Hans Rauscher über Jörg Haiders Tod

11. Oktober 2008, 07:09

Man konnte sich nie vorstellen, dass dieser zerstörerische und selbstzerstörerische Politiker einfach so in den Ruhestand oder Vorruhestand hinübergleitet. Ein alter, abgeklärter Jörg Haider - das war irgendwie nicht drin. Nun ist der Kärntner Landeshauptmann, der immer viel und spät nachts unterwegs war, am Steuer seines Dienstwagens tödlich verunglückt. Er wäre in knapp zwei Jahren 60 geworden, aber er wollte nie alt sein und strahlte immer noch eine, wenn auch etwas forcierte Jugendlichkeit aus.

Aber ab einem gewissen Alter lassen die Reflexe und die Aufmerksamkeit unweigerlich nach. Haider war ein Symbol für so unendlich vieles, was problematisch ist an Österreich, obwohl oder eher weil er so viele Hoffnungen so vieler Menschen weckte. Er hätte bis ganz hinauf kommen können, aber sein Charakter kam ihm immer wieder dazwischen. Zuletzt hatte er wieder eine gewisse Rolle gespielt - und wird sie durch seinen Tod vielleicht noch mehr spielen. Das extrem rechte Lager kann sich nun wiedervereinen, Strache kann sein Erbe antreten, ohne sich mit ihm einen Kampf um die Macht liefern zu müssen. Das könnte einiges bedeuten für die Machtkonstellationen im Lande. (Hans Rauscher, derStandard.at, 11.10.2008)

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