Zulieferbranche zieht Handbremse an

15. Oktober 2008, 12:21
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Fehlende Kauflust zwingt immer mehr Autozulie­ferunternehmen zu Bremsmanövern. Magna in Graz und BMW-Steyr stehen vor der Kurzarbeit, bei GM in Aspern müssen die 150 Leiharbeiter gehen

Wien - Die Bremsspuren in der österreichischen Fahrzeug- und Autozulieferindustrie werden kräftiger. Weil sich Autos so schlecht wie schon lange nicht verkaufen und große Hersteller nicht mehr länger auf Halde produzieren wollen, sind auch immer mehr Autozulieferunternehmen in Österreich gezwungen, ihre Produktion zu drosseln.

"Die allgemeine Marktsituation ist schlecht, das betrifft uns auch" , sagte Elisabeth Schuller, Sprecherin von GM Powertrain Austria, dem STANDARD. 2007 sind im Werk in Wien/Aspern noch 1,58 Millionen Motoren und Getriebe gebaut worden - der überwiegende Teil für General Motors und Fiat in Europa, ein Teil der Getriebe auch für ein Montagewerk in Brasilien. Jetzt wird die Produktion zurückgefahren.

In der Nacht auf Dienstag haben sich Management und Betriebsrat schließlich auf ein Modell verständigt, dass es erlaubt, den Produktionseinbruch in den europäischen Opel-Fabriken abzufedern. "Das Stammpersonal bleibt vollständig erhalten, es gibt auch weder Kurzarbeit noch Lohnverluste", sagte eine Sprecherin des General Motors Powertrain-Werks am Mittwoch. 150 Zeitarbeiter werden freilich abgebaut werden müssen.

GM Aspern wird die Bänder im Oktober bis zu 10 Tage anhalten. Mitarbeiter können für diese produktionsfreie Zeit Überstunden abbauen, Urlaub nehmen oder im Rahmen eines sogenannten "Bandbreitenmodells" sogar "Minusstunden" schreiben. Das bedeutet, dass die Beschäftigten regulär weiterbezahlt werden, dass sie die "negative Arbeitszeit" allerdings in auftragsstärkeren Zeiten nachholen müssen. Das Bandbreitenmodell wird bei GM-Aspern auf 52 Wochen eingeführt.

Ob der Abbau der Zeitarbeiter und die flexiblen Arbeitszeitmodelle ausreichen werden, dazu will man sich bei GM Powertrain nicht festlegen. "Man muss abwarten, wie sich die Märkte entwickeln - wenn sie sich stabilisieren, kommen wir damit durch", sagte GM Powertrain-Sprecherin Elisabeth Schuller.

Im vergangenen Jahr hat Wien-Aspern 1,58 Millionen Motoren (kleine Benziner) und Getriebe (für Diesel-Pkw) produziert. Heuer werden es nach dem derzeitigen Stand um 100.000 Einheiten weniger werden. Weil die Dieselverkäufe stärker eingebrochen sind, wird auch die die Getriebeproduktion stärker zurückgenommen.

BMW ebenfalls betroffen

Der schleppende Autoabsatz trifft auch die Beschäftigten des BMW-Motorenwerks im oberösterreichischen Steyr. Dort werden nach Allerheiligen die Produktionsbänder längere Zeit stillstehen. Die Herstellung von Benzinmotoren wird für zwei Tage, jene von Dieselmotoren für fünf Tage ausgesetzt. Darauf hat sich das Unternehmen am Dienstag mit dem Betriebsrat geeinigt.

Betroffen von den Maßnahmen sind rund 1600 der gut 2600 Mitarbeiter. Der Produktionsstillstand soll durch Abbau von Überstunden und Urlaub überbrückt werden, sagte Unternehmenssprecher Rudolf Handlgruber. Das Werk reagiert damit auf angekündigte temporäre Schließungen in anderen Werken von BMW, an die Motoren zugeliefert werden.

Erst zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass Magna in Graz ab November 2600 Mitarbeiter auf Kurzarbeit schickt. Die Auswirkungen auf andere Autozulieferer hielten sich noch in Grenzen, sagte der Geschäftsführer der Austrian Automotive Association, Peter Kuen. Viele hätten aufgrund der zuletzt guten Konjunktur volle Auftragsbücher. Zu beobachten sei, dass Investitionen im Ausland auf die lange Bank geschoben werden. Kuen: "Risiko wird zurückgeschraubt, man will abwarten, wie sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt." (Günther Strobl/red, DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2008)

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