Leoben im Posteingang von Mateschitz

24. Oktober 2008, 15:50
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Hans Linz will "zusätzliche Belastung" DSV Leoben an Red Bull "verkaufen" und probiert es per E-Mail - Hochhauser vorerst ablehnend - Gelder bis Herbst gesichert

Wien - Der langjährige Präsident und Hauptsponsor des DSV Leoben, Hans Linz, will den Fußball-Erstligisten an Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz "verkaufen". Linz hatte schon vor längerem angekündigt, sich im Herbst zurückziehen zu wollen. Nun ist seine Firma, die Hans Linz Finanzberatung (HLF), von den Turbulenzen bei der Kärntner Beteiligungsgesellschaft AvW Gruppe massiv betroffen. Dadurch ist der Verein für Linz eine "zusätzliche Belastung", wie er am Freitag sagte.

Keine Antwort

Vor zwei Tagen habe Linz eine E-Mail mit dem Angebot an Mateschitz geschickt, bisher aber keine Antwort erhalten. "Ein finanzpotenter Partner wie Red Bull wäre schön", meinte Linz, Onkel von Teamspieler Roland Linz. Der Getränkehersteller könnte gut zum DSV Leoben passen, meinte Linz. Mit Beginn der neuen Saison wurde allerdings festgelegt, dass eine Lizenz nicht verkauft werden kann. Red Bull könnte demnach nur den Verein übernehmen und die Transferrechte der Spieler abgelten.

Über den Preis müsse erst verhandelt werden, meinte Linz. Allerdings besitzt der Salzburger Getränkehersteller schon Vizemeister Red Bull Salzburg und dessen Amateure (Juniors), die Konkurrent von DSV Leoben in der Adeg-Liga sind.

"Ich weiß von der ganzen Sache null"

Red-Bull-Salzburg-Sportdirektor Heinz Hochhauser wurde über das Angebot nach eigenen Angaben noch nicht in Kenntnis gesetzt. "Ich weiß von der ganzen Sache null", betonte der Oberösterreicher, der eine Übernahme des steirischen Clubs durch Red Bull aber nicht kategorisch ausschließen wollte. "Vorerst ist das kein Thema, weil wir ja mit den Juniors noch eineinhalb Jahre in der Ersten Liga spielen. Aber vielleicht kann man im Frühjahr schon darüber nachdenken, was in der Saison 2010/11 sein könnte."

Hintergrund dieser Überlegung ist die Tatsache, dass Amateur-Teams von Bundesligisten nach der Saison 2009/10 nicht mehr in der Ersten Liga, sondern höchstens in den Regionalligen spielen dürfen. "Doch unsere Intention ist ganz klar, mit der zweiten Mannschaft in der zweithöchsten Liga zu bleiben", stellte Hochhauser klar.

Kaufangebot für drei Millionen Euro

Laut Linz soll es noch andere konkrete Interessenten für den DSV Leoben geben. Der Club-Chef hat laut eigenen Angaben vor rund drei Wochen ein Kaufangebot für drei Millionen Euro erhalten. Da ihm diese Summe zu wenig gewesen sei, habe er das Offert abgeschlagen. "Der Verein ist schuldenfrei", so Linz. Außerdem seien ein 44.000 Quadratmeter großes Grundstück mit Bebauungsrecht und ein 1999 renoviertes Stadion im Wert von etwa 3,5 Mio. Euro dabei.

Das Budget für 2008/09 beträgt laut Linz zwischen 1,8 und 1,9 Mio. Euro. Für 1,2 Mio. Euro hat er selbst garantiert. Bis Herbst seien die Gelder gesichert. In Medienberichten war davon die Rede gewesen, dass aufgrund der Probleme bei der AvW die Gehälter beim Club wackeln.

"Bis vor zwei Wochen hat alles funktioniert"

Die HLF "hat die AvW großgemacht", sagte Linz. Die HLF arbeite schon seit 1992 mit der AvW zusammen und vertreibe die Substanzgenussscheine der Gruppe seit deren Bestehen (1995). Seit 2000 ist die AvW der einzige HLF-Partner im Veranlagungsbereich. Nun hat die AvW den Rückkauf der Genussscheine bis Jahresende gestoppt. Die steirische Firma hat die Papiere an rund 3.500 Kunden vertrieben. Das Gesamtvolumen beträgt laut "Kleine Zeitung" 120 Mio. Euro. Über den Betrag wollte Linz nichts sagen. "Bis vor zwei Wochen hat alles funktioniert", sagte er. Er sei zuversichtlich, dass die AvW ihre Probleme bald lösen kann.

Linz' Hausbank hatte vorübergehend alle seine Firmen- und Privatkonten eingefroren, weil der Erhalt der AvW-Provisionen nicht mehr als gesichert angesehen wurde, bestätigte Linz entsprechende Medienberichte. Dieses Problem sei nun aber bereinigt, Linz' Firmen könnten wieder weiterarbeiten. Linz ist außerdem Eigentümer der Hans Linz Gastro-Betriebsgesellschaft und einer Vermietungs- und Verpachtungsfirma.(APA)

 

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