Transplantat-Patient übt am Hometrainer

24. Februar 2003, 19:51
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Ärzte mit Heilungsprozess zufrieden - erst vier Mal weltweit Hände tranplantiert - zwei Mal in Österreich

Innsbruck - Es geht ihm gut", sagen Raimund Margreiter und Hildegune Piza. Vor einer Woche wurden einem 41-jährigen Kärntner Bahnbediensteten in Innsbruck beide nach einem Stromschlag unterhalb der Ellbögen amputierten Arme durch Transplantate ersetzt, DER STANDARD berichtete. Es gäbe keine Komplikationen. Der Patient soll seit zwei Tagen mobil sein und sich bereits am Hometrainer bewegen.

"Das ist ein komplett anderer Eingriff", urteilt der Innsbrucker Transplantationschirurg Margreiter über die weltweit ersten Verpflanzung von Unterarmen, "wir werden sehen". Sowohl Margreiter wie auch die Chefin der Plastischen Chirurgie, Piza, lassen im STANDARD-Gespräch erkennen: Es gibt eine Reihe offener Fragen.

Viermal weltweit Hände transplantiert

Viermal wurden weltweit beidseitig Hände transplantiert, in China, in Frankreich, dem Bombenopfer Theo Kelz in Innsbruck und eben vergangene Woche wieder in Tirol. Noch nie aber waren es Hände mit Unterarmen. Der große Unterschied zu allen Organtransplantationen besteht laut Margreiter in der Verpflanzung von ungewöhnlich viel Fremdgewebe, vor allem von Muskeln, Nervensträngen und mehreren Hautschichten.

"Wie sehr körperfremdes Muskelgewebe durch Abstoßung gefährdet ist, wissen wir nicht", sagt Margreiter. Trotz des vielen Fremdgewebes habe er dem Patienten aber keine besonders hohe Dosis an Immunsuppressiva verabreicht: "Etwa so viel wie bei einer Darmtransplantation." Zu hohe Dosen erhöhen die Krebsgefahr, "da braucht's eben Fingerspitzengefühl".

Ein Jahr Vorbereitung

Laut Piza sei beim Patienten die Muskulatur auch am Oberarm durch die Stromverletzung defekt gewesen. Die Unterarmmuskeln mussten auch am Oberarm fixiert werden. Ein Jahr lang hätten sich die Transplantations-, Unfall-und Plastischen Chirurgen mit Anatomie und Röntgenabteilung auf den Eingriff vorbereitet, so Piza. Mehrfach sei laut Margreiter "an der Pathologie geübt" worden. Für diesen Eingriff habe erst eine eigene Operationstechnik erarbeitet werden müssen.

Spannende Phase

Für Piza besteht die große Unbekannte vor allem im Zusammenwachsen der Nerven. "Zu sehen, wie viel wieder angeschlossen wird, das wird eine spannende Phase." Bei Stromschlägen können Nerven im molekularen Bereich Schädigungen erleiden, "die wir nicht sehen".

Die Durchblutung der Arme und Hände sei sehr gut, es gäbe laut Margreiter keine Hinweise auf Abstoßungsreaktionen. Die physikalische Therapie bestehe in der passiven Bewegung aller Fingergelenke. Hand- und Ellbogengelenk sind in einer Gipsschiene ruhig gestellt. Von den Medien möchte der Patient noch nicht kontaktiert werden. (bs/DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2003)

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