Reaktionen: "Weltuntergang"

11. Oktober 2008, 07:09

Bundespräsident Fischer: "Menschliche Tragödie" - ÖVP-Chef Pröll betroffen - Strache geschockt - Faymann: "Ausnahmepolitiker"

Wien - "Für uns ist das wie ein Weltuntergang", sagte Haiders Pressesprecher und Stellvertreter als BZÖ-Obmann, Stefan Petzner. Wie es mit der Partei weitergehen werde, darüber könne man vorerst noch nichts sagen. Die Amtsgeschäfte in Kärnten übernimmt der erste Landeshauptmannstellvertreter Gerhard Dörfler. Er zeigte sich in einer ersten Reaktion tief bestürzt und betroffen: "Ich habe einen Lebensfreund verloren." Das ganze Land sei zutiefst geschockt. In Kärnten sei "die Sonne vom Himmel gefallen" und "die Uhren stehen geblieben heute Nacht", so Dörfler weiter. Das Land - in dem im kommenden März die Landtagswahl ansteht - verliere eine "großartige Persönlichkeit" und "den großartigsten Landeshauptmann".

Fischer: "Menschliche Tragödie"

Bundespräsident Heinz Fischer hat sich in einer ersten Reaktion auf das Ableben des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider am Samstag "tief betroffen" gezeigt und der Familie des BZÖ-Chefs gegenüber seine Anteilnahme zum Ausdruck gebracht. Das Staatsoberhaupt nannte den Unfalltod Haiders im ORF "unfassbar" und sprach von einer "menschlichen Tragödie".

Haider sei ein "Politiker mit großen Begabungen" gewesen, der mit seinem politischen Wirken Begeisterung, aber auch entschiedene Kritik ausgelöst habe. Der BZÖ-Obmann habe die Fähigkeit gehabt, auf die Menschen zuzugehen und zu begeistern und hätte jede Möglichkeit gehabt, im kommenden Jahr in Kärnten eindrucksvoll wieder zum Landeshauptmann gewählt zu werden.

Gusenbauer "sehr betroffen"

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zeigt sich "sehr betroffen" über den plötzlichen Tod des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider. Als langjähriger Landeshauptmann habe der BZÖ-Chef nicht nur die Kärntner Politik entscheidend beeinflusst, sondern auch die gesamte österreichische innenpolitische Landschaft über Jahrzehnte hinweg geprägt: "Mein tiefes Mitgefühl gilt in diesen Stunden seiner Familie", sagte der Bundeskanzler in einer ersten Stellungnahme.

"Zutiefst schockiert" reagiert Vizekanzler Wilhelm Molterer auf das Ableben des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider. Der BZÖ-Chef sei eine Persönlichkeit gewesen, die in den letzten Jahren die Politik in Österreich mitgeprägt und mitgestaltet habe. Haider habe immer einen eindeutigen Standpunkt bezogen und sei jemand gewesen, der sich nie ein Blatt vor den Mund genommen und Dinge beim Namen genannt habe: "Dafür gebührt ihm großer Respekt." Haider hinterlasse als Mensch und Politiker eine große Lücke.

Haider sei ein politischer Herausforderer gewesen, "der besonders ernst zu nehmen war, wenn nicht überhaupt am ernstesten", sagte SPÖ-Altkanzler Franz Vranitzky am Samstag im ORF-"Mittagsjournal". Haiders Talent, viele Menschen für seine Ansichten zu begeistern und zu gewinnen, sei "außerordentlich" gewesen, erklärte Vranitzky, der unterstrich, dass er in "grundsätzlichen politischen Positionen konträr zu Haider stand".

