Neue Ermittlungen im Fall Kampusch

26. Jänner 2009, 21:32
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Der Fall Kampusch wird neu aufgerollt, die Ermittlungen sollen wieder aufgenommen werden - Dies habe Justizministerin Berger entschieden

Wien - Im Justizministerium wurde am Donnerstag dem Standard bestätigt, dass die durch den Bericht des früheren Verfassungsgerichtshofpräsidenten Ludwig Adamovich entstandenen Fragen noch einmal beleuchtet werden sollen. Der wichtigste Punkt: Hatte Wolfgang Priklopil einen Mittäter, wie von einer jungen Zeugin nach der Entführung behauptet wurde? Daher werde man die Staatsanwaltschaft Wien auffordern, der Exekutive weitere Ermittlungsaufträge zu geben. Bei der Staatsanwaltschaft selbst wusste man Donnerstag nichts Konkretes über den Ministeriumswunsch, sah aber kein Problem, den Akt wieder zu öffnen.

Eine eigene Sonderkommission ist im Innenministerium noch nicht gebildet worden, stellt Iris Müller-Guttenbrunn, Sprecherin von Ministerin Maria Fekter klar. „Es gibt bisher noch keinen Ermittlungsauftrag." Zufrieden ist man im Innenressort, dass der eigene Wunsch nach Klärung der letzten Unklarheiten im Fall Kampusch nun gemeinsam umgesetzt wird.

Priklopils Opfer "völlig überrascht"

Für Natascha Kampusch komme die Nachricht von der geplanten neuerlichen Prüfung der Umstände ihrer Entführung „völlig überraschend", sagte Donnerstagabend der Medienberater der jungen Frau, Dusan Uzelac, zum Standard. Kampusch selber habe „bis zuletzt nicht gewusst, dass neuerliche Ermittlungen geplant sind". Sie stehe diesen aber „nicht ablehnend gegenüber: „Sie ist froh, wenn weiter ermittelt wird, für den Fall, dass es irgendwelche Zweifel gibt."

In einem jedoch habe Kampusch in Gesprächen bisher nie einen Zweifel gelassen. „Dass es ihrer Wahrnehmung nach keinen zweiten Täter gegeben hat." Den heute 44-jährigen H., der Geschäftspartner ihres Entführers Wolfgang Priklopil war und dessen Rolle in dem Fall jetzt neu untersucht werden soll, habe sie im Gegensatz zu Behauptungen in Boulevardmedien nach ihrer Flucht „nur ein einziges Mal angerufen. Das hat Frau Kampusch unter Eid ausgesagt".

Auch Natascha Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger ist „überzeugt, dass es keinen Mittäter im strafrechtlichen Sinn gibt". Doch: „Ob es Mitwisser gab, ist eine andere Frage", sagt der Rechtsvertreter. Der von der Kampusch-Kommission kritisierte Umstand, dass die Protokolle der ersten Einvernahmen der jungen Frau in einem Tresor unter Verschluss gehalten wurden, verteidigt Ganzger. Später entnommene Protokolle seien sofort bei einer Boulevardzeitung gelandet. (bri, moe, DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2008)

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