Pressestimmen: Die Zukunft der UNO

24. Februar 2003, 09:59
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"The Independent": Vereinte Nationen spielen eine bedeutende Rolle

London/Paris/Rom/Genf - Auch am Montag beschäftigen sich internationale Zeitungen umfassend mit der Irak-Problematik und ihren Neben-Aspekten. Zur Rolle der Vereinten Nationen schreibt die linksliberale britische Zeitung "The Independent" (London): "Die UN mögen alles andere als perfekt sein, aber sie stehen für das Völkerrecht. Letztes Jahr haben die USA die Vorstellung einer erneuten Entsendung von UN-Waffeninspektoren in den Irak noch als Zeitverschwendung abgetan. Jetzt haben die Inspektionen der Welt die Möglichkeit einer Alternative (zum Krieg) eröffnet. Natürlich ist es nur eine kleine Möglichkeit. Vielleicht wird Bush so oder so in den Krieg ziehen. Aber in jedem Fall ist es ermutigend, dass dies dann trotz der Bedeutung der UN der Fall sein wird - und nicht etwa, weil die UN bedeutungslos wären."

Die konservative britische Zeitung "The Times" (London)": "Wenn die Vereinten Nationen es ablehnen würden, einen Antrag anzunehmen, der einfach nur festhält, dass der Irak dabei versagt hat, die Forderungen von Resolution 1441 zu erfüllen, dann hätten sie sich selbst um ihre Bedeutung gebracht - so wie Bush das am Samstag gesagt hat. Es ist nun an Chirac zu entscheiden, ob dieses Schicksal den Sicherheitsrat wirklich erwartet. Er hat von seinen Vorstellungen einer multipolaren Welt gesprochen, in der Europa - mit anderen Worten Frankreich - eine gewichtige Rolle spielt."

"Die eigene Zukunft"

Die linksliberale französische Tageszeitung "Liberation" zur Zukunft der Vereinten Nationen: "Die Rolle der UN ist oft eine undankbare, weil die eigentliche Geschichte anderswo geschrieben wird und den Vereinten Nationen nur noch die Aufgabe bleibt, sich mit Folgen und Sackgassen zu befassen. Washington drängt die UN zum Handeln und ist sich dabei durchaus bewusst, damit den sensiblen Punkt der Organisation zu treffen: Es geht um die grundlegende Unfähigkeit der UN, Lösungen zu finden, die nicht nur hinhalten. Wenn die UN eine Intervention im Irak gutheißt oder ablehnt, betrifft das auch die eigene Zukunft. Denn im Falle eines unilateralen Konflikts muss man nicht nur den Irak wieder aufbauen. Man wird dann auch die UN neu "erfinden" müssen."

Die französische Wirtschaftszeitung "La Tribune": zum Treffen der G-7-Finanzminister in Paris und zum Irak: "Wenn die Diplomaten sich wegen des Irak öffentlich in die Haare geraten, können die wirtschaftlich und finanzpolitisch Verantwortlichen dann noch in Harmonie zusammenarbeiten? Die jüngste Tagung der führenden Industrienationen in Paris hat gezeigt, dass diese Frage verneint werden muss. Angesichts des anhaltend abbröckelnden Wachstums der großen Industriestaaten und des noch bevorstehenden Schocks eines Krieges gegen Bagdad haben uns die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7-Länder das Stück von der Zerrissenheit aufgeführt. Jeder für sich, Schluss mit Konzertation und Koordination. Eine bessere Illustrierung dafür, wie überflüssig diese Gruppe ist, hätte man sich wirklich nicht ausdenken können."

"Warten auf das grüne Licht"

Die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera": "Für die "humanitäre" Bombardierung des Kosovo reichte eine NATO-Resolution aus. Die Vereinten Nationen betraten die Szene, als Russland hinzugezogen wurde, um den Frieden zu sichern. Die Bombardierung des Irak wartet auf das grüne Licht durch den UN-Sicherheitsrat, sie hat Europa geteilt, riesige Massen von Pazifisten mobilisiert und wird von der Linken Europas und Italiens abgelehnt, die den Angriff gegen Milosevic guthieß. Hatte der 'Metzger' von Belgrad ein rascheres Handeln verdient als der Tyrann von Bagdad? Waren die Verbrechen des serbischen Regimes schlimmer als jene des irakischen Regimes? (...) Der Angriff gegen Bagdad könnte eine Spirale der Instabilität und islamischen Terror auslösen. Außerdem würde er dramatische Risse im System der internationalen Beziehungen verursachen, sollte er von den USA im Alleingang beschlossen werden."

Der Zürcher "Tages-Anzeiger": "Mit den Samud-Raketen muss Saddam eines seiner letzten Abwehrsysteme aus der Hand geben. Was Blix von ihm verlangt, kommt einem totalen Gesichtsverlust gleich. In solchen Situationen hat der Diktator von Bagdad immer völlig unberechenbar reagiert. Vor zwölf Jahren zündete er 640 kuwaitische Ölquellen an, als ihn Bush Senior mit einer unrealistischen Rückzugsfrist von 40 Stunden zur Vermeidung eines Bodenkrieges an die Wand gedrängt hatte." (APA/dpa)

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