Constantia mit 450 Millionen gerettet

17. Oktober 2008, 20:31
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Die Constantia Privatbank, die ein Kundenvermögen von zehn Milliarden Euro verwaltet, wurde von Banken und vom Staat gerettet. Langfristig überleben dürfte sie nicht

Wien - Die Constantia Privatbank wird, vorausgesetzt es findet sich in absehbarer Zeit kein Käufer, wohl liquidiert werden. Doch vorerst haben fünf Banken (Bank Austria, Erste, Raiffeisen, Volksbanken, Bawag) am Freitag das Institut der Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac mit einer Kapitalspritze von 400 Mio. Euro samt Staatshaftung gerettet. Weitere 50 Mio. Euro schießt die Notenbank ein.

Poker bis zum Schluss

Die Rettungsverhandlungen der Banker dauerten am Freitag bis drei Uhr und wurden von der Nationalbank koordiniert. Notenbank-Chef Ewald Nowotny und der Finanzminister waren dabei. Es wurde parallel und in Gruppen verhandelt, mit den Eigentümern, eine Gruppe für die Bildung des Konsortiums, eine für die technische Vorbereitung. Laut Involvierten waren die Banken, die nun eine Auffanggesellschaft gründen, in die 100 Prozent der CPB eingebracht werden, nicht glücklich darüber, dass sie dieses Engagement eingehen müssen. Es blieb ihnen aber nichts anderes übrig.
Poker bis zum Schluss

Auf der anderen Seite zeigten die Bank-Eigentümer zunächst keine Lust, die Lösung zu akzeptieren, „die Eigentümer pokerten bis zur letzten Runde", heißt es. Es sei ihnen nicht klar gewesen, dass die einzige Alternative gewesen wäre, „die Bank unter Geschäftsaufsicht zu stellen (ihr einen Staatskommissär zu schicken) und zuzusperren", wie einer der Retter sagt. „Dann wäre völlige Wertlosigkeit eingetreten, und es hätte vor allem auch Haftungsansprüche gegen die Eigentümer gegeben", erklärt er.
Aus der Notenbank ist zu hören, dass allein die Erhaltung der Finanzmarktstabilität der Grund gewesen sei, die CPB zu retten - vor allem das Faktum, dass das Institut Depotbank für fast 300 Fonds mit einem Volumen von sieben Mrd. Euro ist. Das verwaltete Vermögen der Bank beträgt zehn Mrd. Euro.

Hätte man die Bank sofort liquidiert, so wäre dieses Vermögen zwar als Sondervermögen erhalten geblieben, aber bis das Geld enteist gewesen wäre, hätte es bis zu einem halben Jahr gedauert. Das hätte den Markt erschüttert, und das war auch der Grund dafür, dass die fünf großen Banken in den Deal eingewilligt haben. Das Konsortium wird nun einen Manager aus seinen Reihen in die Auffanggesellschaft schicken. Diese werde (zunächst mit der Hilfe der bisherigen Vorstände Karl Arco und Norbert Gertner) alles aufarbeiten und „die Bank abwickeln", verlautet aus der Notenbank. Detail am Rande: Ex-Eigentümerin Christine de Castelbajac soll dieser Tage ihr Vermögen von rund 400 Mio. Euro aus der Bank abgezogen haben. Ihr Vertrauter, Guido Schmidt-Chiari, dürfte es ihr mit seinem Stiftungsvermögen gleichgetan haben.

Folgen unklar

Unklar ist, ob der Verpackungskonzern Constantia Packaging (u.a. Amag, Duropack) in den Strudel der „Schwester" gerät. Eine angebliche Verpfändung der Aktien an die einspringenden Banken und ein späterer Verkauf des Konzerns wurden am Freitag nicht bestätigt. Die 1,5 Mrd. Umsatz schwere Verpackungsgruppe steht wie die Privatbank im Eigentum der niederländischen Constantia Packaging B.V. Die Constantia Packaging B.V. haftet der Immoeast gegenüber für eine Anleihe, bei der derzeit noch 520 Mio. Euro aushaftend sind. Und die Constantia Packaging B.V. garantiert Rudolf Fries und Walter Scherb, deren Immofinanz-Aktien zum Preis von rund sieben Euro ab 2010 zurückzunehmen. (cr, gra, ung, as, DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.10.2008)

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    Die noble Privatbank ist auf Stiftungenspezialisiert und verwaltet das Geld vermögender Kunden.

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