Suche nach Verbleib der Kapitalzufuhren bei Immoeast

14. Oktober 2008, 18:16
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Die Vorgänge um die gezeichnete Anleihe über 900 Millionen Euro werden immer mysteriöser. Experten vermuten, dass das alte Management damit den Kurs der Immobilien-Aktien stützen wollte

Wien - Die Nebel um die bisher unbekannte Anleihe der Immoeast im Volumen von ursprünglich 900Mio. Euro lichten sich. Experten vermuten folgenden Hergang: Der Kursrutsch der Meinl-Papiere im Sommer 2007 zog auch die Aktien der Immofinanz-Gruppe mit nach unten. Um den Kurs der Immofinanz-Gruppe zu stützen, wurden die von der Börse zurückkommenden Aktien von der Immofinanz Beteiligungs AG gekauft, die offiziell nichts mit der Immoeast-Mutter zu tun hat.

Das Geld dafür habe sie sich über besagte Anleihe geholt. Als Sicherheit im Hintergrund habe die Camilla Stiftung gedient, beziehungsweise sollen Personen aus dem Dunstkreis der Familie des verstorbenen Industriellen Herbert Turnauer und seiner Tochter Christine de Castelbajac stehen. Die Immoeast wiederum musste die Anleihe an die Beteiligungs AG nicht konsolidieren, weil diese die Tochter einer Stiftung (Sondervermögen) ist und somit der Konsolidierungskreis durchbrochen wurde. Der Aufsichtsratschef der Immofinanz-Gruppe, Wolfgang Reithofer, kann den Vorgang nicht bestätigen, weil er ihn "nicht kennt" . Ihm ist jetzt nur wichtig, dass er das Geld, nämlich die noch aushaftenden 520Mio. Euro bekommt. Die Differenz wurde laut Unternehmensangaben zurückgezahlt, eine weitere Tranche soll demnächst fließen.

Eng dürfte es für die Constantia Privatbank werden: Sie verdiente am Managementvertrag mit der Immofinanz-Gruppe und als Investmentbank bei jeder Kapitalerhöhung der Immo-Gesellschaften. Sobald der Emissionserlös vorlag, gab es zudem angeblich Anlage- und Halteprovisionen. Ein Unternehmenssprecher bestreitet das: "Die Constantia Privatbank bekam ausschließlich Management-Gebühren von 0,6 Prozent." Vom Erlös der letzten Immoeast-Kapitalerhöhung aus 2007 von 2,8 Mrd. Euro flossen 1,5Mrd. Euro als Darlehen an die Immofinanz, um 900 Mio. Euro wurde besagte Anleihe gezeichnet. Für reale Immobilienprojekte blieben nur 400 Mio. Euro. Und das, obwohl in der Satzung des Unternehmens steht: "Bankgeschäfte im Sinne des Bankwesengesetzes sind von der Tätigkeit der Gesellschaft ausgenommen."

An der Immofinanz Beteiligungs AG in Vaduz hält die Camilla Stiftung 99 Prozent, ein Prozent gehört der Stephanie Stiftung. Immofinanz-Aufsichtsrat Guido Schmidt-Chiari weist Gerüchte zurück, wonach ihm diese Stiftung zuzurechnen sei. Er habe eine gleichnamige Privatstiftung in Wien, die karitativen Zwecken diene. Vorsitzender des Aufsichtsrats derImmofinanz Beteiligungs AG ist Helmut Falschlehner, Ex-Raiffeisen-Manager.

Firmengeflecht

Beteiligt ist die AG unter anderem an der CPB Anlagen Leasing, CPB Beteiligungs GmbH, Immofinanz Holding GmbH (immer mit 40,5 Prozent), auch an einer Sarius Holding, Situs Holding und Syleus Holding GmbH. Gegründet wurde die Gesellschaft Ende 1993, geführt wird sie von Gerhard Pauser, er ist 73 Jahre alt und war Notar. Der Camilla gehört nur diese Gesellschaft, der Stephanie gehören zudem 99 Prozent der CPB AG für Unternehmensbeteiligungen, die wiederum von Rudolf Fries geführt wird und Gesellschafter der folgenden Gesellschaften ist: CPB Anlagen Leasing, CPB Beteiligungs GmbH. Immofinanz Holding usw. zu je 40,5 Prozent.


Die Bilanz der Immofinanz Beteiligungs AG 2006 zeigt folgendes Bild: Laut Beteiligungsschlüssel haben von den elf Gesellschaften fünf einen Jahresverlust. So wies die Immofinanz Holding GmbH ein negatives Eigenkapital von minus 118.000 Euro auf und einen Jahresfehlbetrag von 14.000Euro. Die Immofinanz Gesellschaft für Unternehmensbeteiligungen GmbH hat ein negatives Eigenkapital von 623.000 Euro, der Jahresfehlbetrag beträgt 208.000 Euro. Die LeasCon Holding GmbH kommt auf ein negatives Eigenkapital von 529.000 Euro, der Jahresfehlbetrag: 77.000 Euro. Syleus Holding GmbH: 481.000 Euro negatives Eigenkapital, Jahresfehlbetrag: minus 135.000 Euro. Die Papiere der Immofinanz und Immoeast stiegen am Dienstag um je 50 Prozent.
Die Vorgänge um die von der Immoeast gezeichnete Anleihe über 900 Millionen Euro werden immer mysteriöser. Experten vermuten, dass das alte Management damit den Kurs der Immobilien-Aktien stützen wollte.
 (Claudia Ruff,  DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2008)

  • Die Immofinanz verfügt in Österreich über ein solides
Immobilienvermögen. So gehört ihr u. a. der vor wenigen Jahren
errichtete City-Tower (Bild), in dem mehrere Gerichte vertreten sind.
    foto: der standard/cremer

    Die Immofinanz verfügt in Österreich über ein solides Immobilienvermögen. So gehört ihr u. a. der vor wenigen Jahren errichtete City-Tower (Bild), in dem mehrere Gerichte vertreten sind.

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