BZÖ-Vorstand ernennt Generalsekretär Petzner zum Parteichef

12. Oktober 2008, 17:11

Parteivorstand tagte am Sonntagnachmittag in Wien - Petzner: "Es sind sehr große Schuhe, aber ich werde gehen, nicht fallen" - Wiedervereinigung mit FPÖ für BZÖ kein Thema - Noch keine Entscheidung über Klubführung

Wien - Generalsekretär und Haider-Vertrauter Stefan Petzner ist vom BZÖ-Parteivorstand Sonntagnachmittag einstimmig zum neuen Parteiobmann ernannt worden. Der erst 27-jährige Ziehsohn folgt damit seinem Vorbild Haider nach, der am Samstag bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Petzner nannte als sein Ziel, im Sinne Haiders Rot-Schwarz verhindern zu wollen. Eine Wiedervereinigung mit der FPÖ sei für das BZÖ kein Thema, hieß es bei einer Pressekonferenz nach dem Vorstand. "Es sind sehr große Schuhe, aber ich werde gehen, nicht fallen", sagte Petzner.

Über die Weichenstellung in Kärnten will das BZÖ erst morgen, Montag informieren. Die Agenden des Landeshauptmanns hat vorübergehend Haiders Stellvertreter Gerhard Dörfler übernommen.

"Jetzt erst recht"

Petzner hat am Sonntag nach der Bündnissitzung erklärt, es sei Pflicht und Auftrag, das Erbe Jörg Haiders weiterzutragen. "Jetzt erst recht" müsse es mit diesem BZÖ weitergehen. Weitere personelle Entscheidungen wurden nicht bekanntgegeben, der Klubobmann soll in der konstituierenden Sitzung des Parlamentsklubs gewählt werden. Petzner selbst muss formell im Rahmen eines Parteitages zum Bündnisobmann bestellt werden, dafür gibt es vorerst noch keinen Termin.

Er habe nach dem Tod Haiders mit vielen, vielen Menschen Gespräche führen dürfen und Hunderte Emails erhalten, so Petzner. Neben der Trauer und der Unbegreiflichkeit des Todes des ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns hätten diese vor allem den "Appell zur Geschlossenheit" zum Inhalt gehabt. Jörg Haider habe auch in den schwierigsten Stunden stets gesagt: "Lasst die Köpfe nicht hängen." Diesem "Zukunftsoptimismus" des Landeshauptmanns folgend habe man auch heute gesagt: "Es geht weiter." Daher habe man auf Antrag im Bündnis einstimmig beschlossen, dass Petzner als stellvertretender Parteiobmann und längster Vertrauter Haiders als designierter Bündnisobmann das BZÖ auf Bundesebene weiterführen soll.

"Ich bin nicht wie Jörg Haider"

"Ich bin nicht wie Jörg Haider, aber ich werde versuchen, die Vorstellungen Jörg Haiders so gut ich kann weiter zu tragen." Haider habe ihm auf die oftmals gestellte Frage, was nach seiner Zeit passieren sollte, geantwortet: "Da musst du das weitertragen und weiterführen", so Petzner. "Das tue ich jetzt, dies ist meine Pflicht und Verantwortung."

Als einzige politische Aussage erklärte Petzner, er wolle das "wichtigste Anliegen" Haiders weiterverfolgen: nämlich eine Große Koalition zu verhindern. An eine Wiedervereinigung mit der FPÖ sei aber aus derzeitiger Sicht kein Thema. Auch eine Unterstützung einer Minderheitsregierung hält Petzner für ein falsches Signal.

Noch keine Entscheidung über Klubführung

Über die Führung des Parlamentsklubs soll bei der konstituierenden Klubsitzung entschieden werden, Termin steht noch keiner fest. Zu personellen Weichenstellungen in Kärnten ist für Montag eine Pressekonferenz in Klagenfurt angekündigt.

Der designierte BZÖ-Obmann Stefan Petzner erklärte, der genaue Termin für die konstituierende Klubsitzung stehe auch wegen des noch offenen Begräbnistermins des verstorbenen Landeshauptmanns nicht fest. Gefragt, ob der stellvertretende BZÖ-Obmann Herbert Scheibner infrage käme, sagte Petzner, Scheibner solle eine "wichtige Rolle" einnehmen. Auf weitere Personaldebatten wollte er sich nicht einlassen.

Scheibner seinerseits erklärte, Petzner sei "extrem erfahren". Er habe in den letzten Tagen gezeigt, dass er alles hervorragend gemeistert habe.

Im Anschluss an die Pressekonferenz fuhr Petzner wieder Richtung Kärnten, wo er auf Wunsch der Familie Haiders am Trauergottesdienst im Klagenfurter Dom teilnehmen wollte. Er bedankte sich bei Scheibner sowie beim ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesenden Generalsekretär Martin Strutz und Bundesgeschäftsführer Manfred Stromberger. Die übrigen BZÖ-Spitzenfunktionäre gedachten laut Scheibner im Anschluss im Stephansdom des Verstorbenen. (APA)

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    Petzner nannte als sein Ziel, im Sinne Haiders Rot-Schwarz verhindern zu wollen.

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