Er habe "mit Bestürzung und Entsetzen" vom Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes gehört, betonte der frühere SPÖ-Chef, der 1986 die Koalition mit der SPÖ aufkündigte, weil Haider die FPÖ übernommen hatte. Das Etikett, er habe die Haider-FPÖ "ausgegrenzt", wollte Vranitzky -unter Hinweis auf parlamentarische Zusammenarbeit der Parteien - so nicht geltenlassen. Aber er betonte, dass er mit dem früheren FPÖ-Chef "Gesinnungskompromisse nicht schließen konnte, da hätte ich mich als Politiker aufgegeben".

Schüssel: "Hochbegabter Politiker mit Leib und Seele"

ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel hat den verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als "hochbegabten Politiker mit Leib und Seele" gewürdigt. Mit Haider sei es im Jahr 2000 gelungen, ein Reformprogramm für Österreich zu erarbeiten und umzusetzen, erklärte der Altkanzler. Er hat seine Ziele stets mit Leidenschaft und großer Zielstrebigkeit verfolgt: "Haider war ein engagierter Sozialpolitiker der zuhören konnte, der sich den Menschen verbunden fühlte und das auch vorlebte."

Rechnungshof-Präsident Josef Moser erklärte, mit Haider einen persönlichen Freund und Weggefährten zu verlieren. Haider habe ihn dazu bewogen, in der Politik zu arbeiten. Ein wesentlicher Kern seines Strebens sei das Aufzeigen und die Beseitigung von Missständen, die Schaffung von Transparenz und insbesondere das Leben von Bürgernähe gewesen: "Er hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen von Menschen und war immer bereit zu helfen", so Moser, der ebenso wie Molterer der Familie Haiders sein Beileid bekundete.

"Betroffen" zeigt sich der geschäftsführende ÖVP-Bundesparteiobmann Josef Pröll über das Ableben des Kärntner Landeshauptmanns und BZÖ-Chefs Jörg Haider. Wie kaum ein anderer habe dieser die österreichische Innenpolitik in den vergangenen Jahrzehnten mitgestaltet und geprägt. "Meine Gedanken und meine Anteilnahme gelten in diesen schweren Stunden vor allem seiner Familie", so Pröll in einer Aussendung.

Platter: "Zweifellos eine der prägendsten politischen Figuren"

"Sehr betroffen" hat sich Tirols Landeshauptmann Günther Platter am Samstag vom Tod seines Kärntner Amtskollegen gezeigt. Jörg Haider sei "zweifellos eine der prägendsten politischen Figuren in Österreich in den letzten Jahrzehnten, ganz besonders aber in Kärnten, gewesen - oft auch sehr polarisierend".

Platter sprach vor allem der Familie Haiders seine tiefste Anteilnahme aus. Angesichts dieses überraschenden Todes stehe das Menschliche im Vordergrund. "Mein Mitgefühl gilt seiner seiner Familie", erklärte Platter.

Der steirische ÖVP-Obmann LHStv. Hermann Schützenhöfer würdigte Haider als "eine der prägendsten Gestalten der österreichischen Innenpolitik in den letzten beiden Jahrzehnten" - und attestierte ihm Handschlagqualität: "Ich kann nur sagen, was man mit ihm ausgemacht hat, hat gehalten."

"Betroffen über das tragische Ableben von Jörg Haider" zeigt sich die geschäftsführende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig. Haider sei eine der prägendsten politischen Figuren in Österreichs Innenpolitik in den letzten Jahrzehnten gewesen, habe aber auch entschieden polarisiert. Ihr Mitgefühl gelte Haiders Familie, besonders seiner Mutter, zu deren 90. Geburtstag Haider unterwegs gewesen sei.

Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, ein langjähriger Weggefährte Jörg Haiders, nannte den Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes am Samstag "unglaublich und tief schockierend". Österreich verliere einen "fantastischen Menschen und großen Landeshauptmann". Haider sei einer der "faszinierendsten Politiker" gewesen, der "Österreich über viele Jahre wie kaum ein anderer geprägt" habe, sagte Grasser.

