62.000 US-Soldaten sollen in die Türkei

25. Februar 2003, 20:46
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Abstimmung im Parlament steht noch aus - USA sagen hohe Finanzhilfen zu

Frachtschiffe mit Truppen und Panzern der US-Armee warten bereits vor der türkischen Küste. Doch die Abstimmung im Parlament von Ankara über die Stationierung von 62.000 US-Soldaten zögerte sich am Dienstag hinaus. Offen sind weiter Finanz- und Kommandofragen.

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Ankara/Washington - Unterhändler der Türkei und der USA haben sich auch am Dienstag noch nicht endgültig auf ein Abkommen zur Stationierung von US-Truppen für einen Irakkrieg einigen können. Bei mehrstündigen Verhandlungen in der Nacht sei keine Einigung erzielt worden, sagten Diplomaten in Ankara. Damit verzögerte sich weiter die Entscheidung im Parlament über die Truppenstationierung.

Allerdings stand die Beschlussvorlage über die Stationierung von 62.000 US-Soldaten für einen Zeitraum von sechs Monaten bereits fest. Darauf hatte sich das Kabinett am Montag geeinigt. Die Türkei knüpft ihre Zustimmung an die schriftliche Zusage Washingtons zu einem milliardenschweren Hilfspaket. Einzelheiten der Vereinbarung mussten am Dienstag aber noch geklärt werden.

Dazu kommen wachsende Spannungen zwischen der Türkei und den irakischen Kurden. Im Poker mit der US-Regierung um die Stationierung von Truppen hat die türkische Regierung darauf bestanden, Truppen unter eigenem Kommando in den Nordirak schicken zu können und will darüber hinaus die US-Waffenlieferungen an die Kurden überprüfen. Der Chef der kurdischen Demokratischen Partei, Massoud Barsani, hat bereits heftig dagegen protestiert, dass türkische Truppen bis zu 150 km tief in den Nordirak einmarschieren sollen.

"Die Türken", so Barsani, "sind willkommen, um humanitäre Einsätze zu unterstützen. Darüber hinaus sollen sie sich aber aus dem Nordirak heraushalten, sonst werden die Kurden sie bekämpfen." Das türkische Militär macht in diesen Tagen dagegen deutlich, dass sie sich im Nordirak ganz und gar nicht heraushalten werden. An der türkisch-irakischen Grenze in Cizre und Silopi rollen bereits die Panzer. Wenn auch zunächst noch auf dem Tieflader, werden ganz demonstrativ starke Kräfte an der Grenze zum Nordirak zusammengezogen. Zu den bereits Ende vergangenen Jahres stationierten Soldaten wird nun noch die gesamte 2. Armee von rund 100.000 Mann in die Grenzregion verlagert.

Die turkmenische Minderheit im kurdisch kontrollierten Nordirak wiederum sieht keine Notwendigkeit eines Militäreinsatzes der Türkei zu ihrem Schutz. Das sagte der Führer der Turkmenischen Volkspartei, Irfan Kirkukli, am Dienstag in der nordostirakischen Provinzhauptstadt Sulaimaniya. Eine Einmischung der Türkei würde nur die geopolitische Lage in der Region komplizierter machen. (Reuters, jg, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 26.2.2003)

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    Ein Kriegsschiff der USA läuft in den türkischen Mittelmeerhafen Iskenderun ein

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