Zocken um die Luxuswohnung

11. Oktober 2008, 17:00
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"Wer bietet mehr?", heißt es neuerdings beim Verkauf von gehobenen Immobilien. Das unverbindliche Bieterverfahren stößt allerdings noch auf Skepsis

"Open House" künden wehende Fahnen vor dem Eingang des eben fertiggestellten "Biedermeierhofs" in der Gersthofer Straße im noblen 18. Wiener Gemeindebezirk - und locken damit nicht nur eine ganze Menge Anrainer und Schaulustiger an. Schließlich gibt es nicht jeden Tag die Gelegenheit, jene luxuriösen Wohnungen, die hinter dem kaisergelben historischen Bauteil an der Straßenfront errichtet wurden, von innen zu sehen.

Gekommen sind aber auch viele Neugierige, die sich für die Penthouses, Lofts und Gartenwohnungen in bester Lage ernsthaft interessieren - und auch bereit sind, ein wenig zu zocken. Zwei der insgesamt 15 Eigentumswohnungen sollen nämlich mit einem hierzulande ungewöhnlichen Vermittlungsmodell an die Käufer gebracht werden.

Das Ganze nennt sich "unverbindliches Bieterverfahren" und basiert darauf, dass jeder, der will, innerhalb einer festgelegten Frist ein Gebot hinterlegen kann. Der Unterschied zu einer Auktion oder Versteigerung: Den Zuschlag muss nicht unbedingt der Bestbieter bekommen. Die Gebote sind weder für den Verkäufer noch für den Bieter verbindlich, letztlich bleibt es dem Eigentümer überlassen, mit wem er vertragseinig wird.

Konkurrenzsituation

420.000 Euro lautet der auf der Eingangstür angebrachte Ausrufungspreis für eine 93 Quadratmeter große Wohnung mitsamt Terrasse und 100 Quadratmeter großem Garten. Wer jedoch bereit ist, gleich einen Kaufpreis von 470.000 Euro hinzulegen, werde bevorzugt, merkt der zuständige Makler des Immobilienbüros Dr. Koch an.

"Das ist doch ein witziger Gag", meint ein betuchtes Paar, das gemütlich durch die Apartments schlendert. "Das hat schon seinen Reiz, diese Konkurrenzsituation." Mitbieten werden sie dennoch nicht - es fehlt ihnen das Besondere in den insgesamt recht schlicht gehaltenen Wohnungen. Auch das "Home-Staging", also die Inszenierung der Zimmer mit Möbeln und Accessoires, die das Objekt noch wertvoller erscheinen lassen soll, hinterlässt bei besagtem Paar wenig Eindruck.

"Bisher haben wir das Verfahren nur bei sehr begehrten Unikaten angewandt", erklärt Eggert Koch, Geschäftsführer von Dr. Koch Traumrealitäten. Nun wolle man testen, ob sich das Prinzip auch für andere Immobilien eigne. Mehrere Interessenten hätten sich bisher gemeldet, die bei der Gewinn-Messe am 18. Oktober ihr Gebot öffentlich machen und mitsteigern wollen. Auch anonyme Gebote sind möglich, weiterverhandelt werde mit den Meistbietenden ohne- hin in diskretem Rahmen, betont Koch.

Ein Gefühl für den Wert

Ziel des Bieterverfahrens ist es, durch konzentrierte Besichtigungstermine, die zuvor mittels Inseraten angekündigt werden, ein Gefühl der Verknappung zu erzeugen. Der Richtpreis wird auf etwa 80 Prozent des geschätzten Werts angesetzt, wodurch die Interessenten auf ein Schnäppchen hoffen können. "Dadurch wird die Käuferschicht größer und die Vermittlung geht schneller. Der Verkäufer bekommt ein besseres Gefühl für den Marktwert und kann am Ende mit bis zu 120 Prozent des Schätzwerts rechnen", erläutert Koch.

Für die Käufer bietet sich abgesehen vom Spaß- und Spannungsfaktor jedoch kaum ein Vorteil. Das ist auch dem jungen Pärchen klar, das auf der Suche nach einer gehobenen Vier-Zimmer-Bleibe ist: "Grundsätzlich hätten wir nichts dagegen mitzubieten. Aber wir würden deswegen nicht mehr Geld ausgeben, als uns die Wohnung wert ist."

Noch stößt das private Bieter-verfahren, das an ähnliche Modelle im öffentlichen Bereich angelehnt ist und in den USA und Skandinavien bereits erfolgreich angewandt wird, hierzulande auf Skepsis. Für mehr Immobilien-Auktionen - abgesehen von Zwangsversteigerungen - könnte ab 2009 die gesetzliche Neuregelung der "freiwilligen Feilbietung" sorgen. Bisher ein gerichtliches Verfahren, kann die Feilbietung künftig durch einen Notar, Rechtsanwalt oder Makler abgewickelt werden. Dann wird es wohl auch bei Wohnungen öfter heißen: "Wer bietet mehr?"  (Karin Krichmayr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.10.2008)

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