Er habe viel von Haider - der für ihn "immer ein Freund" gewesen sei - gelernt und sei "dankbar, ein Stück des Weges mit ihm gegangen zu sein". Zuletzt habe er relativ wenig Kontakt zu Haider gehabt, aber dennoch sei die Nachricht von dessen Tod "unglaublich und tief schockierend", sagte Grasser, der sich nach der Wahl 2006 aus der Politik zurückgezogen hat: "Es tut mir sehr leid für seine Familie, Kärnten und unser Land."

"Einer der größten Politiker der Nachkriegsgeschichte"

Peter Westenthaler, der fast 20 Jahre lang an der Seite Jörg Haiders gestanden hatte, nannte ihn in der Morgen-ZiB des ORF "einen der größten Politiker der österreichischen Nachkriegsgeschichte". Mit den Tränen kämpfend unterstrich er vor allem Haiders "große Menschlichkeit".

Westenthaler bat auch die "Gegner" seines verstorbenen Parteichefs, "anzuerkennen, dass vor allem der Mensch Jörg Haider in den Vordergrund zu stellen ist". Haider sei der erfolgreichste und beliebteste Landeshauptmann gewesen. Er habe "für das Land unendlich viel bewegt" - und "vor Ideen, vor Lebensenergie gesprüht", sagte Westenthaler, den Haider vor der Nationalratswahl als Parteichef und Spitzenkandidat abgelöst hatte.

Gorbach: "Sich selbst hat er bis zuletzt in keiner Sekunde geschont"

Mit tiefer Betroffenheit reagierte Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach als langjähriger politischer Wegbegleiter von Jörg Haider auf dessen Ableben Samstagnacht: Er habe ein Vorbild und guten Freund verloren.

"Seit 1976 war Jörg Haider nicht nur mein politischer Wegbegleiter und Mentor, sondern auch echter Freund in guten und weniger guten Zeiten. Er war als damaliger Bundesobmann der Freiheitlichen Jugend Hauptgrund für mein politisches Engagement und ein Vorbild, von dem ich viel gelernt habe."

Der verstorbene Landeshauptmann sei "außergewöhnlich, ein ganz besonderer Politiker und ein ganz besonderer Mensch" gewesen, der die Politik Österreichs in den letzten Jahrzehnten geprägt habe, wie kaum ein anderer zuvor: "Jörg Haider war begeisterungsfähig, sprühend vor Ideen, charismatisch und konsequent - ein Politiker, der die Sorgen und Nöte der Menschen verstanden und immer sehr ernst genommen hat. Er war ein Politiker mit viel Sachverstand, besonderem Sensorium für zukünftige Entwicklungen und großem Herz, der wie kein anderer auf die Menschen zugehen konnte. Seine Spuren sind unauslöschlich und werden immer sichtbar sein."

Eine nach Ansicht Gorbachs "wichtigsten politischen Großtaten" Haiders war "das Aufbrechen des Proporzsystems und damit die politische Veränderung des Landes in der Nachkriegszeit - hin zu einem modernen, flexiblen, offenen Land. Im Mittelpunkt seines politischen Handelns stand stets der Mensch, er hat auch wie kein anderer allgemeine Interessen vor persönliche gestellt. Sich selbst hat er bis zuletzt in keiner Sekunde geschont."

Windholz: "Wie ein Keulenschlag"

"Es ist unfassbar. Die Nachricht hat mich wie ein Keulenschlag getroffen", reagierte Ernest Windholz, der bei der Nationalratswahl für das BZÖ als Spitzenkandidat in Niederösterreich angetreten war, am Samstag auf den Unfalltod Jörg Haiders. Der frühere NÖ Landesobmann der FPÖ und Landesrat sprach von einem "Riesenverlust für die Republik".

Haider habe noch "so große Pläne gehabt", sagte der künftige Abgeordnete zum Nationalrat weiter. Der Landeshauptmann hinterlasse ein politisches Erbe, "dem ich mich verpflichtet fühle". Haider sei für einen "neuen sozialen Weg eingetreten", den er "in Kärnten vorgelebt" habe.

