Immoeast: 900 Millionen von der Börse landeten in Liechtenstein

13. Oktober 2008, 19:03
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Die Immoeast verlieh im Vorjahr 800 bis 900 Mio. Euro aus einer Kapitalerhöhung an eine Gesellschaft, hinter der eine Camilla-Stiftung in Vaduz steht

Bei der ins Trudeln geratenen Immofinanz-Gruppe werden neue Details bekannt: So hat die Immoeast fast 900 Millionen Euro aus dem Erlös einer Kapitalerhöhung über die Börse verwendet, um einem Unternehmen Kredit (in Form einer Anleihe) zu geben. Hinter dem Unternehmen steht eine Stiftung in Liechtenstein. Der neue Chef Thomas Kleibl versucht derzeit alles, um Geld zum Überleben zu bekommen.

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Wien - Am Montag präsentierten der neue Aufsichtsratschef und Vorstand der Immofinanz-Gruppe, Wolfgang Reithofer und Thomas Kleibl, erstmals Details zu jener Anleihe, die wahrscheinlich der Grund für den vorzeitigen Abgang des langjährigen Immofinanz-Chef Karl Petrikovics war.

So hat die Immoeast nach der letzten Kapitalerhöhung Mitte 2007 (Erlös 2,7 Mrd. Euro) etwa 800 bis 900 Mio. Euro einer sogenannten "Immofinanz-Beteiligungs AG" (die laut Reithofer und Kleibl nichts mit der Immofinanz zu tun hat) geliehen (in Form eines Corporate Bonds). - Ohne davon den Aufsichtsrat zu informieren. Der damalige Aufsichtsratschef Helmut Schwager, er ist Finanzvorstand der Constantia Packaging, sagte zum STANDARD, er habe von der Anleihe erst heuer im Zuge der Bilanzerstellung (das Geschäftsjahr endet am 30. April) erfahren. Reithofer gab zu, dass es vom früheren Management "leichtfertig war, die Anleihe zu zeichnen". "Ich hätte es nicht gemacht", so der Aufsichtsratschef. Eine Querfinanzierung schloss er jedenfalls aus.

Von diesem Corporate Bond sind derzeit noch 520 Mio. Euro aushaftend. Der Bond (Verzinsung 350 Basispunkte über Libor) wurde mittlerweile gekündigt, die ersten 150 Mio. Euro sollen Ende Oktober in die Kassen der Immoeast fließen.

Und wer garantiert den Rest, wurden Reithofer und Kleibl gefragt? Reithofer: Das Geld "ist durch eine Erklärung eines Dritten besichert". Und es gebe keine Zweifel an der Werthaltigkeit dieses Dritten, so Reithofer. Hinter der sogenannten "Immofinanz-Beteiligungs AG" verbirgt sich jedenfalls eine Stiftung in Liechtenstein, soviel konnten Reithofer und Kleibl in Erfahrung bringen. Mehr nicht.

Recherchen des STANDARD ergaben, dass es sich um die Camilla Stiftung mit Sitz in Vaduz handelt. Das wird auch vom Immofinanz-Sprecher Thomas Brey bestätigt. Und die Sicherheiten, von denen Reithofer sprach, dürften aus dem Dunstkreis der Constantia Eigentümer (der Privatbank und der Constantia Packaging) stammen. Schwager darauf angesprochen sagte, "ich bin nicht befugt für die Muttergesellschaft zu sprechen".

Alle Versuche, Vertreter der Privatbank dazu zu befragen, blieben am Montag ergebnislos. Auch Petrikovics selbst wollte keine Stellungnahme abgeben. Investor Rudolf Fries, der seit dem Frühjahr knapp zehn Prozent an der Immofinanz hält, weiß nichts über die Stiftung und sieht im übrigen "derzeit keine Veranlassung" sich von seinen Aktien zu trennen. Wie berichtet, könnte er sie um etwa sieben Euro/Aktie an die Constantia Packaging verkaufen. Am Montag notierten Immoeast bei 0,95 Euro und Immofinanz bei 1,48 Euro. Ob Petrikovics rechtlich belangt werde, ließ Reithofer offen. Aus heutiger Sicht sei jedenfalls noch kein "Schaden" entstanden.

Großzügig zeigten sich die Eigentümer der Constantia Privatbank, die Constantia Packaging BV mit Sitz in Holland (Vassen): Statt 490 Mio. Euro wird die Immofinanzgruppe der Privatbank "nur" 390 Mio. Euro für die Management-Verträge und Immo-Beteiligungen zahlen.

Die Immofinanz-Gruppe habe zwar aus heutiger Sicht kein Liquiditätsproblem, dennoch braucht die Gruppe bis zum Jahresende 110 Mio. Euro und bis zum Ende des Geschäftsjahres (April) weitere 150 Mio. Euro.

Neben der Sistierung von Projekt-Entwicklungen und dem Verkauf von Immobilien wird auch Immoaustria Immobilien um 150 Mio. Euro abgegeben. Die Immowest soll sich von Werten in Höhe von 300 bis 400 Mio. Euro trennen. Kleibl schloss in dem Zusammenhang auch einen Verkauf der Wohnbaugesellschaft Buwog nicht aus: "Fast alles hat seinen Preis und auch darüber muss man nachdenken." Unabhängig von der geplanten Fusion Immofinanz und Immoeast wird die Immofinanz das Darlehen über 1,8 Mrd. Euro bei der Immoeast zurückzahlen.(Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2008)

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    Schwere Zeiten für die Immofinanz-Gruppe. Benötigt wird Liqui-dität. Diese soll über Verkäufe herein- kommen. Auch die Buwog steht zur Disposition.

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