Gusenbauer bei Wen: China respektiert Wiens Dialog mit Exil-Tibetern

24. Oktober 2008, 09:18
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Die diplomatische Eiszeit zwischen Österreich und China dürfte damit vorbei sein: Fischer soll zu einem Staatsbesuch geladen werden

Peking/Wien (APA) - Die Irritationen zwischen Wien und Peking wegen des Treffen zwischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und dem tibetischen Exil-Oberhaupt Dalai Lama im vergangenen September scheinen endgültig ausgeräumt zu sein. Im Vorfeld des Asien-EU-Gipfels (ASEM) ist Gusenbauer am Freitag in Peking von seinem chinesischen Amtskollegen Wen Jiabao empfangen worden. Nach dem etwa 20-minütigen Treffen sagte Gusenbauer dem ORF, China respektiere die Haltung Österreichs, auch einen Dialog mit den Exil-Tibetern zu führen.

"China hat hier völlig respektiert, was die Haltung Österreichs ist. Wir sind ein Land des Dialogs und reden daher mit allen und das ist zu akzeptieren", betonte Gusenbauer. Der Kanzler hatte den Dalai Lama in Wien bewusst als Privatperson empfangen, doch war dies in den Augen Chinas schon zu viel der Ehre für den Friedensnobelpreisträger, den die kommunistische Führung in Peking als gefährlichen Separatisten ansieht. China reagierte, indem es Österreich im diplomatischen Alltag mehrere Monate lang mit auffälliger Nachlässigkeit behandelte.

Diese kleine diplomatische Eiszeit dürfte nun vorbei sein, schließlich verlautete am Rande des Gusenbauer-Besuchs in Peking, dass Bundespräsident Heinz Fischer zu einem Staatsbesuch nach China eingeladen wird.

"Fakten zur Kenntnis genommen"

Peking dürfte die ausländische Kritik an Menschenrechtsverletzungen auch sonst etwas lockerer nehmen. So sei die am gestrigen Donnerstag verkündete Verleihung des Sacharow-Menschenrechtspreises des Europaparlaments an den chinesischen Regimekritiker Hu Jia am Freitag in Peking nicht einmal kommentiert worden. "Es werden Fakten zur Kenntnis genommen", sagte Gusenbauer dazu.

Hauptthema des Asien-EU-Treffens in Peking ist der Kampf gegen die Auswirkungen der Finanzkrise. Gusenbauer sprach sich dafür aus, durch eine internationale Vereinbarung "zu mehr Balance" in der Weltwirtschaft zu kommen. Es gehe nicht, dass einzelne Staaten wie die USA "enorme Schulden machen", die von anderen Staaten bezahlt würden, während andere (wie China, Anm.) "enorme Handelsbilanzüberschüsse" haben. China müsse bei einer solchen Vereinbarung für mehr Balance "dringend dabei" sein, betonte der Kanzler. (APA)

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