Tief betroffen und "erschüttert" hat sich Wolfgang Rauter über den Tod Jörg Haiders gezeigt. Der Kärntner Landeshauptmann sei jener Politiker gewesen, der in den vergangenen Jahren die meisten Ideen für Österreich eingebracht habe, sagte der langjährige Weggefährte Haiders am Samstag in der Früh. Haiders Ableben sei eine "Tragödie für Österreich", so der frühere Obmann der FPÖ-Burgenland. Er sprach der Familie des Landeshauptmannes aufrichtigste Anteilnahme aus.

Burgstaller: "Der Mensch stand im Mittelpunkt seines Handelns"

"Mit Landeshauptmann Jörg Haider verliert Österreich eines der größten politischen Talente der letzten Jahrzehnte, reagierte Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller am Samstag tief betroffen auf den Tod ihres Kärntner Amtskollegen. Trotz so mancher Auffassungsunterschiede sei für sie erkennbar gewesen, dass für Jörg Haider vor allem in sozialen Fragen der Mensch im Mittelpunkt seines Handelns gestanden habe.

"Der Tod reduziert auf das Wesentliche. Und dazu ist zu sagen, dass Jörg Haider ein großer Familienmensch war, das war immer wieder erkennbar. Daher muss unser Mitgefühl jetzt vor allem seiner Familie gelten, allen voran seiner Frau, seinen Kindern und seiner Mutter", sagte Burgstaller. Sie habe Jörg Haider als humorvollen, kommunikativen und engagierten Menschen mit vielen liebenswerten Seiten erlebt. Mit Jörg Haider habe sie einen politischen Kollegen verloren, der vor allem die Fähigkeit hatte, nach vorne zu schauen, sagte Burgstaller.

Der oberösterreichische FPÖ-Landesparteiobmann Lutz Weinzinger hat den Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes am Samstag als einen "Verlust für die politische Landschaft in Österreich" bezeichnet. Haider habe für "politische Erdbeben und Kräfteverschiebungen" gesorgt, die vorher niemand erwartet oder für möglich gehalten habe, so der langjährige Wegbegleiter in einer Aussendung. "Was Jörg Haider an politischen Veränderungen ausgelöst hat, findet auch im europäischen und internationalen Vergleich kein Gegenstück."

FPNÖ-Chefin Rosenkranz bestürzt

Der jähe Unfalltod des Landeshauptmannes von Kärnten sei bestürzend, sagte FPNÖ-Landesparteiobfrau Barbara Rosenkranz am Samstag. "Jörg Haider hat mit seinem außerordentlichen Können die Politik in unserem Land entscheidend geprägt. Österreich verdankt ihm wertvolle Impulse", betonte die Landesrätin in einer Aussendung und drückte der Familie des Verstorbenen ihr aufrichtiges Beileid aus.

"Wir stehen unter Schock", zeigte sich Ex-BZÖ-Generalsekretät Gerald Grosz in einer ersten Reaktion tief betroffen vom plötzlichen Tod Jörg Haiders. Grosz erklärte, "Österreich habe nicht nur einen der größten Politiker verloren", sondern er auch "einen väterlichen Freund".

Der steirische BZÖ-Chef wird um 13.00 Uhr im Grazer Büro (Jungerferngasse 1) eine ausführliche Stellungnahme abgeben.

Der Unfalltod Jörg Haiders hat auch bei Vorarlbergers Landeshauptmann Herbert Sausgruber tiefe Betroffenheit ausgelöst. Als derzeitiger Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz hätte Sausgruber kommende Woche auch seinen Amtskollegen Haider in Bregenz begrüßen sollen.

