Powell drängt Türkei zu Entscheidung über US-Truppen

26. Februar 2003, 13:56
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Telefonat mit Regierungschef Gül - Verhandlungen über Milliarden-Hilfe fortgesetzt

Ankara - Die USA haben am Mittwoch erneut auf eine schnelle Entscheidung der Türkei zur Stationierung von US-Truppen an der Grenze zum Irak gedrängt. Die entsprechende Vorlage der Regierung werde am Donnerstag im Abgeordnetenhaus diskutiert, hieß es in türkischen Parlamentskreisen. US-Außenminister Colin Powell habe in einem Telefonat mit Ministerpräsident Abdullah Gül die Dringlichkeit der Truppenstationierung zur Vorbereitung eines Irak-Krieges betont, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi. Powell habe sich überdies erkundigt, wann die Entscheidung im Parlament zu erwarten sei.

Die Debatte sei nicht mehr am Mittwoch zu erwarten, sagte der Chef der Regierungspartei AKP, Tayyip Erdogan, Anadolu zufolge. Der Parlamentsantrag der Regierung sieht nach Angaben aus Güls Büro einen zeitlichen Rahmen von sechs Monaten für die Stationierung von 62.000 US-Soldaten vor. Zudem sollen die US-Truppen Häfen und Flughäfen der Türkei benutzen dürfen.

Die Gespräche mit den USA über ein Hilfspaket zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen eines Krieges dauerten noch an. "Faxe kommen an und werden verschickt. Die Verhandlungen gehen weiter", sagte Wirtschaftsminister Ali Babacan vor Journalisten. Das US-Angebot belaufe sich inzwischen auf sechs Milliarden Dollar direkte Hilfen und 8,5 Milliarden Dollar für Überbrückungskredite. "Das sind die Zahlen, bei denen die Amerikaner (im Moment) angekommen sind." Zwei Milliarden Dollar der direkten Hilfen sind Babacans Angaben zufolge für militärische Zwecke vorgesehen, die übrigen vier sollen der angeschlagenen Wirtschaft des Landes zugute kommen.

Die Türkei verhandelt seit Wochen über die US-Hilfen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen einen Krieg, mit dem die USA und Großbritannien gedroht haben, sollte der Irak die Abrüstungsauflagen der Vereinten Nationen nicht erfüllen. Die beiden Staaten haben auch einen Alleingang nicht ausgeschlossen, räumten mit der Vorlage einer neuen Resolution im UNO-Sicherheitsrat am Montag jedoch zwei Wochen Zeit für eine Entscheidung darüber ein. Im Falle eines Militärschlages sollen die Truppen an der Nordgrenze des Irak eine Entlastung der Südfront möglich machen.(APA/Reuters)

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