Weil Wissenschaft Gesellschaft braucht

14. Oktober 2008, 20:30
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Rat für Forschung und Technologieentwicklung will breiten Reflexionsprozess in Gang setzen

In Österreich ist es - auch und zumal im europäischen Vergleich - um die öffentliche Wahrnehmung und Diskussion von Wissenschaft nicht allzu gut bestellt. Bei einer Umfrage im Vorjahr gaben nur 42 Prozent der Österreicher an, an Wissenschaft "sehr" oder "einigermaßen interessiert zu sein. Zum Vergleich: in Schweden sind es 80 Prozent; in Dänemark und Frankreich kaum weniger. Und der EU-Durchschnitt liegt immerhin noch bei 57 Prozent.

Womöglich liegt es auch an der Information. Erst im Frühjahr dieses Jahres zeigte sich bei einer anderen Umfrage in zwölf europäischen Ländern, dass Österreicher in Sachen Biotechnologie die größten Wissenslücken haben. Wieder gaben nur 42 Prozent an, eine Ahnung von embryonalen Stammzellen zu haben. In Schweden dagegen waren es immerhin 86 Prozent.

Dabei kann man nicht sagen, dass man in den vergangenen Jahren kein Geld in die Hand genommen hätte, um Wissenschaft in die Gesellschaft zu bringen: Von 2001 bis 2006 wurden im Rahmen der Initiative "Innovatives Österreich", die der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (FTE-Rat) verantwortete, knapp 20 Millionen Euro für Projekte "zur Sensibilisierung einer breiteren Öffentlichkeit für das Themenfeld Wissenschaft, Forschung und Technologie" ausgegeben.

Nach dem ersatzlosen Ende der aus vielen Dutzend Teilprojekten bestehenden Initiative, die aufgrund von nicht nur gelungenen Aktivitäten eher ambivalent evaluiert wurde, sollte es freilich nicht eben besser kommen: Das vorhandene Geld für Wissenschaftsvermittlung wurde wieder von den für Forschungsagenden zuständigen Ministerien verteilt - vor allem in verschiedene Schulprojekte, zum Teil eher unkoordiniert und nicht ganz zuletzt für PR-Aktivitäten in eigener Sache.

Verbesserungsmöglichkeiten

Kein Wunder, dass Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums und Mitglied des achtköpfigen FTE-Rats, in Sachen "Wissenschaft und Gesellschaft" Verbesserungsmöglichkeiten ortet. Statt vorschnellen neuen Aktivitäten und Events sei in Österreich aber zunächst einmal ein umfassender Reflexionsprozess über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft in Gang zu setzen", so Zuna-Kratky. "Denn nur so kann man zu wirklich zukunftsweisenden Empfehlungen und nachhaltigen Projekten kommen."

Wie ernst es dem RTF-Rat mit dem Nachdenkprozess ist, zeigt sich daran, dass er gleich zwei Studien zum Thema "Wissenschaft und Gesellschaft" in Auftrag gegeben hat: Vermittlungsexperte Alexander Martos von der Agentur Science Communications verglich mit Kollegen in einer umfassenden Studie die jeweiligen nationalen Strategien der Wissenschaftskommunikation in Österreich, der Schweiz Deutschland und Großbritannien. Die Politikwissenschafterin Ulrike Kozeluh wiederum untersuchte insbesondere neue Formen und Möglichkeiten der demokratischen Mitwirkung an forschungs- und technologiepolitischen Entscheidungen.

Wie in beiden Studien von Martos und Kozeluh zum Ausdruck kommt, kann das Ziel dabei nicht sein, bloß PR für Wissenschaft zu machen und auf diese Weise ihre Akzeptanz zu heben. Vielmehr bedarf es echter Dialoge zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, um so etwas wie "sozial robustes Wissen" herzustellen.

Im internationalen Vergleich herrscht diesbezüglich in Österreich Nachhol- und Handlungsbedarf, so Zuna-Kratky. Während es etwa in der Schweiz und Großbritannien eine klare Vision und eine koordinierte Strategie gäbe, das demokratiepolitisch so wichtige und sensible Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit zu gestalten, fehle eben das in Österreich - auch und zumal nach dem Ende von "Innovatives Österreich". (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2008)

Öffentliche Enquete des Rats für Forschung und Technologieentwicklung "Wissenschaft braucht Gesellschaft: Der Dialog als politische Agenda". 16. Oktober, 16 bis 21 Uhr, Ovalhalle des Museumsquartiers in Wien. Anmeldung über den FTE-Rat.

  • Kinder für Forschung zu begeistern ist wichtig. Aber für Wissenschaft, die im Dialog mit der Gesellschaft steht, braucht es mehr.
    foto: standard/fischer

    Kinder für Forschung zu begeistern ist wichtig. Aber für Wissenschaft, die im Dialog mit der Gesellschaft steht, braucht es mehr.

  • Gabriele Zuna-Kratky.
    foto: standard/urban

    Gabriele Zuna-Kratky.

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