"Jörg Haider war ein engagierter Vertreter von Länderinteressen, speziell natürlich des Landes Kärnten, aber auch darüber hinaus für alle österreichischen Bundesländer", erklärte Sausgruber. Haider habe in Österreich "in den vergangenen Jahrzehnten viel Veränderung bewirkt, andererseits auch stark polarisiert".

"Es ist fürchterlich was passiert ist, ich bin sehr betroffen vom Tod meines Kärntner Kollegen", sagte Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer am Samstag zum Unfalltod von Jörg Haider. Sein Mitgefühl gelte den Angehörigen. Pühringer würdigte den Kärntner Landeschef als "Ausnahmepolitiker", mit dem er "trotz weltanschaulicher Unterschiede eine gute Gesprächsbasis" hatte.

Politische Differenzen relativiert

Tief betroffen vom Unfalltod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider ist Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ). Politische Differenzen und konkurrierende Wertvorstellungen würden durch den Tod nicht aufgehoben, aber entscheidend relativiert, meinte die SPÖ-Politikerin in einer Aussendung der Parlamentskorrespondenz. Sie anerkenne und würdige die große politische Lebensleistung Haiders, der die österreichische Politik der letzten Jahrzehnte mit geprägt habe.

Der Tod Haiders sollte alle Politiker daran erinnern, dass bei aller Schärfe der politischen Auseinandersetzung der Respekt vor dem Menschen gewahrt bleiben müsse. Haider habe als Politiker im Bund wie in Kärnten in den letzten Jahrzehnten viel in Bewegung gebracht. Ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen.

"Tief betroffen" vom Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider zeigte sich am Samstag der Präsident des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) Gerhart Holzinger. "In einem solchen Moment treten alle Auffassungsunterschiede der Vergangenheit in den Hintergrund", sagte er. Er wäre in den nächsten Tagen zu einem lange geplanten Antrittsbesuch bei Haider nach Kärnten gefahren. "Jetzt gilt meine Anteilnahme der Familie", betonte Holzinger.

Die VfGH-Präsidenten - vor allem auch Holzingers Vorgänger Ludwig Adamovich und Karl Korinek - waren seit dem Ortstafel-Erkenntnis aus dem Jahr 2001 das Ziel teils auch untergriffiger Attacken Haiders und anderer FPÖ- bzw. BZÖ-Politiker.

Durch den Unfalltod von Landeshauptmann Jörg Haider sei eine außergewöhnliche politische Karriere tragisch beendet worden. Das erklärte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, der der Familie Haiders sein Beileid ausdrückte. Haider habe bewegt und gestaltet, durchaus auch mit Widersprüchen. Die Sozialpartnerschaft habe er gefordert, aber damit letztlich auch bewirkt, dass Anstrengungen und Leistungen erhöht worden seien.

Für ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer hatte Haider die Stärke, wie ein Barometer die Stimmungen in der Bevölkerung zu erkennen und anzusprechen. Ebenso wie die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter drückte der ÖGB-Chef der Familie sein Beileid aus.

Strache: Großartiger Politiker

  "Tief geschockt und betroffen" hat FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache die Nachricht vom Ableben des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider aufgenommen: "Auch wenn sich unsere Wege vor ein paar Jahren getrennt haben, so war Haider eine der prägendsten Politikerpersönlichkeiten der Zweiten Republik." Haider habe seit dem Jahr 1986 die österreichische Innenpolitik nachhaltig geprägt und für kaum vorstellbare Veränderungen innerhalb des rot-schwarzen Machtfilzes in Österreich gesorgt.

Seine Leistungen für das Land und die Republik seien unbestritten: "Mit seinem Ableben verliert die Republik einen großartigen Politiker", so Strache, der in einer Aussendung auch der Familie Haiders sein Mitgefühl aussprach.

Der steirische Landeshauptmann Franz Voves würdigte den Samstag Nacht tödlich verunglückten Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als "eine der charismatischsten Persönlichkeiten in der österreichischen Politik" in den letzten Jahrzehnten. Haider sei "ein sehr anerkannter Landeshauptmann-Kollege" gewesen, "der sich in den letzen Jahren mit viel Erfolg für den Süden Österreichs eingesetzt hat".

