Österreich-Rundfahrt

14. Oktober 2008, 18:13
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Vom schlampigen Umgang mit verbotener Leistungssteigerung - von Fritz Neumann


Österreich ist ein kleines Land, wenn auch nicht, wie behauptet, „a too small country to make good doping". Der Manager des in der A-Probe positiven Radstars Bernhard Kohl führt gemeinsam mit dem Gatten der ehemaligen Leichtathletik-Olympiadritten Theresia Kiesl eine Firma. Er, der Manager, wurde übrigens seinerzeit von Walter Mayer zu den Olympischen Spielen in Turin eingeladen. Er, der Gatte, nahm übrigens seinerzeit alles auf sich, als man im Kiesl-Kühlschrank Dopingmittel fand.

Leistungsdiagnostiker Hans Holdhaus überredete seinerzeit den des Dopings überführten Gewichtheber Jürgen Matzku, sich selbst und der Welt zu beweisen, dass er dasselbe Gewicht auch clean stemmen konnte. Matzku stemmte Rekord, nicht in einem Wettkampf, er war ja gesperrt, sondern vor laufenden Kameras in einer ORF-Sendung. Später und auf die Frage, ob Matzku gedopt nicht noch mehr Gewicht zur Hochstrecke gebracht hätte, sagte Holdhaus: „Natürlich." Das hörte niemand mehr, doch dass Matzku wie ein Einser stemmte, das blieb vielen in Erinnerung.

In Österreich werden weniger Sportler getestet und also überführt als sonstwo. Andreas Schwab, Chef der Anti-Doping-Agentur (Nada), erklärte kürzlich, man habe noch keinen einzigen Bluttest abgenommen, schließlich sei die gesetzliche Lage nicht völlig geklärt. Als er antrat, sah er sich „nicht als obersten Dopingjäger" und hoffte, die Nada würde „einen Bewusstseinswandel herbeiführen". Schwab fuhr seinerzeit im Bob mit Werner Delle-Karth, der vor kurzem sagte, er schluckte „gewisse Pillen, um stärker zu werden". Wie gesagt, klein, das Land. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE, 14.10. 2008)

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