem Inneren des Tieres. Kann es an Thomas Schreiners Schnitttechnik liegen, dass ihm Herz und Lunge hier so besonders schmeckten?

Und: Bitte um Beuschl-Tipps!

Ungern widerspreche ich Posterinnen und Postern, aber das kann ich so nicht stehen lassen: "warum sich die gastrokritiker neuerdings......so ums beuschel reissen, verstehe ich auch ned ganz", schrieb Bianca Hohn zu Reinhold Reiterers Gastbeitrag über das Haberl & Fink's: "in jedem zweiten artikel von Corti, Fiedler und jetzt Reiterer nieren, leber, hirne, zungen."

Erstens verstehen wir uns in diesem kleinen Essblog nicht als Gastrokritiker, sondern als praktizierende Dilettanten, siehe Beipacktext, und überlassen das Profikritikertum etwa dem geschätzten Kollegen Corti. Zweitens reiss ich mich nicht erst neuerdings so ums Beuschel, sondern praktisch von Kindesbeinen an. Und drittens liegt es nicht alleine daran, dass mir "jakobsmuschel und trüffelrisotto auch irgendwann auf den keks gehen". Sonst müsste ich der Innereien auch längst überdrüssig sein. Ich mag sie halt, und schreib darüber.

Es geht auch nicht darum, eine neue Sau durchs Dorf zu treiben, sie zu essen reicht vollkommen. Ergibt doch durchaus Sinn, dass sich Menschen um den Rest des Viehs abseits der Filets kümmern, oder? Dass ich Ihnen mit dem Innereienmenü im Gut Purbach den Gusto auf dieses Lokal verdorben habe, tut mir Leid. Auch für Sie, Max Stiegl geht nämlich beileibe nicht nur mit ausgefransteren Teilen des Tieres ziemlich gut um.

Blätter statt Streifen

Vor allem möchte ich Ihre Liste möglicher Wirtshausbesuche nicht gleich weiter einschränken. Aber vom Beuschel (schon wieder!) in Schreiners Gastwirtschaft in der Westbahnstraße muss ich kurz schwärmen. Ob's wirklich am Schnitt lag? Nicht streifig kamen Herz und Lunge daher, sondern blättrig dünn. Die Form ergab sich eher aus der Not: Er bekam ziemlich kleine Organe geliefert, begründete der Chefe sein Schnittmuster.

Frau Schell stach der Apfel-Honig-Essig etwas zu sehr hervor, mir war er grad recht, laut Schreiners Beobachtungen übrigens ein durchaus verbreitetes geschlechtsspezifisches Geschmacksempfinden. Auch die Kapern fand ich ziemlich passend, obwohl meine Experimentierfreude gerade beim Beuschel nicht sehr ausgeprägt ist. Ein bisschen Sauerrahm natur auf die beiden Knödel passte mir viel, viel besser als allzu rahmiges Rahmbeuschel, da bin ich ganz einer Meinung mit Herrn Reiterer. Das Finksche muss ich demnächst selbst probieren, hab ich nach seinem Beitrag endgültig beschlossen. Aber, keine Sorge, Herr oder Frau Hohn, nochmal Fink/Haberl kommt dann nicht.

Und sonst beim Schreiner? Beef tatare zur Vorspeise klassisch und sehr gut, angesichts des durch örtliche Entschleunigung angestauten Hungers aber Frau Schell und mir Vielfraß sowieso ein bisschen zu klein. Etwas langweilig fand meine Tischnachbarin das Kürbisrisotto mit Entenbrust. Kommt davon, wenn man nicht das Beuschel wählt.

Beuschl-Tipps

Geschätzte Posterinnen und Poster, verraten Sie mir doch bitte, wo Sie Ihr bestes Beuschel bekommen haben. Damit diesem Blog nicht womöglich die inneren Werte ausgehen.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Schreiners GastwirtschaftWestbahnstraße 421070 WienTel.: 01 / 990 37 83 oder 0664 / 351 02 09.Email: wirt@schreiners.cc
Zwei Vor-, zwei Hauptspeisen, ordentlich Wein, Wasser und Kaffee: 96 Euro
    foto: schreiners gastwirtschaft

    Schreiners Gastwirtschaft
    Westbahnstraße 42
    1070 Wien
    Tel.: 01 / 990 37 83 oder
    0664 / 351 02 09.
    Email: wirt@schreiners.cc

    Zwei Vor-, zwei Hauptspeisen,
    ordentlich Wein, Wasser und Kaffee: 96 Euro

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