Betroffener Faymann

SPÖ-Chef Werner Faymann zeigt sich "tief betroffen vom tragischen Ableben des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider". Haider sei ein Ausnahmepolitiker gewesen, der die Politik in Kärnten und darüber hinaus in ganz Österreich über Jahre hinweg geprägt habe, so Faymann. Sein ganzes Mitgefühl gelte der Familie des Verstorbenen.

"Tiefen Respekt" vor seinem langjährigen Landeshauptmann-Kollegen brachte Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll zum Ausdruck. Haider habe viel sachliche Kompetenz in die Angelegenheiten der Bundesländer eingebracht, oft auch sehr polarisierend. Unbestritten bleibe jedenfalls Haiders herausragendes politisches Talent, sein Tod sei einfach "unglaublich", so Pröll.

"Tief betroffen" haben sich in einer ersten Reaktion auf den Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider die Parteichefs von SPÖ und ÖVP in Kärnten, Reinhart Rohr und Josef Martinz, gezeigt.

Die Anteilnahme und das Mitgefühl der SPÖ Kärnten gelte jetzt vor allem der hinterbliebenen Gattin und der Familie, sagte Rohr Samstag Früh in einer Aussendung. Martinz erklärte, er sei "schockiert und entsetzt". Seine tiefste Anteilnahme gelte in diesen schwersten Stunden Haiders Ehefrau Claudia, den beiden Töchtern und der Mutter. Haider sei seiner Meinung nach das Sinnbild für einen nimmermüden Einsatz für die Politik, das Land und Österreich.

Für den stellvertretenden BZÖ-Chef Herbert Scheibner ist der Unfalltod von Parteigründer Jörg Haider "unfassbar". "Gestern war er noch für die Kärntner unterwegs und hat den persönlichen Kontakt mit den Bürgern gefunden, und heute ist er nicht mehr. Das ist für uns alle ein Schock", sagte Scheibner am Samstag. Wer die Partei nun führen wird, ist noch nicht geklärt. "Das sind Fragen, die wir uns derzeit weder stellen noch beantworten."

Haider habe die Politik Österreichs in den letzten Jahrzehnten wie kaum ein anderer geprägt. Jetzt gehe es einmal darum, den Schock von Haiders Tod zu verkraften. Alles Weitere werde danach entschieden. Er selbst werde an der Parteileitungssitzung des Kärntner BZÖ am Samstagabend nicht teilnehmen, sagte Scheibner. Das sei eine Sache der Kärntner Freunde. "Wir werden in den Bundesgremien dann entsprechend die weitere Vorgehensweise diskutieren", so Scheibner. Sitzungstermin gebe es noch keinen.

Scheibner ist einer von zwei Stellvertretern Haiders als Bundesparteichef. Der zweite Stellvertreter ist der geschäftsführende Kärntner Parteiobmann Stefan Petzner.

Ewald Stadler trauert um einen "politischen Ziehvater", schrieb der frühere FPÖ-Politiker, der erst im Sommer zum BZÖ gewechselt war, am Samstag in einer Aussendung. Er sei "erschüttert und tief traurig" - und "einmal mehr froh darüber", dass es ihm "noch vergönnt gewesen" sei, sich mit seinem "langjährigen Freund Jörg Haider aussöhnen zu dürfen". Der Ex-Volksanwalt und künftige BZÖ-Nationalratsabgeordnete sah darin "geradezu eine Fügung".

Stadler sprach Haiders Familie sein Mitgefühl aus. Der Tod Haiders habe "aber auch in Österreich und hier vor allem in Kärnten eine nicht zu schließende Lücke gerissen", erklärte er weiter. "Jörg Haider hat der Zweiten Republik seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt", meinte Stadler wörtlich. Das politische Vermächtnis Haiders müsse nunmehr für alle seine politischen Freunde "ein Auftrag sein, in seinem Sinne weiterzuarbeiten", mahnte er und forderte dabei die "uneingeschränkte Unterstützung für BZÖ-Vize Stefan Petzner und Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Dörfler ein.

Vorarlberger Weggefährten würdigen Verdienste

Der Vorarlberger FPÖ-Landesrat und Parteiobmann Dieter Egger zeigte sich Samstagvormittag "tief geschockt" vom Tod Jörg Haiders: "Es ist unfassbar." Egger hatte die Landespartei nach dem Wechsel Hubert Gorbachs nach Wien übernommen: "Jörg Haider ist über lange Zeit ein politischer Weggefährte gewesen, er hat Österreich in einem Maß geprägt wie kein anderer."

Auch Christoph Hagen, ehemaliger FPÖ-Bundesrat aus Vorarlberg, der bei der Parlamentswahl ein politisches Comeback als BZÖ-Abgeordneter feierte, zeigte sich "schockiert" von der Todesnachricht: "Ich habe nicht nur persönlich einen engen Freund verloren, sondern das BZÖ seinen Mentor." Seine politische Rolle in Österreich sei "herausragend" gewesen, so Hagen.

Betroffenheit hat am Samstag bei der ÖVP und FPÖ im Burgenland geherrscht. Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl betonte, Österreich verliere einen Menschen, "der die politische Landschaft der Zweiten Republik nachhältig verändert" habe. Steindls Anteilnahme galt der Familie Haiders. Johann Tschürtz, Obmann der FPÖ-Burgenland, sprach von einer "Tragödie".

"Sehr erschüttert" über das Ableben des gebürtigen Bad Goiserers Jörg Haider hat sich am Samstag Bürgermeister Peter Ellmer gezeigt: "Ich bin tief betroffen", erklärte er. Haider sei ein "typischer Salzkammergütler" gewesen und habe nicht so schnell aufgegeben. "Da hat man den Goiserer gespürt", sagte Ellmer.

Mit Bestürzung hat Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) auf den Tod Jörg Haiders reagiert. "Haider war ein politisches Talent und hat die österreichische Innenpolitik der letzten Jahre geprägt", erklärte er am Samstag. Auch wenn man oft nicht einer Meinung gewesen sei, habe es zwischen Kärnten und Südtirol doch immer eine gute Zusammenarbeit gegeben.

"Zuallererst gehört mein Beileid den Angehörigen", betonte Durnwalder. In verschiedensten Fragen sei er mit dem Kärntner Amtskollegen nicht einer Meinung gewesen. "Bedauerlich ist vor allem, dass wir in der Frage der Behandlung der slowenischen Minderheit in Kärnten diametral entgegengesetzte Positionen vertreten und keine gemeinsame Lösung gefunden haben", sagte er.

Tief betroffen vom Ableben Jörg Haiders zeigen sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und der Kärntner Superintendent Manfred Sauer. Er wünsche der ganzen Familie viel Kraft für die schwere Zeit des Schocks und der Trauer, erklärte Bünker, der sich derzeit in Kärnten aufhält. Haiders Tod bedeute einen enormen Verlust für das Land, sagte Sauer.

Jörg Haider sei "ein Politiker mit großer Begabung und Charisma" gewesen, der in den letzten 20 Jahren Österreich entscheidend mitgeprägt habe, erklärte Bünker. Neben großer Zustimmung und Begeisterung habe er auch Ablehnung und heftige Kritik hervorgerufen: "Er stand als Person für diesen polarisierenden Stil in der Politik". Dass der amtierenden Landeshauptmann Kärntens so tragisch aus dem Leben gerissen werde, möge alle in der Politik des Landes aufrufen, in besonnener Weise die politische Auseinandersetzung zu führen und stets das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. (APA/red)

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